"Parasitäre" Turbo-Sterne

Rätsel um Rotationsbremse bei Millisekunden-Pulsaren gelöst

5. Februar 2012, 23:31

Neutronensterne saugen von Nachbarn Materie ab und werden dadurch schneller - Ist der Partnerstern erschöpft, verlangsamt der Pulsar wieder seine Umdrehung

Manche Neutronensterne brauchen für eine Umdrehung nur Bruchteile von Sekunden. Im Laufe ihres Daseins steigern diese Himmelskörper sogar noch ihre Rotationsgeschwindigkeit - bis sie ohne zunächst sichtbarer Ursache plötzlich langsamer werden. Lange Zeit rätselten Astronomen darüber, was diese Objekte zu ihrem ungewöhnlichen Verhalten veranlasst. Ein Astrophysiker am Max-Planck-Institut für Radioastronomie und am Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn hat nun dieses Geheimnis gelüftet: Wie ein Vampir saugt der Neutronenstern von seinem Nachbarn Materie ab und wird dadurch schneller. Ist der Partnerstern erschöpft, verlangsamt der "Parasit" wieder seine Rotation.

Ein Pulsar ist ein schnell rotierender Neutronenstern, der sich wie ein Kreisel um die eigene Achse dreht. Ähnlich einem Leuchtturm schickt er dabei regelmäßig wiederkehrend Strahlen zur Erde. Pulsare entstehen bei Supernova-Explosionen von massereichen Sternen. Sie ziehen sich dabei stark zusammen. Wie eine Eiskunstläuferin, die bei einer Pirouette die Arme anlegt, beschleunigen die Neutronensterne sehr stark ihre Umdrehung.

Abgebremste Turbosterne

Doch die Lampe eines Leuchtturms dreht sich vergleichsweise gemächlich im Vergleich zu den Pulsaren. Die am schnellsten rotierenden sind die so genannten Millisekunden-Pulsare, die nur wenige Tausendstel Sekunden für eine Umdrehung benötigen. Rund 200 dieser speziellen Himmelsobjekte sind heute bekannt. Ein ungelöstes Rätsel der Wissenschaft war bislang die Frage, warum solche Turbo-Sterne plötzlich wieder langsamer werden - so als würde sie eine unsichtbare Macht abbremsen.

Der dänische Astrophysiker Thomas Tauris arbeitet zugleich am Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn und am benachbarten Max-Planck-Institut für Radioastronomie. Er ist hinter das Geheimnis dieser ungewöhnlichen Abbremsung gekommen. "Der Millisekunden-Pulsar rotiert so schnell, weil ein Partnerstern Masse auf ihn überträgt", sagt Tauris, der Autor der Studie, die im Fachjournal "Science" veröffentlicht wurde. "Das Ergebnis dieses Doppelsternsystems gleicht einem Mühlrad, das von der Wassermasse angetrieben und beschleunigt wird." Da in dem Doppelsternsystem der eine Partner auf Kosten des anderen Masse absaugt, verhält sich der Millisekunden-Pulsar darüber hinaus wie ein hungriger Vampir.

Während der Millisekunden-Pulsar durch seine "Leuchtturm-Signale" gut von der Erde aus zu erkennen ist, wirkt der Nachbarstern im Verborgenen. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem der Partnerstern keine Masse mehr auf den Pulsar überträgt. "Dann dehnt sich die Magnetosphäre des Millisekunden-Pulsars aus und wird größer", berichtet Tauris. "Wie mit einem Propeller wird dann das einfallende Material herausgewirbelt." Im Ergebnis verlangsamt der Neutronenstern seine Umdrehungen. Das Phänomen lässt sich abermals anhand der Eiskunstläuferin veranschaulichen: Wenn sie bei der Pirouette die Arme ausbreitet, dann verlangsamt sich ihre Rotationsgeschwindigkeit.

Zwei Phasen einer Entwicklung

Anhand von numerischen Berechnungen auf der Grundlage von Sternentwicklungsmodellen untersuchte der Wissenschafter die Auswirkungen des Massenzuwachses. "Es konnte gezeigt werden, dass die Millisekunden-Pulsare in der Schlussphase ungefähr die Hälfte ihrer Rotationsenergie verlieren", sagt Tauris. Darüber hinaus lässt sich mit diesen Berechnungen erklären, warum manche Pulsare Röntgen-Strahlung und andere wiederum Radiowellen aussenden. Solange Materie vom Nachbarstern übertragen und der Pulsar beschleunigt wird, sendet er extrem kurzwellige Röntgenstrahlung aus. Sobald aber der Materiestrom unterbrochen ist und eine Verlangsamung eintritt, kommt es zur Ausstrahlung deutlich länger welliger Radiostrahlen. "Es handelt sich dabei also um zwei verschiedene Phasen der selben Entwicklung", sagt Tauris. Diese Theorie wird durch Messungen bestätigt. "Die Ergebnisse dieser Berechnungen stimmen mit den Beobachtungsergebnissen überein", sagt der Astrophysiker. (red)

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22 Postings
Erich Peter Krauliz
00
15.2.2012, 15:27
Moderne Maerchen

Wieso ver(sch)wenden diese super-intelligenten "Wissenschaftler" ihre genialen Gehirne nicht fuer etwas Nuetzlicheres? Zum Beispiel, unsere irdischen Probleme zu loesen? Statt dessen geil-quasseln sie von Simulationen, Berechnungen und "Messungen" von angeblichen Zusammenhaengen im Kosmos, die an Maerchen-Stunde erinnern.

Aahn
01

naja, ich fahr mal hin und schaus mir an..

Tom_Bombadil
01
Ok, klingt einleuchtend wenn man die entsprechenden Hintergrunddaten und Berechnungen glaubt.

Nun ja, will ich mal glauben.
Erklären kann ich mir die Rotationsverlangsamung aber nur sehr oberflächlich wenn ich einen Zusammenhang mit der gegenseitigen Beeinflussung von Stern, Magnetosphäre und den hinausgeschleuderten Partikeln als Grundlage betrachte.

Der Artikel-Abstract ist bisschen dünn. Aber kann das jemand eventuell verständlicher erklären?

Danke!

PS: Bitte an FS3: Wenn SIE eine Erklärung versuchen beschränken Sie sich auf maximal einen Informativen und lesbaren Link oder versuchen Sie es selbst mal ohne Fachkauderwelsch à lá Star Trek. Danke.

F S 3
98
Drei Sätze sind in dieser ERGEBNISORIENTIERTEN "Rätsellösung" wesentlich zum Verständnis, wie in der heutigen Astrophysik gefällige "Antworten" produziert werden…



1) "…Während der Millisekunden-Pulsar durch seine "Leuchtturm-Signale" gut von der Erde aus zu erkennen ist, wirkt der Nachbarstern im Verborgenen…"

Auch der deus ex machina wirkte "im Verborgenen".

2) "…Anhand von numerischen Berechnungen auf der Grundlage von Sternentwicklungsmodellen…"

Ich finde mit Vorliebe das, was ich mir wünsche.

3) "…Diese Theorie wird durch Messungen bestätigt…"

Logo, weil die Daten ja erst die "Theorie" gebaren, bestätigen die Messungen natürlich die Theorie.

Immer. Ein todsicheres Rezept:
http://derstandard.at/plink/132... 8/24422316

erebos
02
"...weil die Daten ja erst die "Theorie" gebaren, bestätigen die Messungen natürlich die Theorie. "

Mal wieder zu kurz gedacht. Existierende Modelle unterstützen die Theorie und duch weitere Messungen bestätigt. (da keine wesentlichen Abweichungen, ist zu vermuten)

" Ich finde mit Vorliebe das, was ich mir wünsche. "
- haben sie wieder einmal bestätigt. ;)

Nick Tameer
03

"Logo, weil die Daten ja erst die 'Theorie' gebaren, bestätigen die Messungen natürlich die Theorie."

Eine Falle, in die das F S 3 nicht tappt!

F S 3
43
Zugegeben - für "Gläubige" war diese Aussage ein wahres Festmahl, ohne daß sie den Ringschluß darin erkennen. Warum? Nun, es gibt ja auch VARIABLE PULSARE,…

…welche sich für Wochen "normal" verhalten, entsprechend der vielfältigen, gleichlautenden astrologonomischen W**vorlagen, aber dann für Monate AUFHÖHREN, sich entsprechend dieser Wunschvorlagen zu benehmen.

PSR B1931+24 ist etwa so ein Lauser.

Die brilliante Idee, daß so ein Pulsar einen (nicht beobachtbaren und deshalb dazuphantasierten) "Spender" von nebenan frißt führt sich eben genau da ad absurdum, weil es eben ein PERIODISCHER PROZESS sein kann -genau wie von einem elektrischen Schwingkreis zu erwarten wäre- der durch Änderung der Impedanz ohne weiteres auch variabel sein kann.

Deshalb ist die "Erklärung" per Rotationsbremse eher eine wissenschaftliche Spaßbremse.

FS3-NACHLESE:
http://derstandard.at/plink/131... 3/23211580

derderbenutzer
01

Nur die konsequente und rückhaltlose Befreiung von jeglicher Wirklichkeit macht diesen Sender zu dem, was er heute ist oder nicht ist ...

F S 3
42
Kaum, denn in jenem Fall…

…wäre das FS3 wohl eine hochangesehene Koryphäe in der Astrophysik.

derderbenutzer
02
:-)

Schlagfertiges Kontra, das soll fairerweise gesagt sein. Grüße an die Praktikanten in der Redaktion des Senders!

F S 3
34
:) …Über das galaktische Rosstäuschen…

…Während "Nick und das Tameer" wohl noch nachdenken muß, was das FS3 mit seiner Feststellung eigentlich gemeint haben könnte, auch an sie die Frage:

Fällt eigentlich auch ihnen nicht auf, daß obige per Presseaussendung verbreitete "Rätsellösung" eigentlich nur den Sonderfall dieses EINEN Pulsars beschreibt und keinesfalls für Pulsare allgemein gilt? Und daß die "Lösung" so zustandekam, daß man vom Ergebnis -oder zumindest von dem,was die glauben das es sei- auf die Rechnung zurückrechnete?

Charles Sanders Peirce bezeichnet eine ähnliche Vorgangsweise als abduktiven Schluß:

"Die überraschende Tatsache C wird beobachtet;

aber wenn A wahr wäre,würde C eine Selbstverständlichkeit sein;

folglich besteht Grund zu vermuten,daß A wahr ist."

Nick Tameer
03

Liebes F S 3, selten bin ich über den Sinngehalt deiner Sendungen im Unklaren, was nicht unbedingt heißt, dass ich den so erfassten Sinn auch stets für sinnreich hielte. Ein Bedürfnis, dies jeweils näher zu erörtern verspüre ich allerdings nur noch selten - der Gentleman genießt und schweigt (meistens).

Bist du stark genug für die Wahrheit?

So wisse: ich stehe im Dienste des Kapitals, denn da es mir selbst an solchem gebricht, habe ich mich notgedrungen bei einer mächtigen Gesellschaft verdungen, was mich häufig vom eigenen Bildschirm fernhält. Da heißt's dann Tameer hier! Tameer da! so dass mir die Muße fehlt, um überhaupt an Repliken schnitzen und feilen zu können, und mein Prinzipal sähe das auch nur ungern.

erebos
01

Da fällt ihnen ja ein lustiger Widerspruch einer Behauptung auf, die niemand aufgestellt hat.
Wo steht denn, dass dieses Phänomen für alle Pulsare im Allgemeinen gelten würde?
Man könnte es zwar so herauslesen, aber wenn sie nach all den Jahren ihrer Klugscheisserschaft im Standard Forum immer noch an den fachgerechten Ausdruck und Inhalt der Artikel glauben ist das wirklich traurig.

F S 3
44
Sie haben natürlich völlig recht…

…Wie das eben so ist mit diesen liebgewonnen kosmologischen "Theorien", wo für jede neue Entdeckung eine eigens zu ihr passende "Theorie" erarbeitet werden muß!

Äußerst beeindruckend, für die Arbeitsplatzbeschaffungsindustrie und als Beschäftigungstherapie - aber leider eben nicht für das FS3.

derderbenutzer
01

Im übrigen ist es hinreichend bewiesen, dass Kometen schmutzige Schneebälle sind!

F S 3
24
"Bewiesen"? Ja vielleicht im…

…Tucka-Tucka Land mit dem Schnee der frommen Denkungsart, aber doch nicht in einer realen Welt.

derderbenutzer
00

Das Thema Schweifstern sollte nicht Anlass zu pippinösen Abschweifungen geben. Bei allem Verständnis gegenüber sonstigen skandinavischen Bezogenheiten der Redaktion Ihres Senders ...

Nick Tameer
02

Im Keller rasselt die Realitätskontrolle.

meischi@leistung.at
03
An den Kartonblutzer.

Können wir eine Liste von Artikeln haben, wo du mal inhaltlich voll zugestimmt hast?

Gibt es eigentlich, neben den Standard-Postings, sonst irgendwelche Veröffentlichungen von dir?

Utrillitn
01

"Rotationsgeschwindigkeiten von Bruchteilen von Sekunden pro Umdrehung"

Was für ein Kauderwelsch .

Redaktion derStandard.at/Wissenschaft
04
Sie haben Recht

das klingt tatsächlich nach Quatsch und wurde umgehend geändert. Danke für den Hinweis!

MfG
derStandard.at/Wissenschaft

denk mal
00

Wieviele Millisekunden pro Anschlag dessen Verfasser wohl so draufhat?

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