Interview zu China und USA

"Peking muss erst lernen, mit der neuen Macht umzugehen"

Interview | Christoph Prantner, 6. Februar 2012, 06:15
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    foto: reuters

    Philippinische und US-amerikanische Soldaten bei einer gemeinsamen Landungsübung auf den Philippinen im Oktober 2011. China beobachtet die Interessen Washingtons im südchinesischen Meer sehr kritisch.

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    foto: rajaratnam school of international studies

    Joseph Chinyong Liow ist Professor für vergleichende Politikwissenschaft an der Rajaratnam School of International Studies in Singapur. Er war ein Munich Young Leader der Körber-Stiftung und Teilnehmer an der Münchner Sicherheitskonferenz. Die Körber-Stiftung mit Sitz in Hamburg hat sich der gesellschaftlichen Innovation verschrieben, sie betreibt Projekte in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur und vor allem im Feld der internationalen Politik.

Politologe Liow sieht keinen drohenden Konflikt zwischen China und USA im Pazifik

Die Volksrepublik werde in den kommenden Jahren erst einmal darauf achten, ihre Macht nach innen und außen zu konsolidieren, sagte der Politiwissenschafter Joseph Chinyong Liow im Gespräch mit Christoph Prantner in München.

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STANDARD: Wie beurteilen Sie die neue US-Strategie für den Pazifik?

Liow: Das Engagement der USA im Pazifik war immer da - einmal mehr, einmal weniger. Nehmen Sie die Amtszeit George W. Bushs, seine Regierung war auf den Kampf gegen den Terrorismus fokussiert. Das hat auch die Beziehungen zu Asien bestimmt. Präsident Obamas Regierung legt es nun breiter an, und das ist gut so. Die chinesischen Reaktionen darauf sind durchwachsen. Teile der Volksbefreiungsarmee interpretieren das als einen Versuch, die US-Hegemonie in der Region neu zu behaupten. Im chinesischen Außenamt gibt es weniger Misstrauen. Aber in jedem Fall passt Peking sehr auf jene Bereiche auf, die seine Kerninteressen berühren. Zum Beispiel das Südchinesische Meer, über das Hillary Clinton zuletzt gesagt hat, dort gebe es auch amerikanische Interessen. Darauf haben die Chinesen sehr negativ reagiert, vor allem weil die Amerikaner sich dort lange herausgehalten haben.

STANDARD: Dennoch scheint es eher ausgeschlossen, dass es zu einem nachhaltigen, vielleicht auch militärischen Konflikt kommen könnte.

Liow: Ja, denn der Grad der gegenseitigen Abhängigkeit ist sehr hoch. Peking hält 2.000 Milliarden Dollar an US-Schulden. Die gegenseitigen Investments sind zu hoch, als dass wir ein Szenario sehen könnten, wie es zwischen Moskau und Washington im Kalten Krieg herrschte. Aber natürlich, China ist eine aufstrebende Macht. Das wird Spannungen mit den USA erzeugen, das ist unvermeidlich. Das heißt aber nicht, dass auch ein Konflikt unvermeidlich wäre.

STANDARD: In Peking meinen viele, die USA würden versuchen, China einzukreisen. Wenn man die Aktivitäten im Südchinesischen Meer ansieht und etwa die Öffnung gegenüber Burma, hat das doch einiges für sich, oder?

Liow: Ja, das beschäftigt die Chinesen. Das geht auf das Jahr 2004 oder 2005 zurück, als Japan mit den Demokratien Indien, Australien und USA eine Allianz schmiedete. Das begriff Peking als geopolitische Einkreisung. Das kommt jetzt bis zu einem gewissen Grad wieder hoch durch die militärische Zusammenarbeit zwischen Indien, Australien und den USA. Die US-Streitkräfte stationieren etwa 2.500 Marines in Darwin. Das ist militärisch gesehen nicht viel, doch es ist ein politisches Statement. Das macht den Chinesen Sorgen, aber alarmiert sind sie noch nicht. Andererseits haben die USA der Führung in Peking erklärt, dass sie ihre Strategie hinter der Aufrüstung der Volksarmee besser erklären und transparenter machen muss, um Missverständnisse zu vermeiden. Es ist derzeit eine Quid-pro-quo-Situation.

STANDARD: China ist sehr gut darin, Soft Power und wirtschaftlichen Einfluss einzusetzen, wie wirkt das in der Region? Halten Japan und andere Staaten adäquat dagegen?

Liow: Derzeit ist ein sehr interessanter Punkt in der Geschichte, denn Japan und China sind erstmals in etwa gleich mächtig. Damit müssen beide Parteien erst einmal umgehen lernen. Die Chinesen waren in den vergangenen 15 Jahren sehr darauf bedacht, dass sie nicht als dominierende Macht wahrgenommen werden. Sie waren froh, dass etwa die ASEAN (Verband Südostasiatischer Staaten, Anm.) die regionalen Initiativen anführt. Viele meinen, dass das eine Täuschungsstrategie sei und die Chinesen, sobald sie noch mehr an politischem Gewicht zugelegt haben, ihre Dominanz ausspielen werden. Mir ist diese Theorie zu simplizistisch. China muss selber erst lernen, mit der neuen Macht und seinem Einfluss umzugehen, das auf eine produktive Weise in internationaler Politik einzusetzen. Man will vermeiden, dass man die Möglichkeiten der sogenannten Ersten Welt hat, ohne die Geisteshaltung derselben zu haben. Peking versteht, dass es international - Stichwort Iran, Stichwort Klimaschutz - größere Verantwortung übernehmen muss. Aber es ringt immer noch mit sich, wie das mit nationalen Interessen unter einen Hut zu bringen ist.

STANDARD: Tibet, Xinjiang, Arbeiter- und Bauernproteste - in der Volksrepublik selbst steigen auch die internen Spannungen. Muss sich die kommende Führung womöglich mehr mit Innen- als mit Außenpolitik beschäftigen?

Liow: Es wird eine ähnliche Situation wie in den USA entstehen. Zu den Protesten kommt auch die heikle Situation der Machtübergabe hinzu. Die neue Führung unter Xi Jinping wird nicht die Autorität haben wie jene von Deng Xiaoping oder auch jene Jiang Zemins. Es wird eine kollektive Führung sein, die vor allem an Konsolidierung denken muss. Das wird die Entscheidungskultur in China beeinflussen, sie wird transparenter werden, aber wahrscheinlich auch langsamer. (derStandard.at, 6.2.2012)

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MartinP
 
00
"Peking muss erst lernen, mit der neuen Macht umzugehen"

JA!
Völlig richtig!

Peking muss das noch lernen - wie man Raketen auf das Territorium eines souveränen Staates abfeuert!
Hm, wenn keine Raketen, dann halt Drohnen.

Stimmt, das müssen die Chinesen noch lernen, mit einer solchen Macht verantwortungsbewusst umzugehen. Ganz nach dem Vorbild aus Washington/Langley!

http://de.rian.ru/society/2... 45181.html

santa fe
 
92
"Das heißt aber nicht, dass auch ein Konflikt unvermeidlich wäre."kein krieg ist unvermeidlich, er kann immer von einer mehrheit von kriegsgegnern verhindert werden.

das durch die bürgerkriegs-strategie der FI (finanzindustrie) eskalierende blutbad im panislamischen raum, das sich über die chinesische grenze zu ergiessen droht, kann noch und muss gestoppt werden, jetzt, vor dem angriff auf den iran.

die FI muss demokratisiert, humanisiert und sucht-therapiert werden. sie hat den verstand verloren.

Porqué no te callas?
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eine finanz"industrie" gibts nur in deinen feuchten träumen.

mit der inflationären verwendung unsachlicher und nichtssagender kampfbegriffe wie "finanzindustrie" offenbart der verfasser seine ahnungslosigkeit.

rggre rewqfew
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kann man diesen fi unsinn irgendwo ausschalten?

Der dicke Jokkl
00

Erklären Sie uns Allen mal bitte logisch mit empirischen Daten, was der Finanzsektor für einen Vorteil von Krieg hätte. Bitte dasselbe, um zu beweisen, dass der Finanzsektor eine "Bürgerkriegs-Strategie" verfolgt.

santa fe
 
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erdöl- und rüstungsindustrie verlange den krieg.

der krieg sorgt aussserdem dafür, dass die FI die demokratie weiterhin zugunsten der überwachungsdiktatur abbauen und die opposition zum schweigen bringen kann.

immer neue mächte werden dem bedrohungs-szenario durch eigene provokation hinzugefügt, nach iran und nordkorea jetzt china und neuerdings wieder russland. "da müssen wir zusammenhalten und opfer bringen"

"wir" sind die 99%, nicht die FI, sondern die 99%, die von ihr ausgeraubt werden, ihr krieg wird simultan gegen uns geführt, und wir sollen noch dazu die dazu nötigen soldaten spielen.

zur bürgerkriegs-strategie sagte (vor-?) gestern der republikanische spitzenpolitiker mc cain, dass der "arabische fühling" (code-name für das bürgerkriegs-blutbad) auf china überzugreifen habe.

mistvieh666
 
12

das ist ihnen aber schon klar, dass die ruestungsindustrie nicht der wichtigste wirtschaftsfaktor eines landes ist. nicht mal in den usa.

Der dicke Jokkl
33

Super, keine einzige Quelle.
Aber immerhin nicht nur Finanzsektor, sondern auch Rüstungsindustrie und Erdöl dabei jetzt. Dazu ein Hauch Occupy Bewegung.
Sie haben genau gar nichts erklärt, sondern im Gegenteil noch mehr Unsinn hinzugefügt.

neunundneunzigluftballons
80
China, China, China

Welches China meint ihr alle den mit dem Begriff "China"?
Zur Auswahl stehen:

a) Volksrepublik China (Festlandchina)
b) Republik China (Taiwan)

Lukas Chen
01
Bei China meint man Volksrepublik China

Republik China(Taiwan) ist diplomatisch nicht mehr anerkannt von den meisten Laendern der Welt. Der Inselstaat soll sich besser als Taiwan heissen. Der Name koennte nur die Verwirrung fuehren, dass die Insel eines Tages ein Teil Chinas werden Muessen.

Chris Sun
12
3x darfst raten

neunundneunzigluftballons
71
Es ist erstaunlich...

Anscheinend haben nur wenige, oder eventuell sogar keiner geschnallt was ich mit der Frage bezweckte.

Mir war übrigens bewusst welches der beiden Chinas gemeint war/ist - mein Kommentar sollte zum nachdenken anregen, was offensichtlich nicht funktioniert hat. Denken ist halt nicht jedermanns/-frau Stärke... ;-)

2. Versuch:

China =! China

Es gibt 2 Chinas auf diesen Planeten. Lernt die vollständige Bezeichnung dieser Staaten zu benutzen.

hart_aber_fair
31

es gibt nur 1 china, und dieses existiert seit über 3000 jahren! dass ein paar politische flüchtlinge ihre insel china nannten, bedeutet nicht, dass wir dieses "neue china" anerkennen müssen, welches gerade mal 60 jahre existiert... 192 von 193 UN staaten nennen dein china eben taiwan

egal9
21

Wichtigtuer.

derunbestechliche
54

"Peking muss erst lernen, mit der neuen Macht umzugehen"

Ja, das wird wohl stimmen. Die USA hingegen haben es jedenfalls bis dato auch noch nicht gelernt.

Seria
127

die USA müssen lernen, daß es neue Mächte gibt, die besser wirtschaften und mächtiger werden als sie selbst

peter schmidt
 
24
Sobald China beim BSP pro Kopf an Albanien. Angola

Dominica und (in etwas weiterer Zukunft) Rumänien vorbeizieht werde ich auf Ihr Posting zurückkommen.

RobertPaulson
11

bitte sag uns, dass du nicht china meinst

Hefeweizerlbier
06

Mit 10 % Wirtschaftswachstum lässt sich leicht gscheit sein. Da das Wachstum immer vom Stand des Vorjahres ausgeht, muss sich zwangsläufig dieses exponentielle Wachstum einbremsen.
Die Leute werden irgendwann mehr Lohn fordern, auf die Umwelt muss mehr acht gegeben werden - und schon steigen die Produktionskosten und die Heuschrecken ziehen weiter. Die Bevölkerung überaltert langsam und schon gibt es die gleichen Probleme wie im Westen.

Voronwe
14
China wird an seiner Wirtschaftspolitik noch lange zu knabbern haben.

Umweltschäden sind da noch das kleinere Übel...

michikklas
34

Du meinst jetzt aber nicht China damit, oder?

Hepkat
04

Es wird immer vergessen,das China ein sehr armes Land ist, mit einem BIP von nur $5.184. Die USA hingegen hat $48.147, mehr als neunmal so groß! Damit China die selbe Entwicklungsniveau wie die USA erreicht wird noch Jahrzehnte dauern. Noch dazu stellen die chinesischen Streitkräfte keinerlei Bedrohung für die amerikanischen dar.

Das China so eine enorme Wirtschaft hat, hat mehr mit einer armen, überbevölkerten Bevölkerung die sehr gering verdienen zu tun, als mit Industrie oder hoher technischer Entwicklung.

Warentester
30

Ja, die USA sind aber beim Absteigen, das darf man auch nicht vergessen.
Und außerdem ist nicht nur relative sondern auch absolute Größe ein Faktor.

Hepkat
12

"die USA sind aber beim Absteigen"

Ach ja? Inwiefern bitte?

Ich kenne keine Zahlen, die diesen Schluss zulassen.

Warentester
32

Schon mal die Neu- und Gesamtverschuldung angeschaut? Oder die zunehmend verfallende Infrastruktur in Teilen des Landes (da schaut's tw. aus wie in Somalia)? Die extreme Deindustrialsierung des Landes? Die Millionen (im zweistelligen Prozentbereich) die von Essensmarken leben? Die immer kreativer werdenden Berechnungen von Inflation und BIP-Zuwachs, die trotzdem nur ein sehr geringes Wachstum ergeben (da kann sich Europa gleich mitanstellen)? Nicht zu vergessen die militärischen Pleiten die sie zunehmend erleben.
Also aufstrebende Länder schauen bei mir anders aus.

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