Dumme "Cui bono?"-Frage

Kommentar5. Februar 2012, 19:02
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Die Free Syrian Army ist im Gegensatz zu ihrer Selbstdarstellung wohl eher ein Haufen unkoordinierter Gruppen

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Eskalation der Gewalt am Samstag in Syrien die russische Position eher noch verhärtet hat. Laut New York Times, die sich auf Aktivisten beruft, hatten Armee-Deserteure in Homs Militärcheckpoints angegriffen und Soldaten entführt, worauf die Armee mehrere Stadtteile beschießen ließ.

Verschwörungstheoretiker gibt es auf allen Seiten, und es könnte sein, dass diesmal die Russen eine makabre Machenschaft nicht ausschließen, die den humanitären Druck auf sie erhöhen sollte. Wie erinnerlich, hat vor Wochen die Opposition ihrerseits ein Attentat in Damaskus als Regime-Inszenierung bezeichnet, weil es die Behauptung untermauerte, dass Syrien ein Terrorismusproblem hat. Auch diesmal wird es Kreise geben, die die zynische "Cui bono?"-Frage - Wem kommt dieses Gemetzel in diesem Moment gerade recht? - stellen.

Dazu ist Folgendes zu sagen: Die Free Syrian Army (FSA) ist im Gegensatz zu ihrer Selbstdarstellung wohl eher ein Haufen unkoordinierter Gruppen, die ohne Oberbefehl agieren und auch an keine organisierte politische Opposition angebunden sind. Dass ein syrischer Armee-Deserteur, der am Samstag einen Checkpoint in Homs angreift, im Kopf hat, was am gleichen Tag im Uno-Sicherheitsrat ansteht, ist noch viel unwahrscheinlicher, als dass sich das syrische Regime mitten in Damaskus Wunden zufügt und Verletzlichkeit demonstriert, wo angeblich keine ist. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2012)

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