Kommentar von Christoph Prantner

Die Prinzipien stehen infrage

Kommentar | Christoph Prantner, 5. Februar 2012, 18:53

Moskaus Starrsinn lässt den arabischen Umbruch seine Richtung verlieren

Zu Beginn eine Rückblende: Vor genau einem Jahr - der Aufstand in Ägypten war in vollem Gange, Präsident Hosni Mubarak stand wenige Tage vor seinem Rücktritt - drehte sich auf der Münchner Sicherheitskonferenz alles um die Frage, wie denn mit den epochalen Umwälzungen im arabischen Raum umzugehen sei. Der Begriff des Arabischen Frühlings war noch jung, von einer Libyen-Intervention und einem möglichen Tod Muammar al-Ghaddafis war keine Rede, eine langanhaltende Rebellion in Syrien war unvorstellbar.

Konkrete Antworten fanden die Spitzen der Weltsicherheitspolitik damals nicht. Quasi stillschweigend einigte man sich im Bayerischen Hof darauf, in Zeiten so großer Unsicherheit pragmatisches Krisenmanagement zu betreiben - garniert mit ein paar Spritzern an freiheitlich-demokratischen Grundsätzen. "Die Prinzipien" , formulierte Hillary Clinton damals, "sind allen klar, die operationalen Details sind das Schwierige."

Heute sind tragfähige Antworten auf den Umgang mit den arabischen Aufständen weiterhin Mangelware. Dafür ist man um einige Erfahrungen reicher, die eine ohnehin schon komplexe Lage nicht einfacher machen. Und vor allem: Inzwischen geht es nicht mehr um Details, sondern die Prinzipien werden wieder infrage gestellt.

Russland und China haben dies mit ihren Vetos gegen eine Syrien-Resolution gezeigt. Beide Staaten haben der humanitären Intervention in Libyen zugestimmt, als man dort Massaker an der Zivilbevölkerung "nur" befürchten musste. In Syrien sterben die Menschen zu Tausenden, und es ist nicht einmal eine UN-Resolution möglich, in der eine Militäraktion gegen das Assad-Regime explizit ausgeschlossen wird. Dafür mögen viele, vor allem russische Interessen ausschlaggebend sein - Moskau will seine einträglichen (Rüstungs-) Geschäfte mit Damaskus und den einzigen strategisch wichtigen Außenposten außerhalb des exsowjetischen Geltungsraums nicht verlieren.

Andererseits schwindet bei den autoritären Regierungen in Peking und Moskau auch der Enthusiasmus, für die Selbstbestimmung selbstbewusster Bürgern einzutreten. Die weltweite Empörung vor allem gegenüber Russland speist sich nicht zuletzt aus diesem Grund.

Aus dieser Perspektive besehen, ist die Lage heute noch unsicherer, als sie vor einem Jahr war. Denn die vielen Initiativen, dem arabischen Übergang eine Richtung zu mehr Demokratie und Freiheit zu geben, fahren sich fest. Alle, die Hoffnungen in eine Neuordnung der Verhältnisse im Nahen Osten gesetzt haben, die ein Ende des Kalten Kriegs auch dort fordern, bleiben nicht nur ernüchtert, sondern durchaus erschrocken zurück.

So mag es auch kein Zufall gewesen sein, dass Kriegsangst diese Sicherheitskonferenz quasi "eröffnet" hat. Allein der Iran, um dessen Atomprogramm es in diesem Zusammenhang ging, ist beileibe nicht der einzige Krisenherd, an dem sich ein großer Konflikt in der Region entzünden kann.

Aus Syrien kann sich, im krassen Gegensatz zu Libyen, ebenso eine regionale Auseinandersetzung entwickeln, die von keinem der sicherheitspolitischen Akteure in unmittelbarer Nachbarschaft oder anderswo zu beherrschen ist. Und gegen den Preis einer solchen Auseinandersetzung erscheint die nun abgewiesene Resolution, eine Einhegung des Konflikts und ein Abtritt des Assad-Regimes wie eine einmalige politische Okkasion. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2012)

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rari
03
Wie werde ich kriegsgeil ?

Anfängerkurse werden jetzt kostenlos in unseren (Staats)medien gegeben: fängt in der Früh an mit den ORF-Nachrichten: "Herr "Mr. Njet" reist nach Damskus", geht weiter mit schonwieder unscharfen und jeden Tag denselben Bildern von verzweifelten Menschen, mißbraucht für Propagandazwecke, mit dem Kommentar "die syrische Armee schiesst auf unschuldige Frauen und Kinder". Geht weiter mit den Abendnachrichten: "Die ganze internationale Weltgesellschaft" verurteilt das Syrische Regime. (Es reicht nicht mehr nur "der Westen"). Selbst der US-Sprecher während der Balkankrieges hat zugegeben: "Wir mußten alles so krass darstellen, sonst hätte niemand am Krieg teilgenommen" - man sollte mal hinter die Kulissen blicken, worums da wirklich geht !

keep cool1
 
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Nur heiße Luft in New York?

Die UNO ein zahnloser Debattierklub; russische und chinesische Diktaturen - die aus Angst vor Aufständen pro Demokratie und Menschenrechte in den eigenen Provinzen - dem Assad-Mörder-Regime "die Lizenz zum weiter töten" geben. Dank florierender russischem Waffengeschäfte läuft auch der Nachschub reibungslos. Es wäre längst an der Zeit, das veraltete Veto-Recht der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates, das immer wieder wichtige UN-Resolutionen verhindert, z.B. pro einer Mehrheit innerhalb der Fünf zu reformieren!
Auf der Strecke bleiben zehntausende Tote und verstümmelte Menschen des syrischen Volkes - während die andere Seite debattiert und debattiert.....

rari
01
wessen Prinzipien ?

...des Westens, sich seine Energieressourcen zu sichern und zu erweitern ?

...der Radikalislamisten Gottesstaaten in den zerstörten und zerrütteten "demokratisierten" Staatsruinen zu errichten ?

Beide nehmen, um ihre Ziele zu erreichen, tausende tote Frauen und Kinder in Kauf.

"Die Waffen nieder !" ist offensichtlich kein Thema mehr.

Isegrim1
02
Syrien ist doch ein souveränes Land

Wieso sollte sich dort überhaupt jemand einmischen?
Wenn die Bürger aufbegehren dann sollen sie und wenn sie schaffen dann schaffen sies und ist zu beglückwünschen. Wenn nicht dann nicht und dann hat scheinbar die bestehende Regierung die Mehrheit oder den meißten Willen dahinter, ist auch zu akzeptieren.
Der Interventionismus der seit langem betrieben wird wegen jedem Aufstand der sich in eine morlaische Flagge wickelt ist erstaunlich und erschaudernd zu gleich. Wenn die Bürger von Kalifornien sich von den USA lösen wollte und Russland denen helfen würde würde die USA und der Rest der Welt sofort an unerlaubter Einmischung, Putschversuch und Weltkrieg schreien.

sauereiter
00
lassen sie mich raten:

hättens ruanda und kambodscha live mit ansehen können, hätten sie sich eine flascherl bier und sackerl chips aufgemacht unter dem motto: "ach lasst sie nur machen"

Isegrim1
00

Ich trink kein bier und esse nur selten Chips und sicher nicht zu solchen Bildern, aber dennoch ist das eine Sache des Landes intern und keine Angelegenheit für andere (ausgenommen deren Staatsbürger wären bedroht und der Staat kann diese nicht selbst schützen).

spitting_mama1
01
Und noch ein Journalist den man nicht ernst nehmen darf.

Carlito336
011
Und weil Syrien ein wichtiges aufmarschgebiet gegen den Iran darstellt,

hätte die NATO halt so gern einen Fuss in der Tür.

Und dann gibts Leute, die was dagegen haben. Ja, diese Antiimperialisten machen unseren armen Militärs das Leben unnötig schwer.

sauereiter
00
"Syrien ein wichtiges aufmarschgebiet gegen den Iran"

geographisch nicht unbedingt bewandert, oder?

"Able Danger"
012
Fassen wir zusammen

Ein Veto dürfen eigentlich nur die USA einlegen und dann ist es auch völlig legitim und richtig, z.B. bei sämtlichen Resolutionen gegen Israel. Legt jedoch ein anders Sicherheitratmitglied sein Veto ein, so ist das ein Affront gegenüber "der Weltgemeinschft".

sauereiter
00
nope

wer ein veto einlegt muss den shitstorm ertragen können. sowohl die usa als auch die russen.

miss chicken
010
Herr Prandtner,

wollen Sie heute nur die ignorante Leserschaft bedienen?
Jene, die den Konflikt und anderes Weltgeschehen aufmerksam mitverfolgen, haben weniger mit Ihrer Parteilichkeit ein Problem, das ist Ihre Sache.

Aber Sie schulden uns Information, Gründe, warum so viele Staaten nicht so leichtfertig den Begehrlichkeiten des Imperiums nachgeben.

sauereiter
10
weil sie halt unter der kandare eines anderen imperiums stehen.

war schon immer so, wird immer so sein.

der Rabe
09
"Moskaus Starrsinn" verhindert

eine weitere ausländische Intervention mit anschließender humanitärer Katastrophe.
So bleibt es ein innersyrische Angelegenheit, und die Opferbilanz wird überschaubar bleiben.

sauereiter
10
"So bleibt es ein innersyrische Angelegenheit, und die Opferbilanz wird überschaubar bleiben."

ein paar tausend tote bisher und noch ain paar tausend drauf überschaubar?

sie sind ein ekelhafter zyniker

der Rabe
04
Was passiert ist, ist schlimm genug

Aber haben Sie eine Ahnung, was Syrien bevor stünde, wenn es zu einer imperialistischen Intervention käme?
Libyen und Irak sind Ihnen ja bekannt? Können Sie sich noch daran erinnern?
Dann gäbe es jedenfalls hunderttausende Tote und ein in Trümmern gelegtes Land.

sauereiter
10
dann nennen sie es

wenigstens "das geringere übel".

was sie dagegen schreiben ist menschenverachtend.

notorischerzweifler
 
08

Wobei Saudi-Arabiens Einmarsch in Bahrein selbstverstaendlich zur Festigung von Demokratie und Freiheit in der Region beigetragen hat.

Drago+
06
i.

Die Frage stellt sich, ob die Syrer mehrheitlich für oder gegen Assad sind. Was beide Positionen behaupten ist obsolet, da dies einzig ihre Behauptungen sind und wir diese nicht nachprüfen können. Daher einen Sturz Assad' zu fordern ist demokratisch nicht tragbar, da wir uns einer demokratischen Mehrheit, also dem Volkswillen, nicht sicher sein können. An der Gewalt dagegen ist die sog. Oppostion gleich mitverantwortlich, hier dürfen wir nicht nur Assad beschuldigen.

Drago+
02
ii.

Der nächste Punkt: Die Regierung um die Familie Assad war, sagen wir, islamistischen Parteien sehr wohl willkommen als Syrien noch Kriege gegen Israel führte. Erst als diese Kriege aufhörten begannen die Proteste bei den Islamisten. Das sollte uns ebenfalls zu Denken geben. Ausgenommen des kalten Krieges zwischen Israel und Syrien haben wir seit gut 40 Jahren keinen Krieg mehr zwischen diesen beiden Staaten erlebt. Und das was sich heute alles als demokratisch präsentiert, denken wir nur an die HPÖ, die sind ja auch super demokratisch und humanistisch, so mit dem rechten Arm leicht erhoben... Wir müssen lernen, nicht alles als demokratisch hinzunehmen was sich auch als demokratisch verkauft.

Helmut71
71
wenn wundert das?

Russland ist eine Diktatur, China ist eine Diktatur. Mit Diktaturen kann man nicht kooperieren, das haben Beispiele aus der Geschichte gezeigt - Appeasementpolitik muss einfach scheitern.

Die syrische Opposition kann auch ohne UNO unterstützt werden - Aufklärung, Wasffen, humanitäre Hilfe.

MartinP
 
116
Und kein Wort...

...zum Russischen Resolutionsentwurf.

Selbst für ein Kommentar, sehr schade, diese Einseitigkeit.

Helmut71
110

wenn interessiert der Resolutionsentwurf einer Diktatur?

papst benedikt
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erwarten Sie keine objektivität von den speichelleckern der globalen finanzindustrie und der us administration. gegen unliebsame staaten zu hetzen und gleichzeitig alle verbrechen der liebsamen staaten bestmöglich zu vertuschen, ist hier blattlinie.

the_viking
 
016
Ich will in einer Welt leben in der Journalisten Recherchieren bevor sie einen Artikel schreiben

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