Budgetkonsolidierung

Ärger im Sparverein

Kommentar | Michael Völker, 5. Februar 2012, 18:48

Der Vizekanzler hat sein Eigenmarketing zu früh angesetzt

Michael Spindelegger hat bereits ein Sparpaket fertig. Und er geht damit an die Öffentlichkeit. Kleiner Schönheitsfehler: Es ist das Möchtegern-Sparpaket des ÖVP-Chefs, nicht aber das der gesamten Regierung. Was Spindelegger an Details präsentiert hatte, ist mit der SPÖ noch nicht ausverhandelt und abgestimmt. Spindeleggers verschämter Nachsatz: Jetzt müsste halt noch die SPÖ mit. Aber es folgten Dementis aus allen Ecken. Eine abgeschlossene Vereinbarung gibt es noch nicht.

Natürlich ist es legitim, Druck zu machen. Und offenbar ist es auch notwendig. In der Umsetzung des Sparpakets scheinen noch etliche Milliarden zu fehlen, und der Kleinmut, mit dem manche in der Regierung nicht zur Tat schreiten, ist aufreibend - auf roter wie auch auf schwarzer Seite. Manche Minister fühlen sich mehr ihrer Klientel verpflichtet als dem angepeilten Ziel, in den kommenden zehn Jahren bis zu 30 Milliarden Euro einzusparen.

Dass sich Spindelegger jetzt zum alleinigen Gralswächter des Sparbudgets hochstilisiert, kommt beim ministeriellen Sparverein nicht gut an. Dass die großen Fortschritte praktisch nur auf die Initiative und das Machtwort des Vizekanzlers zurückzuführen seien, wird vor allem auf SPÖ-Seite eher noch einen Nachdenkprozess auslösen als zur Beschleunigung der Verhandlungen beitragen. Der Vizekanzler hat sein Eigenmarketing zu früh angesetzt, die Spekulationsfrist ist noch nicht abgelaufen. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2012)

Rudolfo Karellowitsch
01
Ist der Spindelegger wirklich so schwach,

das er sich derartig verzockt hat? Oder steckt noch viel mehr dahinter?

didi111
01
Es ist halt ein Gfret mit den Schwarzen..

Nach 25 Jahren kontinuierlicher Regierungsbeteiligung der ÖVP und nach über "10 Jahre Schwarze im Finanzministerium" ist die SPÖ gezwungen, hier mal ordnend einzugreifen.

Es MUSS logisch sein, daß die Reparatur der Staatsfinanzen nicht nur über Reduzierung der Ausgaben gehen kann. Natürlich MUSS hier die Einnahmenseite auch gefordert werden.

UND darüberhinaus frägt man sich schon, WO ist der Beitrag der Länder?

Der derzeitige Förderalismus ist ein Anachronismus und hier wäre anzudenken, ob es im Todesfall eines Landeswürschtel sinnvoll wäre, ihn statt einer Bestattung ausstopfen zu lassen und sie als abschreckendes Beispiel in einem Museum auszustellen.

Philippe Djian
02
Korrekt analysiert ...

... weder schlau noch diplomatisch (gerissen), unser aussenminister. einfach nur ein spindi halt ...

mit ihm an der soitze wird die OEVO nix reissen, aber das ist eh ganz in ordnung ;-)

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