Hund und Hoheit

5. Februar 2012, 18:11
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Als die sonst so ernste Queen Elizabeth II. ihre Contenance verlor

Seit 60 Jahren ist die Queen nun Königin. Zu solch einem Jubiläum stehen "Royal-Watcher" und sonstige Krönchen-Historiker natürlich Spalier, um uns Elizabeth II. noch einmal von vorn bis hinten zu erklären - unter spezieller Berücksichtigung der "intimen Seite", versteht sich.

Nun ist Königin Elizabeth im Gegensatz zu anderen Familienmitgliedern so vollständig von der Ernsthaftigkeit ihres Amtes erfüllt, dass Geschichten, die ihr privates Denken und Fühlen erhellen könnten, extrem rar gesät sind. Weshalb diese wenigen seit Jahrzehnten neu durchgeschüttelt werden.

Ein einziges Mal, so raunen Kenner sich zu, hätte Königin Elizabeth tatsächlich und öffentlich die Contenance verloren - bei einem Staatsbesuch des Diktators Mobutu, dessen Frau Marie-Antoinette ihren Schoßhund trotz drakonischer Quarantänebestimmungen am Zoll Ihrer Majestät vorbeigeschmuggelt hatte.

Zwar mag die Queen als Liebhaberin drolliger Kleinhunde bekannt sein - da aber hörte sich der Spaß auf. Als die Mobutus samt Hund in Windsor eintreffen, gerät sie in Panik, ordnet die Evakuierung ihrer eigenen Winzhunde ("Corgis") an und besteht auf sofortiger Quarantäne für das Fremdtier.

Daraus zu schließen, dass die Königin zu Emotion nur fähig sei, wenn ihre Hündchen in Gefahr sind, ist freilich grob ungehörig. Schließlich stand hier nichts weniger auf dem Spiel als Wohl und Wehe der tollwutfreien Heimat! (DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2012)

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