Langfristig denkende Anleger sollten einen großen Bogen um eine solche Abzocke machen
Allerlei Merkwürdigkeiten sind in den vergangenen Tagen über den geplanten
Milliarden-Börsengang von Facebook bekanntgeworden. Das größte Social Network
der Welt hat gar keinen Bedarf nach frischem Geld; Cashflow und Kredite "werden
ausreichen, um unsere operativen Bedürfnisse für absehbarer Zeit zu decken",
heißt es im Börsenprospekt. Gleichzeitig ist Facebook-Gründer Mark Zuckerberg
nicht bereit, auch nur ein Körnchen seiner Macht mit Aktionären zu teilen.
Die rund fünf Milliarden Dollar Erlös vom Börsengang werden vor allem dazu
dienen, die Steuerrechnung für Zuckerberg und andere Altaktionäre zu begleichen,
die durch die Ausübung von Aktienoptionen entsteht. Davon profitieren
Mitarbeiter und Investoren sowie der amerikanische Fiskus. Das Unternehmen hat
allerdings nichts davon.
Es ist gut möglich, dass die Facebook-Aktie nach dem Börsengang abhebt und
den neuen Anlegern zu satten Gewinnen verhilft - so wie 2004 bei Google. Aber
Google nutzte seine Einnahmen für eine erfolgreiche Expansionsstrategie. Das hat
den Wert der Aktie nachhaltig gestärkt.
Bei Facebook können Investoren nur hoffen, dass ein paar Brösel vom süßen
Kuchen, der Zuckerberg & Co aufgetischt wird, für sie abfallen. Als
Börsenstory reicht das nicht. Für Facebook selbst wäre eine Zukunft in privater
Hand besser. Und langfristig denkende Anleger sollten einen großen Bogen um eine
solche Abzocke machen. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2012)