Nur Brösel vom Kuchen

Kommentar5. Februar 2012, 17:59
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Langfristig denkende Anleger sollten einen großen Bogen um eine solche Abzocke machen

Allerlei Merkwürdigkeiten sind in den vergangenen Tagen über den geplanten Milliarden-Börsengang von Facebook bekanntgeworden. Das größte Social Network der Welt hat gar keinen Bedarf nach frischem Geld; Cashflow und Kredite "werden ausreichen, um unsere operativen Bedürfnisse für absehbarer Zeit zu decken", heißt es im Börsenprospekt. Gleichzeitig ist Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nicht bereit, auch nur ein Körnchen seiner Macht mit Aktionären zu teilen.

Die rund fünf Milliarden Dollar Erlös vom Börsengang werden vor allem dazu dienen, die Steuerrechnung für Zuckerberg und andere Altaktionäre zu begleichen, die durch die Ausübung von Aktienoptionen entsteht. Davon profitieren Mitarbeiter und Investoren sowie der amerikanische Fiskus. Das Unternehmen hat allerdings nichts davon.

Es ist gut möglich, dass die Facebook-Aktie nach dem Börsengang abhebt und den neuen Anlegern zu satten Gewinnen verhilft - so wie 2004 bei Google. Aber Google nutzte seine Einnahmen für eine erfolgreiche Expansionsstrategie. Das hat den Wert der Aktie nachhaltig gestärkt.

Bei Facebook können Investoren nur hoffen, dass ein paar Brösel vom süßen Kuchen, der Zuckerberg & Co aufgetischt wird, für sie abfallen. Als Börsenstory reicht das nicht. Für Facebook selbst wäre eine Zukunft in privater Hand besser. Und langfristig denkende Anleger sollten einen großen Bogen um eine solche Abzocke machen. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2012)

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