Der US-Charakterdarsteller war bekannt für Zusammenarbeit mit zahlreichen Autorenfilmern in Hollywood wie in Italien
New York - Am deutlichsten hat man den Schauspieler Ben Gazzara wohl aus
den Filmen seines Kollegen John Cassavetes in Erinnerung: Als allzu
draufgängerischen Nachtclubbesitzer Cosmo in The Killing of a Chinese
Bookie (1976) oder als einen der drei Husbands (1970).
Erste
Aufmerksamkeit erlangte der 1930 als Sohn italienischer Einwanderer
Geborene in den 1950er-Jahren auf New Yorker Bühnen. Nach einer Ausbildung am Actors Studio, wo er seine markenzeichenhaft stoische Miene und tiefe Stimmlage kultivierte, machte ihn 1955 Elia
Kazans Broadway-Produktion von Tennessee Williams' Cat on a Hot Tin Roof bekannt (1958 von Richard Brooks mit Paul Newman verfilmt).
Im Kino avancierte
er zum Charakterdarsteller, den nach New-Hollywood-Größen wie Peter
Bogdanovich (Saint Jack, 1979; They All Laughed, 1981) auch Vertreter jüngerer Regisseursgenerationen wie Todd
Solondz (Happiness, 1998), die Coen-Brüder (The Big Lebowski, 1998) oder Spike Lee (Summer of Sam, 1999) gerne beschäftigten.
Auch in Italien, wo er eine Villa in Umbrien erworben hatte, erhielt er zahlreiche tragende Rollen, etwa in Marco Ferreris Bukowski-Verfilmung Storie di ordinaria follia (Ganz normal verrückt, 1981) oder Giuseppe Tornatores Il camorrista (1986). Am Freitag starb Ben (Biagio Anthony) Gazzara
81-jährig in New York an Bauchspeicheldrüsenkrebs. (irr / DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2012, red)