Italien sieht Talsohle überwunden

5. Februar 2012, 17:48
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Finanzmärkte beruhigen sich - Waffenstillstand in der Politik

Italiens Ministerpräsident Mario Monti sieht Italien bereits aus der Talsohle. "Die Wirtschaftskrise ist auf dem besten Weg gelöst zu werden", meinte er anlässlich der Sicherheitskonferenz in München. Er betonte, dass sein Land bei der Haushaltskonsolidierung zum Klassenbesten innerhalb der EU avanciere. Bekanntlich soll durch das von seiner Regierung kurz vor Weihnachten erlassene Sparpaket mit Einnahmenerhöhungen und Ausgabenkürzungen in der Höhe von 20 Milliarden Euro bereits 2013 der Haushaltsausgleich erreicht werden.

Die Talsohle sei durchschritten, Italien auf dem besten Weg, die Krise zu überwinden, sagte der Regierungschef. Er sehe dem kommenden Finanzmarkttest gelassen entgegen. Inzwischen ist das Vertrauen der Finanzmärkte in Italien wieder leicht gestiegen. Der Spread - die Zinsdifferenz zwischen deutschen Bundesanleihen und den zehnjährigen italienischen Staatsfonds - ist in diesen Tagen erstmals wieder unter die 400-Punkte-Grenze gesunken. Vergangene Woche verzeichnete sie einen seit Dezember nicht mehr erreichten Tiefstand. Sowohl Goldman Sachs als auch die Royal Bank of Scotland empfehlen neuerdings zehnjährige italienische Staatsanleihen. Die Rückkehr ausländischer Investoren betrifft auch Unternehmen. Erdölmulti Eni hatte kürzlich eine Unternehmensanleihe von einer Milliarde Euro begeben. Die Nachfrage lag in wenigen Stunden bei 14 Milliarden, 94 Prozent kamen aus dem Ausland.

Dies sei nicht nur der Verdienst der Regierung, die nun versucht, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Auch hätten die großen politischen Parteien einen reziproken Waffenstillstand geschlossen und damit ein Klima geschaffen, das die Verabschiedung von Wirtschaftsreformen ermögliche, meinte Monti. "Wir haben versucht, das fiskalpolitische Schwergewicht vom Faktor Produktivität auf den Faktor Reichtum zu verlagern, um im Rahmen der Steuerkonsolidierung schwache Einkommensschichten so wenig wie möglich zu belasten." Monti steht unter anderem im Kreuzfeuer der Gewerkschaftskritik, da seine Sparmaßnahmen vorrangig die niedrigen Einkommensschichten betreffen.

Auch die Konjunkturexperten der Mailänder Großbank UniCredit sehen Italien auf dem Weg der Besserung. Chefvolkswirt Erik Nielsen erwartet für 2012 einen Rückgang des BIP von nur 0,3 Prozent und für 2013 ein Wachstum von 0,4 Prozent. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2012)

  • Ministerpräsident Mario Monti wähnt Italien unter den "Klassenbesten".
    foto: epa

    Ministerpräsident Mario Monti wähnt Italien unter den "Klassenbesten".

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