Alltägliche Tricks

Versicherungsbetrüger und ihr kreatives Potenzial

5. Februar 2012, 17:06
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    foto: standard/heribert corn

    Die Kfz-Versicherung bietet ein weites Feld für Betrugsversuche. Die Versicherungsunternehmen kündigen meist nur Mehrfachtäter, auch zu Anzeigen kommt es nicht immer.

Wenn es darum geht, die Haushalts- oder die Kfz-Kaskoversicherung übers Ohr zu hauen, entwickeln manche Versicherte einige Fantasie

Wien - Wer einen großformatigen Fernseher zu Weihnachten bekommen hat, sollte unbedingt Kleinkinder aus dem Haushalt entfernen. Denn die sind offenbar ganz versessen darauf, die Geräte umzustoßen und zu ruinieren. Zumindest, wenn man den Meldungen Geschädigter bei den Versicherungen glaubt.

"Es kommt immer wieder vor, dass die Kunden sagen, ihr Baby habe den fünf Kilogramm schweren Fernseher vom Regal gerissen", erzählt Wolfgang Reisinger, der Leiter der Schadenabteilung bei der Wiener Städtischen Versicherung. Es gibt aber noch kräftigeren Nachwuchs. "In einem Fall soll ein Dreijähriger eine 300 Kilogramm schwere Harley-Davidson umgeworfen haben. Wir haben dann nicht gezahlt."

Auswirkung auf Prämien

Um fünf Prozent niedriger könnten die Prämien sein, würde es keine Betrugsversuche mehr geben, schätzt Reisinger. Es gebe keinen altersmäßigen Unterschied, das Phänomen ziehe sich auch durch alle sozialen Schichten.

Eine Einschätzung, die Eric Eybl von der Generali-Versicherung teilt. Ein Prozent der Kunden werden dort überführt. Dass die Dunkelziffer sehr viel höher ist, glaubt Eybl aber nicht - er fasst die Grenze zum strafrechtlich relevanten Betrug jedoch weiter: "Eine überhöhte Forderung ist noch lange kein Betrug." Denn das kommt ebenso immer wieder vor. Beim Diebstahl eines Fahrrads wird das zehn Jahre alte Zweirad dann zum modernen Mountainbike, nach Einbrüchen werden Rechnungen fingiert, um den gestohlenen Laptop teurer zu machen.

Manchmal ist der Trick allerdings etwas zu offensichtlich. "Wir haben jetzt gerade einen Fall gehabt, bei dem eine Notstandshilfeempfängerin nach einem tatsächlich stattgefundenen Einbruch angegeben hat, ihr seien 5000 Euro Bargeld und Schmuck um 40.000 Euro gestohlen worden", erzählt Wiener-Städtische-Mann Reisinger. Auch wenn ein Kunde für die 40-Quadratmeter-Wohnung eine Versicherungssumme von 200.000 Euro will, werde man stutzig.

Beliebte Kaskoversicherung

"Aber diese Fälle regen uns gar nicht mehr auf", gibt sich auch Reisinger abgeklärt. Neben der Haushaltsversicherung ist bei den 08/15-Kunden auch die Kfz-Kaskoversicherung als kreatives Tätigkeitsfeld beliebt. "Ein Kunde, der eine Urlaubskaskoversicherung abschließt und dann schon am zweiten Tag im Ausland einen Schaden meldet, wird genauer geprüft, da sich der Verdacht aufdrängt, dass der Unfall schon davor passiert ist."

Bei der Identifizierung möglicher Unregelmäßigkeiten helfen bei der Generali mehrere Methoden. "Wir haben Computerprogramme, die Auffälligkeiten registrieren, ein Stichprobensystem, bei dem ein beliebiger Fall genauer geprüft wird, und wir verlassen uns auf das Wissen altgedienter Referenten", sagt Eybl. Mittlerweile schaue man wieder genauer hin - "das ist aber für beide Seiten gut", ist er überzeugt.

"Verhandlungssache"

Werden Kunden ertappt, reagieren sie unterschiedlich. "In manchen Fällen reicht es, wenn wir einfach schreiben: ,Den Schadensfall können wir nicht nachvollziehen'", erzählt Eybl. "In den meisten Fällen hört man danach nie wieder etwas", schildert auch Reisinger. "Aber natürlich gibt es auch Hartnäckige, dann prüfen wir es auch weiter."

Für Reinhard Kreiss vom Institut für Kriminalsoziologie an der Uni Wien kann sich Hartnäckigkeit aber durchaus auszahlen. "Es ist natürlich auch manchmal Verhandlungssache", ist er überzeugt. Über die Soziologie von Betrügern gebe es aber wenig wissenschaftliche Untersuchungen. "Das Argument der Menschen sich selbst gegenüber ist meistens die Amortisierung - man hat so lange eingezahlt, jetzt will man auch einmal etwas zurück."

Kontrolldruck wirkt

Gesichert sei allerdings, "dass Betrug eine der wenigen Deliktformen ist, wo Kontrolldruck und Strafandrohungen wirken", sagt er. Dass allerdings Prämien wirklich sinken würden, wenn es weniger Betrugsversuche gibt, bezweifelt er eher.

Den Assekuranzen ist es jedenfalls in den meisten Fällen wichtiger, den Kunden zu behalten, als zur Polizei zu gehen. "Wir legen auf eine Kriminalisierung keinen Wert und kündigen auch nur Mehrfachtäter", sagt Reisinger. Mitunter gebe es zwar Anzeigen, doch die betreffen nur professionelle Betrüger.

Etwa die "Schussfahrer". Die provozieren Unfälle, indem sie die Rechtsregel ausnutzen und dann so überraschend in eine Kreuzung einfahren, dass sie "abgeschossen" werden. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 232
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ICE ICE
00
23.3.2012, 02:24
Man stelle sich vor...

Sie gruenden eine Versicherung und dafuer brauchen Sie Kapital...je mehr K.unden einzahlen(Praemie), um so eher kann man sich einen Schadensfall leisten. Diese Pyramide kann aber nur solange funktionieren, dass die Praemieneinnahmen die Ausgaben "bei weitem" uebertreffen. So wuerde ich als Versicherungsunternehmen "alles" daran setzen, nicht zu zahlen, egal, welche Argumente dazu notwendig sind. Selbst bei Antraegen "hoffen" Versicherungen, dass man bei den Gesundheitsfragen z.B. luegt, denn im Schadensfall kann ein Privatdetektiv relativ leicht herausfinden, dass die eine oder andere Frage nicht wahrheitsgemaess beantwortet wurde und somit haelt sich die Versicherung von der Leistung frei.

regenfeldbau
01
17.3.2012, 14:22
Eine Frechheit

"Die Assekuranzen legen auf eine Kriminalisierung keinen Wert." Das heißt, wir ehrlichen zahlen höhere Prämien, weil die Versicherungen ihre betrügerischen Kunden behalten wollen. Die haben erstens nicht begriffen, dass es sich um Offizialdelikte handelt und zweitens, dass, wer einmal lügt - es wieder tut. Eine Anzeigepflicht täte not.

Ravenspower
00
21.2.2012, 23:43
Interessant

i bin schon oft komischerweise von alten, rostigen golf 2 an verschiedenen kreuzungen hinten angefahren worden.
die uhrzeit war meistens um 16.00UHR.

komisch.

ich vermute das es ein golf2 fanclub auf mich abgesehen hat.

yoyoehkloa
15
10.2.2012, 13:04
Auswirkung auf Prämien

"Um fünf Prozent niedriger könnten die Prämien sein, würde es keine Betrugsversuche mehr geben ..."

... yo, genau!
und die bankgebühren sind ja auch gefallen seit der kunde alles selber machen "darf".

Flugmanagment
03

genauso passt der Satz

eine Versicherung ist ein legalisierter Betrüger

major grubert
20
ich verstehe

die vorsaetzlichen autobetrueger nicht. ich habe jede woche mindestens ein vollbremsung aufgrund entgegenkommenden linksabbieger. alle 2-3 jahre geht es sich halt absolut nicht aus. ein paar km mehr in wien und ich kann den schnitt locker heben.

Bitte Bitte
010
15.2.2012, 05:31
Es gibt Leute, die achten auf die Verkehrsordnung,

und es gibt Leute, die achten auf das Verkehrsgeschehen.

Es gibt Leute, deren Fuss ist am Gaspedal angewachsen, und es gibt Leute, die haben ihren Fuss, wenn sie nicht Gas geben, über der Bremse.

Es gibt Leute, die wissen, was vor, neben und hinter ihnen vor sich geht und dass diese Leute unterschiedlich reagieren.

Es gibt Leute, die antizipieren und kommunizieren Fahrmanöver und geben dem anderen sogar mehr Raum als ihm unmittelbar zusteht. Das relaxed.

Jede Woche eine echte Vollbremsung? Da passt was nicht.

K. Kinsky
010
Vogelscheuch

Aber Versicherer können auch sehr kulant sein: Ich kenne einen Fall, wo ein Südösterreicher seinen BMW in Ungarn als gestohlen gemeldet und in Wirklichkeit in Serbien verschachern lassen hat. Zweimal. Beim zweiten Mal natürlich ein anderer BMW. Und was ist beim Prozess rausgekommen? Eine außergerichtliche Einigung. So einfach gehts.

major grubert
00
hier sollte

vielleicht auch einmal geklaert werden wer die verantwortlichen bei der versicherung fuer diesen handel war und in welchen politischen und/oder persoenlichen naheverhaeltniss jene zu dem beschuldigten stehen.
gibt es dafuer kein gesetz das unter strafe stellt wenn man diebes und hehlertum tatkraeftig unterstuetzt, insbesonders wenn man dabei auch noch nutzniesser des ganzen ist (erhoehte praemien)?

zabia
 
02
Auch Versicherungen sind fragwürdig:

Beim letzten Verkehrsunfall, keine Verletzten: rechnete mir die KeineSorgen-Versicherung vor, nachdem sie mein Auto ohne mein Wissen (!), zur "Versteigerung" (!) angeboten hatte; vor, ich hätte keinen Schaden erlitten.: Zeitwert: ca. 1300. Virtueller Versteigerungsangebot (6 Gebote, 2 um ca. 1250, 3 unter ca. 600), dass ich nur denen meine Auto übergeben müsse, um ohne Schaden auszusteigen. .... Dass ich mit dem KFz noch keine 2500 km gefahren war, dass ich 5000 Euro investiert hatte, interessierte die nicht. ... ich informierte also den Unfallgegner (Dienstwagen christl. Presse) dann ließ ich das KFZ (CZ) reparieren, die "VieleSorgen", prüften das, und dann erst bekam ich mein Geld (Reparaturkosten: ca. 1200). ...

hlg
01
tja...

wrackbörse heißt das...

da wird dir dein unfallauto unterm a...h verkauft und der rest auf den zeitwert ausbezahlt.

deshalb sind versicherer auch immer für den ganzen teuren elektronik schnickschnack...

der nach 5 jahren spinnt. das drückt den listenpreis.
die prämie wird aber vom neupreis bestimmt...

qualität war deshalb gestern.

Asparuch Edler von Leschnikoff
00
Das stimmt so natürlich nicht.

Wird ein wirtschaftlicher Totalschaden festgestellt, gehts im nächsten Schritt darum, dass die Differenz zwischen dem Listenwert und dem tatsächlichen Wert (aufgrund des aktuellen Schadens) festgestellt wird. Und letzteres geht rasch und treffgenau über die Wrackbörsen. Man muss dem Verkauf aber schon auch zustimmen.

Also Beispiel:
Wert des unbeschädigten Autos lt. Liste EUR 1300,00
Höchstgebot für das beschädigte Auto: EUR 700,00
-> Versicherung bezahlt Differenz von EUR 600,00, Rest krieg ich vom Höchstbieter wenn ich verkaufe oder nicht, wenn nicht. - Dann muss ich selber schauen, ob ich das Auto mit den 600 wieder straßentauglich kriege.

zabia
 
00
10.2.2012, 15:17
Nein.

Es lieg genauso, wie oben beschrieben.

Wobei ich betone: Mein Auto hatte eben mehr Wert, als der "Listenpreis."

Ich hatte kurz zuvor 5000 Euro in das Fahrzeig investiert.

Und die KeineSorgen hat ohne mein Wissen das Auto bei der Wrackbörse (wer ist das? Schrottkhändler, Schnäppchenjäger, Versicherung?) angeboten.

Ich hab aber jetzt ein Fahrzeug, das fährt und fährt, ...

Und die Reparatur zahlte eben die KeineSorgen.

Den Schaden hatte die Schrottmafia (Wrackbörse). Die bekam kein Schnäppchen.

zabia
 
00
Am Ärgerlichsten ist:

Hätte ein Cermedes den Schaden erlitten, wäre es wohl zigmal so teuer gewesen, und die Verischerung hätte prompt bezahlt.

Cmd. Ed Straker
03

Also bei den "Ottakringer Schussfahrern" hat das Computerprogramm offensichtlich nix gefunden...

Super-Zyniker
10
17.3.2012, 17:09

@Cmd. Ed Straker

> Also bei den "Ottakringer Schussfahrern" hat das
> Computerprogramm offensichtlich nix gefunden...

Du hast leider vergessen, daß dieses Programm natürlich auch "political correct" ist und somit unsere multikulturelle Zwangsbereicherung davon ausgenommen wird.
Schließlich läßt sich mit dem Islam alles rechtfertigen und wird spätestens bei der Drohung mit der berühmt-berüchtigten Na*i-Keule mit Kniefall anerkannt.
Nur ist es eben nicht "political correct", diese Wahrheiten auszusprechen.

ela vie
20
auch versicherungen haben nichts zu verschenken

aber offensichtlich sind die meisten der irrigen meinung, dass die versicherungen ein ableger der heilsarmeen sind...

19k
10
13.2.2012, 13:13
dass die versicherungen ein ableger der heilsarmeen sind...

.... wohl eher Ableger des organisierten Verbrechens

jumpingjack flash
00

das ist klar, ich finde auch nix dabei wenn die überprüfen ob schäden gerechtfertigt sind - aber sich totzustellen, nach mehreren eingaben nicht zu reagieren, sprich leistungen die dem kunden zustehen nicht oder wenn nur künstlich verzögert zu ersetzen ist eine frechheit. da gehören m.m. nach die gestze kundenfreundlicher gestaltet, ev. pönale eingeführt.

Super-Zyniker
00
17.3.2012, 17:06

@jumpingjack flash

> künstlich verzögert ... eine frechheit. ...
> ev. pönale eingeführt.

Da steckt natürlich System dahinter, denn Versicherungen wollen klarerweise möglichst wenig zahlen und versuchen daher, die Schadenszahlungen möglichst zu "drücken".
Diese Rechnung geht leider sehr häufig auf, da einerseits viele Kunden nicht lange und teure Prozesse führen können und andererseits, wenn der Kunde obsiegt, es die Versicherung bestenfalls ein paar mickrige Prozent Verzugszinsen kostet.
In den USA wäre so ein Verhalten undenkbar, denn da bekommen Versicherungen so drastische Strafzahlungen aufgebrummt, daß sie nicht einmal im Traum an solche Verzögerungstaktiken denken.

jumpingjack flash
00
19.3.2012, 09:48

interessant - den verdacht hab ich mittlerweile auch, die versuchen es mit zermürbungstaktik - zum erstenmal wünsch ich mir, zumindest diesen teil des amerikanischen rechtssystems herbei :-)

Wos woar mei Leistung? °|°
02
da täuschen sie sich,

( was die meinung angeht )

die meisten denken bei versicherung an eine andere vereinigung, nicht die heilsarmee

Edmund der Fröhliche
00
Schenkungsverein auf Wechselseitigkeit!

h 90
00

Oder bei der Ampel los fahren und bremsen und irgendwas behaupten.....

jumpingjack flash
10

oder in der querstrasse einer schienenstrasse zu wohnen - man blinkt, bremst um abzubiegen - und der hintere rutscht einem auf den schienen (garantie bei regen und schnee) rein - ich hab seit jahren neue hintere stossstangen :-)

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