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Sprinterin Sabine Tröger in den Neunzigerjahren: vier bis sechs Stunden Training täglich. Nicht nur auf der Laufbahn.

"Viele Kinder können keinen Purzelbaum, nicht Seilspringen, nicht auf Stelzen gehen."
"Bin ich deppert? Da oben schießt einer, und ich renn'. Ich weiß, dass ich nicht mehr besser werden kann. Der Ofen ist aus. Sieben kleine Knieoperationen hab ich hinter mir." Auch das dachte sich Sabine Tröger, als sie 1995 ihr Leben radikal änderte, als die Rennmaschine quasi über Nacht zu einer Müßiggängerin mutierte.
Der Übergang? "Schrecklich." Und zwar deshalb, weil sich ein Körper, der jahrelang extrem trainiert wurde, bei Bewegungsentzug dramatisch verändert. Nach drei Monaten war Österreichs vormals beste Sprinterin am Tiefpunkt angelangt. "Was wackelt denn da beim Zähneputzen?", war eine der Fragen, die sie sich stellte. Das Kreuz tat weh, auch die Kniescheibe wackelte, denn Muskeln neigen dazu, unterschiedlich zu atrophieren, wenn sie nicht mehr beansprucht werden. Erst waren halbe Kniebeugen mit einem aufgeladenen Gewicht von 230 Kilo, tiefe Kniebeugen mit 130 Kilo, zwischen vier und sechs Stunden Training täglich. "Und dann war drei Monate Party." Tröger, die sich zwangsläufig mit Trainingslehren beschäftigte, musste unter Schmerzen erkennen, dass auch sie keine Ausnahme ist. Und begann im Fitnesscenter mit dem Abtrainieren.
Der größte Erfolg
Zuvor hatte sie es zu nationalen Rekorden, zu zwei Bronze-Medaillen bei Hallen-Europameisterschaften über 200 Meter gebracht, 1992 in Barcelona jeweils das olympische Viertelfinale über 100 und 200 Meter erreicht, 1993 bei der WM in Stuttgart über 100 Meter, der spektakulärsten Disziplin der Leichtathletik, den 13. Platz belegt. "Als weiße Frau im Sprint. Das ist für mich persönlich der größte Erfolg, sportlich viel mehr wert als die EM-Medaillen."
Tröger nahm sich nach der Karriere ein Jahr Auszeit. "Ich hab mir das leisten wollen und können. Ich hab ganz gut verdient, von Sponsoren, von der Sporthilfe, vom Verein, ich hab immer ein Auto gekriegt." Daheim in Korneuburg, wo sie der Standard besucht, blättert sie durch die fünf Pressemappen, die ihre Mutter angelegt hat. "Ich war ja in einer Nische mit meinen Anzügen und meiner goscherten Art." Viele Zeitungsartikel, viele Fotos im extravaganten, mal mehr und mal weniger gelungenen Laufdress.
Der Johnson-Faktor
Medaillen hin, Olympia und Stuttgart her, die meisten Schlagzeilen trug ihr die Bekanntschaft mit Ben Johnson ein, dem berühmtesten aller Dopingsünder. Kennengelernt hat sie den Kanadier 1991 in Budapest, als er sein Comeback gab nach der Sperre, die er sich 1988 in Seoul redlich erworben hatte, als er nachweislich gedopt und also vergeblich zu Olympiagold und Weltrekord gelaufen war.
"Er hat mir imponiert", sagt Tröger. "In Barcelona waren wir essen. Ben legte 1000 Dollar auf den Tisch und sagte: 'Essen.' 1993 hab ich mich für die Hallen-WM in Toronto qualifiziert. Vor der WM hörte ich, dass Johnson schon wieder positiv getestet worden ist. Ich hab ihn angerufen. Er hat mir versichert, dass er nichts getan hat. Ich hab ihm damals geglaubt. Dann bin ich nach Toronto, habe viele Interviews gegeben." Etwa für den Toronto Star. Das ist rausgekommen auf der Titelseite: "Seine Freundin glaubt immer noch, dass er unschuldig ist." - "Blödsinn, wir waren gut befreundet."
In dieser Zeit meldete sich Toni Fritsch, der ehemalige Rapidler, der in den Siebzigerjahren ausgezogen war, um ein Star im American Football zu werden. "Er hat seinen Jugendfreund, meinen Vater, angerufen und gesagt: Sabine ist in Amerika schon berühmter als ich." Dann zeigt sie einen Ausschnitt aus der Bild mit Fotos von Tröger und Johnson und dem Titel: 'Ist Doping übertragbar?'" Eine schwierige Zeit.
Sie ist Geschichte. Nach der Auszeit arbeitete Tröger, die maturiert und ein bisschen Betriebswirtschaft (kein Abschluss) studiert hatte, bei verschiedenen Firmen. 1998 heiratete sie, aus Tröger wurde Fuchs, Tochter Amelie ist heute acht Jahre alt. Diversen Jobs folgte die Ausbildung zur Kindergesundheitstrainerin, und vor drei Jahren wurde aus Fuchs, vormals Tröger, Fuchs-Tröger, um leichter anknüpfen zu können an das alte, zurückgelassene Leben.
Sie gründete in Korneuburg einen Sportverein für Kinder, geht in Schulen und Kindergärten, um die Pädagogen zu schulen. Motto: Wie kann ich die Turnstunden lustiger gestalten? "Viele Kinder können keinen Purzelbaum, nicht Seilspringen, nicht auf Stelzen gehen. Es fehlt oft an koordinativen Fähigkeiten." Abgesehen davon, dass Bewegung schlau mache, "werden wir ein großes Problem im Leistungssport kriegen. Die sensible Phase für koordinative Fähigkeiten ist zwischen sechs und 14 Jahren. Wird da etwas versäumt, ist der Zug abgefahren."
Die tägliche Turnstunde
Seit einem Jahr ist Fuchs-Tröger Politikerin, im Korneuburger Gemeinderat macht die ÖVP-Mandatarin die Ausschussvorsitzende für Sport. Gegenwärtig geht es um die Frage: Wie kann man Korneuburg mehr bewegen? Weil sie wie schon Generationen vor ihr für die tägliche Turnstunde kämpft, sagt sie: "Und irgendwann werde ich Sportministerin."
Ben Johnson ist auch wieder aufgetaucht, diesmal virtuell via Facebook. Real sandte er sein Buch "Seoul to Soul" mit Widmung für Familie Fuchs-Tröger. (DER STANDARD Printausghabe; 6. Februar 2012)
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Das hätte damals das schönste österreichische Märchen werden können.
Wieviele Sportfans haben davon geträumt!
Stöger & Tröger hätten die allersüßesten Fohlen zusammengebracht.
Aber nichts ist daraus geworden, schade. Hü hott.
wenn ihr Haupt-Beweggrund dafür, dass Sie Kleinkindern das Turnen beibringen will, ist, dass dann am Ende ein paar Leistungssportler rauskommen...
Mein Haupt-Beweggrund wäre, dass am Ende viele einigermaßen fitte Menschen rauskommen.
Aber ich will auch nicht Sportministerin werden :-)
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