Irrtümer über Grasser

KrisenFrey, 9. Februar 2012, 08:53
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    foto: apa/hochmuth

Der Ex-Finanzminister war weder supersauber noch besonders geschickt – und die Justiz schläft ganz und gar nicht

Profil-Chefredakteur Christian Rainer hat in seinem jüngsten Leitartikel eingeräumt, dass er sich in der Causa Karl-Heinz Grasser lange Zeit getäuscht habe, weil er davon ausgegangen sei, dass KHG zwar in seiner Umgebung Korruption zugelassen habe, um später einmal selbst davon zu profitieren, „aber er wird nicht so blöd gewesen sein, selbst zu kassieren oder auch nur entsprechende Abmachungen zu treffen“.

Nun wissen wir seit der Veröffentlichung des Abschlussberichts der Wirtschaftspolizei durch den Falter, dass die Behörden – bei aller Unschuldsvermutung – eine andere Sicht der Dinge haben. Und dank der Enthüllung der Erklärung von Grasser-Schwiegermutter Marina Giori-Lhota durch Profil wissen wir auch, warum sie das tut. Nach Darstellung der Polizei drängt sich der Verdacht auf, dass Grasser sehr wohl während seiner Amtszeit Millionen an illegalen Provisionen aus dem Buwog-Verkauf und anderen staatlichen Transaktionen persönlich kassiert hat.

Ich habe viel Sympathie mit Rainers Eingeständnis, denn auch ich bin vor rund einem Jahr in einem Blog dem gleichen (immer noch mutmaßlichen) Irrtum aufgesessen, nämlich Grassers Unverschämtheit und Gier zu unterschätzen.

Aber auch unter jenen, die bei Grasser immer schon – und mit gutem Grund – das Schlimmste angenommen haben, gab es einige eklatante Fehleinschätzungen.

Die eine lautet, dass Grasser es besonders geschickt angestellt hat und deshalb wohl nie erwischt werden wird. Von dem, was wir heute wissen, ist eines klar: Besonders klug und vorsichtig war Grasser nie, sondern eher plump und hochmütig. Wenn er tatsächlich Dreck am Stecken hat, dann wird man ihm das Fehlverhalten nachweisen können –mit allen strafrechtlichen Konsequenzen.

Der zweite Irrtum war, dass man der Polizei und der Justiz unterstellt hat, allzu langsam und zögerlich vorzugehen und Grasser sogar schützen zu wollen. Viel war – auch im Standard – vom Versagen der Justiz in der Causa die Rede.

Das ist unrichtig. Die Behörden – Wirtschaftspolizei, Staatsanwaltschaft und Finanzbehörden - setzen offenbar alles daran, alle Zahlungsflüsse rund um Grasser aufzudecken und damit dem potenziell größten Korruptionsskandal der Zweiten Republik zu klären.

Und durch die Einleitung einer Betriebsprüfung bei Grassers vermögender Schwiegermutter hat das Finanzamt Innsbruck offenbar am richtigen Punkt Druck ausgeübt und Grasser damit um seine wichtigste Alibigeberin beraubt. Das ist eine beeindruckend effektive Aufklärungsarbeit.

Die Frage steht noch im Raum, warum Grasser bei all diesen Verdachtsmomenten nicht in U-Haft genommen wird. Aber wenn es gelingt, den Fall ohne diesem drastischen Mittel, das von seinen Anwälten mit aller Vehemenz bekämpft werden würde, zu klären, dann würde sich auch das als richtige Taktik erweisen. Denn bisher hat Grasser seine Freiheit für seine eigene Sache nicht besonders vorteilhaft genutzt (und wurde dabei auch abgehört).

Und sollte Grasser ein schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden, hätte er noch genug Zeit zum Sitzen.

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Posting 1 bis 25 von 206
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In nomine domini
00
Wenn man sich jetzt als Journalist

auch noch die durchaus zumutbare Mühe machen und anschauen würde, was eigentlich U-Haftgründe sind und wie lange so eine Haft dauern kann, dann wüsste man auch, warum es kontraproduktiv wäre, ihn in U-Haft zu nehmen.

Klaus Woltron
01
......mit die Fälle.....

...haperts ein bisserl. Aber sonst stimmts.

LinksSchreiber
01
Wenn der verurteilt und eingesperrt wird, wäre es ein echter Sieg für die Gerechtigkeit, ein Beweis, dass diese ökonomistische Post-Demokratie noch nicht alle Teile der Gesellschaft durchseucht hat.

solodiver
01

Eine Inhaftierung alleine brächte den Geschädigten, also den Steuerzahlern, recht wenig. Er würde gegenteilig ja noch weiter auf Staatskosten leben.

Erfolg wäre ein richtige Schadenswiedergutmachung, etwa Rückabwicklung der Transaktionen, Schmiergeldflüsse etc...

LinksSchreiber
00
11.2.2012, 22:46
Es geht auch um Moral, sowie um Motivation, die aus der Moral resultiert. Es ist demoralisierend, wenn die einfachen Leute sich zu Niedrigst-Löhnen abarbeiten und massiv Abgaben zahlen, während die so genannte Elite

sich absolut korrupt verhält, also auf akademisch verbildete Weise die untere Mittelschicht verschei**ert, so dass die Übertretung aller Regulative und das Verbrechen als Grundnorm des positiven Rechts erscheinen muss.

Insofern wäre es ein moralisch erbauliches Symbol, wenn der Arm des Gesetzes auch nach durch und durch korrupten den Mitgliedern einer "Elite" greift, die über keinen aufgeklärten Geist und über keine Bildung im traditionellen Sinn mehr verfügen, weshalb sie nur mehr von den aller niedrigsten Instinkten (Gier und Angst) gesteuert werden.

Diese Figur ist einfach widerlich, ein reiner Opportunist und Wendehals, eine Figur ohne Ethik, politischen Anstand und ehrlichen Charakter. Billig und käuflich wie eine N*tte.

LinksSchreiber
00
Das Beste, was dieser Opportunist jemals geschrieben hat: "Die Frage steht noch im Raum, warum Grasser bei all diesen Verdachtsmomenten nicht in U-Haft genommen wird."

solodiver
00
ad Bilder

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so deutlich wird, die Bilder zeigen Karl-Heinzi bei einem morgendlichen Ausritt auf seinem Zwergpony Fiona II...

Hüüüü, Pferdchen hüüüüüüü!

blasse Grille
00

Die jährliche Million für Fionas Kaffeekasse muß erst mal verdient werden wollen..

ich nicht
80
Grasser hat auch gute Leistungen vollbracht:

Abfertigung neu
Steuersenkung bei der KÖSt stärkte die Wirtschaft UND brachte Mehreinnahmen
private Vorsorge via Wiener Börse
Privatisierung Post, Böhler, VOeST

zett
00
14.2.2012, 23:27

ich wollte eigentlich nurnoch grüne stricherl verteilen...

clearlake
01
private vorsorge....

bruahahaha.... - das nenn ich leistung!

neuraltradingfx
00

es wird ihm haargenau NICHTS passieren!

ich nicht
01
haargenau...

Susanne_B
11

'ohne diesem Mittel'
Das tut weh! Haben wir schon mal den Begriff 'Akkusativ' gehört?

angelo6
01
Schüssels bester Minister ...

... und fast ÖVP-Parteiobmann!

Epikouros
00
"Wenn der Teekessel singt..."

Die Fotostrecke von unserem KHK ist genial. Damit könnte er als Werbeträger für die Teekanne auftreten.

Den Text müsste man dann umschreiben. z.B.:
"... und die Millionen fließen, hat man´s gut, hat man´s gut, ja dann hat man´s wirklich gut."

Ökonomix
02
Warum für Teekanne? Doch eher für die BAWAG!

http://www.youtube.com/watch?v=8... re=related

Mostbluzza
02
eher für schwarzkopf

immer in form, 3 tage wetter taft, ob graz karlau, garsten oder krems/stein ... immer knackig der junge mann mit wallendem haar.

system1
00
eher für DUREX

warum sage ich jetzt besser nicht.

Lophiomys imhausi
00
Um die Justiz, Exekutive und

deren politisch Vorgesetzen zu entlasten,
sehe ich absolut keinen Grund.

the idler
01

"Wenn er tatsächlich Dreck am Stecken hat, dann wird man ihm das Fehlverhalten nachweisen können –mit allen strafrechtlichen Konsequenzen."

Das heißt, wenn er nicht im Häfen landet, hat er auch wirklich nichts unrechtes getan??

Das wage ich zu bezweifeln.

Roter Baron
10
>Wenn er tatsächlich Dreck am Stecken hat, dann wird man ihm das Fehlverhalten nachweisen können<

glaub ich nicht
khg hat sich vor über einem jahr selbst angezeigt
-womit die unschuldsvermutung bei ihm wohl kaum greift- und ist noch immer nicht in u-haft.
wenn er nicht völlig debil ist,
wird die justiz jetzt bei ihm 0 finden.

roter baron

Name entfallen
00

Die Selbstanzeige war in Bezug auf die Besteuerung von irgendwelchen Aktiengewinnen und hat gar keinen Bezug auf die Konten in Lichtenstein. Rein formell gilt deshalb die Unschuldsvermutung.

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