Lage in Ortschaft St. George spitzt sich zu - Bundesstaat New South Wales bedroht
Sydney - Angesichts steigenden Hochwassers im
australischen Bundesstaat Queensland hat die dortige Regierung
tausende Menschen zur Flucht in höher gelegene Gebiete aufgefordert.
Die Bewohner von St. George im Südwesten von Queensland sollten die
Kleinstadt verlassen. In dem Viehzüchter-Distrikt leben etwa 3.800
Menschen. Starker Regen hat die Flüsse in Queensland auf Rekordstände
anschwellen lassen. Ein Teil der Wassermassen bewegte sich am Sonntag
nach Süden und bedrohte den Bundesstaat New South Wales.
"Dies ist eine sehr ernste Lage und ich möchte alle Menschen
dringend bitten, zu kooperieren", sagte die Ministerpräsidentin von
Queensland, Anna Bligh. Sie besichtigte am Sonntag die Dämme in St.
George, die an einigen Stellen schon Lecks aufwiesen. Nur eine Straße
verband die Stadt noch mit höher gelegenen Gebieten. Die Regierung
hatte zunächst zu einer freiwilligen Räumung aufgefordert, im Laufe
des Tages spitzte sich die Lage allerdings zu. Ein Hubschrauber und
Transportflugzeuge des Militärs sollten Patienten aus dem Krankenhaus
von St. George in Sicherheit bringen.
Pegelstand von 15 Metern erwartet
Provisorischen Sperren hielten die Fluten zurück, die nach
Medienangaben auf fünf Kilometer Breite und sieben Meter Höhe
angeschwollen sind. Es sei zu spät, die Dämme noch weiter zu erhöhen,
sagte die Ministerpräsidentin. Schon im Jahr 2010 hatte Hochwasser
den Viehzüchter-Ort verwüstet, als der Balonne-Fluss auf einen Stand
von 13,5 Meter stieg. Für den kommenden Dienstag wird ein Pegelstand
von bis zu 15 Metern erwartet.
Am Sonntag bargen Rettungskräfte die Leiche einer Frau. Sie war am
Vortag vor den Augen der Retter von einem Hochwasser führenden Fluss
nahe der Stadt Roma weggerissen worden. Ihren Sohn konnte die Frau in
letzter Sekunde den Helfern übergeben. Sie hatte versucht, mit ihrem
Pickup den Fluss zu überqueren.
In Teilen des Bundesstaats New South Wales begannen am Sonntag
erste Aufräumarbeiten. In der vom Hochwasser besonders betroffenen
Stadt Moree wurden Evakuierungswarnungen wieder aufgehoben. Die
Pegelstände waren seit Samstag leicht gesunken. Etwa 3000 Menschen
blieben aber in New South Wales weiter von der Umwelt abgeschnitten,
teilte der örtliche Rettungsdienst SES mit.
Keine Entwarnung gab es für Regionen im Landesinneren von New
South Wales: Hochwasser führende Flüsse bringen in den kommenden
Tagen und Wochen neue Wassermassen von Queensland nach New South
Wales. "Wir fordern die Menschen auf, ihre Vorräte zuhause
aufzustocken und wichtige Dinge wie zum Beispiel Fotos
zurechtzulegen, für den Fall, dass evakuiert werden muss", sagte
SES-Sprecherin Erin Pogmore der Nachrichtenagentur AAP.
Im vergangenen Jahr waren in Queensland bei den schwersten
Überschwemmungen seit Jahrzehnten mindestens 30 Menschen gestorben.
Tausende Häuser standen unter Wasser, landwirtschaftliche Flächen
fielen den Fluten zum Opfer. (APA)