"Ich alte Emanze hab ein Herrenzimmer"

5. Februar 2012, 10:43
  • Artikelbild
    vergrößern 800x296
    foto: lisi specht

    Die Wissenschafterin Renée Schroeder in ihrem sogenannten Herrenzimmer, das als Partyzone, Heimkino und Lesezimmer genutzt wird.

Ruhe und Rückzug bedeutet für Renée Schroeder ihre 200-m²-Wohnung am Rudolfsplatz, die oft aber auch als Partylocation dient

Die Molekularbiologin Renée Schroeder wohnt im Dachbodenausbau eines Wiener Innenstadthauses. Michael Hausenblas erzählte sie vom Kommen und Gehen.

***

"Ich wohne jetzt so gut wie allein im Dachboden eines alten Hauses am Wiener Rudolfsplatz. Meine beiden Söhne, Fabian und Constantin, sind vor kurzem ausgezogen. Das Haus, über dessen Geschichte ich leider nicht viel weiß, wurde in der Zeit um 1900 gebaut. Die Wohnung, die mir gehört, misst über 200 Quadratmeter und hat zwei Terrassen. Ja, das ist groß. Aus diesem Grund hab ich auch einen Studenten zur Untermiete. Langsam überlege ich mir schon auszuziehen. Aber irgendwie fällt es mir schwer. Dann gibt es da auch noch unseren Bauernhof in Salzburg, auf den ich mich nach meiner Pensionierung zurückziehen möchte.

Dass die Kinder nicht mehr hier wohnen, heißt übrigens nicht, dass ich hier vereinsame. Meine Söhne sind fast täglich hier. Vor allem früher war es mir wichtig zu wissen, dass die Kinder mit ihren Freunden bei uns zu Hause sind. Das brachte zwar eine gewisse Unordnung mit sich, es war mir aber lieber als die ganzen Bedenken, sie würden weiß Gott wo sein. Sie mussten mich auch nie fragen, ob jemand mitkommen darf. Überhaupt herrscht hier nach wie vor ein Kommen und Gehen. Ich empfange sehr gerne Gäste. 20 bis 30 Leute sind keine Seltenheit, denn dieser Ort ist eine ideale Party-Location. Nicht wenige Leute haben sogar einen eigenen Schlüssel für die Wohnung. Ansonsten bedeutet mir das alles hier vor allem Ruhe und Rückzug. Dabei bin ich eigentlich fast nie zu Hause. Termine und Vorlesungen beschäftigen mich gut zwölf Stunden pro Tag. Außerdem absolviere ich gerade die Bauernschule - wegen des besagten Bauernhofs.

Die Wohnung, in der ich nun seit sechs Jahren lebe, wurde von der vorigen Bewohnerin 1986 umgebaut. Ich habe, was die Raumeinteilung betrifft, nichts verändert. Nur die Elektrik musste erneuert werden. Es ist eigentlich alles so, wie ich es haben wollte. An Plätzen, an denen ich früher gelebt habe, war es meistens 'schnell, schnell irgendwie' eingerichtet.

Die Wohnung ist eigentlich sehr untypisch für dieses Haus, da sie ein umgebauter Dachboden ist. Die anderen Hausbewohner leben bestimmt in ganz typischen, schicken Altbauwohnungen mit einer Mords-Raumhöhe. Doch dafür ist hier alles sehr offen. Küche, Flure, Wohnzimmer bieten einen geräumigen Schlauch. Ich mag das. Ansonsten gibt es drei Schlafzimmer, ein Gästezimmer und drei Bäder. Und dann das Herrenzimmer! Das muss man sich vorstellen: Ich alte Emanze hab ein Herrenzimmer. Das haben die Kinder so hergerichtet. Irgendwann hieß es dann Herrenzimmer. Wahrscheinlich wegen der Bar und der schweren Ledermöbel. Hier spiele ich Saxofon. Ein Fitnessgerät und einen Beamer für Filmabende gibt es auch. Der Raum war einst der Abschluss eines zweiten Treppenhauses. Die Decke besteht aus einem schönen, großen, rosettenartigen Oberlicht, umrahmt von Stuck-Ornamenten. Die Wohnung verfügt über einen ziemlich rustikalen, südländischen Charakter. Die Terrakottaböden und dunklen Holzmöbel tragen sicher dazu bei. Das ist kein Prestige-, sondern ein Nutzobjekt.

Licht ist mir übrigens auch sehr wichtig. Darum gedeihen auch all meine Pflanzen so prächtig. Man könnte fast von einem Urwald sprechen. Ferner gibt es bei mir viele Bilder und Keramiken weiblicher Künstler - und eine Menge solider Möbel, auf die man nicht so aufpassen muss. All das Lackierte, all das Moderne ist nicht meins. Wichtig ist mir auch Musik: Jazz, Klassik, Brasilianisches. Einen Fernseher hingegen brauch ich nicht. Nur die Kinder haben derzeit einen in Verwendung - wegen der vielen Skirennen. Ich fühle mich schon sehr wohl hier. Deshalb fahre ich im Sommer auch nie auf Urlaub. Wohin denn auch? Es ist in Wien so schön." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.2.2012)

RENEE SCHROEDER wurde 1953 in João Monlevade in Brasilien geboren. Sie ist Professorin am Department für Biochemie der Max F. Perutz Laboratories. 2003 erhielt sie den Wittgensteinpreis des FWF, im gleichen Jahr wurde sie als eine der ersten Frauen Mitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Von 2005 bis 2010 war sie Vizepräsidentin des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, seit September 2010 ist sie außerdem Mitglied des Rates für Forschung und Technologieentwicklung.

Buchtipp

Renée Schroeder: Die Henne und das Ei

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 85
1 2 3
Antagonist1
00
Andere haben dafür

einen Zimmerherrn - kein Vergleich!!!

Mirstetta Toni
31

bitte nächste woche einen artikel darüber, was die nachbarn zu den lustigen partys mit 20 bis 30 personen so meinen.

baroli
00

Am einfachsten ist das, wenn man die miteinlädt.

Mirstetta Toni
01

wenn die nachbarn auf der selben wellenlänge sind, kein problem. ich bin nicht so der nachbarschaftsfuzzi.

baroli
00

Ich eh auch nicht, darum auch lieber ein freistehendes Haus, da kann man soviel Wirbel machen, wie man will.

Mirstetta Toni
00

das ist sich bei mir leider nicht ausgegangen. wobei sie auch da ein riesen problem mit den nachbarn haben können.

baroli
00

Ich nicht, die sind ringsum steinalt und fast taub.;-)

Mirstetta Toni
00

das ist fein. würde ich mir auch wünschen.

baroli
00

Ich fürchte mich aber jetzt schon vor dem, was möglicherweise nachkommt.

Mirstetta Toni
00

ja das kenne ich. war bei jedem umzug bisher meine grösste angst.

baroli
01

Mein Traum war einmal, mit einem Lottosechser alle Grundstücke rund um meines zu kaufen und verwildern zu lassen.;-)

VoK
00

Ich hab mal erlebt wie ein Zugschaffner gegen heftigen Protest 4 Leute ins 6er-Abteil 2er alten "Damen" hineinließ obwohl die beiden für alle 6 Sitzplätze Reservierungen gekauft hatten.

baroli
00

Der kann von Glück reden, daß ich nicht eine der beiden war.

VoK
00

Ja, das wäre lustig gewesen.

Hätten die Damen 6 Fahrkarten gekauft, dann hätten die Plätze Ihnen "gehört" - aber eine Reservierung (um EUR 1,20 damals?) ist ohne gültge Fahrkarte unwirksam. Find ich auch vollkommen richtig.

Mirstetta Toni
01

waren sie einer von den vieren?

VoK
10

Nein - aber hätte das was geändert?

Lectrice
01

Vertrottelter Schaffner.

VoK
10

Warum? Weil er die Beförderungsvorschriften der ÖBB kennt und danach handelt?

Waren Sie eine der beiden Damen?

Mirstetta Toni
00

ja das wär fein.

baroli
00

Ihnen schenk ich dann eines außerhalb der Schutzzone.;-)

Mirstetta Toni
00

super. dann können wir ab und zu eine miteinder tschicken und ein bisserl schlau reden.

baroli
00

...und ein Faß Bier anzapfen und laut herumgröhlen...

Mirstetta Toni
00

das mach ma!

baroli
00

Jetzt solltens mir nur noch die Lottozahlen übermitteln.;-)

Mirstetta Toni
00

ich hab gestern 1.50,- gewonnen. schon einmal ein anfang.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 85
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.