Innenminister hält Kulturen für nicht gleichwertig

5. Februar 2012, 08:19

Empörung bei Oppositionsparteien

Paris - Frankreichs Innenminister Claude Gueant hat mit Äußerungen zur Gleichwertigkeit von Kulturen für Aufsehen gesorgt. "Entgegen der relativistischen Ideologie der Linken sind für uns nicht alle Kulturen von gleichem Wert", sagte Gueant am Samstag bei einer von rechtsstehenden Studenten organisierten Veranstaltung im französischen Parlament, die hinter verschlossenen Türen stattfand. Zugleich betonte er die Notwendigkeit, "unsere Kultur zu schützen".

"Diejenigen, die die Menschlichkeit verteidigen, erscheinen uns fortschrittlicher als die, die dies nicht tun", sagte Gueant in seiner Rede, die der Nachrichtenagentur AFP vorlag. "Diejenigen, die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verteidigen, erscheinen uns denjenigen überlegen, die die Tyrannei, die Minderwertigkeit von Frauen, sozialen und ethnischen Hass akzeptieren", fuhr der Innenminister fort, der auch für Einwanderung zuständig ist.

Reaktion: "Erbärmliche Provokation"

Die Äußerungen Gueants sorgten knapp drei Monate vor der französischen Präsidentschaftswahl für Empörung bei der Opposition. Die Nummer zwei der französischen Sozialisten, Harlem Desir, verurteilte in einer Nachricht über den Kurznachrichtendienst Twitter die "erbärmliche Provokation eines Ministers, der zu einem Sprachrohr der rechtsextremen Front National reduziert wurde". Die Regierungspartei UMP befinde sich hinsichtlich der Wahl und Moral im "Verfall". Grünen-Chefin Cecile Duflot sprach von einer "Rückkehr zur Zeit vor drei Jahrhunderten". (APA)

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insertnamehere
 
03
So nebenbei:

Versteh ich das eigentlich richtig, dass die französische "Linke" somit hochoffiziell den Historischen Materialismus fallen lässt (der ja ebenso verschiedene Kulturformen unterscheidet und die mW als definitiv NICHT gleichwertig ansieht)?

Timagoras
 
43

ich finde die kultur der nichtverfolgung von minderheiten, der gleichberechtigung von frauen und homosexuellen, der meinungsfreiheit und der beachtung der menschenrechte
besser, als die "kultur" der nadsis oder der stalinisten.

warum das jetzt eine "erbärmliche provokation" sein soll, verstehe ich nicht ganz ....

Shadow
21
warum das jetzt eine "erbärmliche provokation" sein soll, verstehe ich nicht ganz ....

weil es politisch völlig unkorrekt ist die kultur der natzis, taliban oder stalinisten nicht genau so toll zu finden wie jede andere auch.

aber auf diese kulturen zielt man mit dem vergleich bzw. der kritik daran ja auch nicht ab.

Timagoras
 
31
"aber auf diese kulturen zielt man mit dem vergleich bzw. der kritik daran ja auch nicht ab"

.
wer ist "man"?

und woher wissen Sie, worauf "man" abzielt?

Dark Angel
 
02
12.2.2012, 20:34
abgesehen vom sich-blöd-stellen

Es ist keine Differnzierung von Kultur, wenn man Despotismus und Diskriminierung nicht so toll findet wie Demokratie und Toleranz. Das ist nicht kulturspezifisch, vor einigen hundert Jahren waren da die Karten noch ganz anders verteilt, vor einigen tausend Jahren noch viel mehr.
Abgesehen von der Entwicklung einer Kultur liegt der Hauptfokus auf Bildung und Demokratie. Somit sind Menschen allererstens natürlich von Geburt an gleichwertig (ich hoffe, dem können Sie sich anschließen), weiters sind somit auch Kulturen (in denen die Menschen ja geboren werden) natürlich auch gleichwertig.
Wenn jetzt ein Innenminister vor einem rechtsradikalen Publikum solche Worte spricht, mag das ja in Ihrem Sinne sein, in meinem ist das nicht!

insertnamehere
 
00
Nona.

Ich zB finde, dass sich unsere "westliche Kultur" seit dem Mittelalter ganz gewaltig verbessert hat.

Das bedeutet, dass unsere heutige NICHT gleichwertig mit der damaligen ist, sondern besser.

Nachdem sich Kulturen aber nicht gleichzeitig verbessern oder Rückschläge haben, sind sie klarerweise auch nicht permanent gleichauf. Diverse "Naturvölker" haben sich seit dem Mittelalter zB so gut wie überhaupt nicht verändert - gleichwertig mit der europäischen Kultur um 1000 und mit der europäischen Kultur um 2000 KANN man aber nicht sein, wenn die selber untereinander NICHT gleichwertig sind.

Man kann drüber streiten, was man besonders bei einer Kultur als erstrebenswert ansieht, mMn aber nicht darüber, dass das unterschiedlich ausgeprägt ist.

der_kleine_pariser
 
00
12.2.2012, 22:28

Unsere Kultur war vor etwas mehr als 60 Jahren noch zu einer Art von Barbarei fähig, die man sich davor nie vorstellen hätte können.

Unsere Kultur ist drauf und dran (und gerade der o.a. frz. Innenminister ist daran ganz massiv beteiligt) sich diesem barbarischen Zustand wieder anzunähern, wobei sie den Zustand von 1933-45 wohl nie mehr erreichen wird (hoffe ich zumindest).

Timagoras
 
22
"Das bedeutet, dass unsere heutige NICHT gleichwertig mit der damaligen ist, sondern besser"

.
unerhört!
wie kann man behaupten, eine kultur, in der es keine inquisition gibt, keine todesstrafe, keine sklaverei, keine staatliche verfolgung und hinrichtung von ketzern, homosexuellen oder "hexen", sei besser,
als eine kultur, in der all diese dinge praktiziert werden bzw. wurden?

unerhört!
wo doch alle kulturen - also auch die europäische mittelalterliche oder die "nadsi(un)kultur oder solche, in denen sklavererei praktiziert wird - völlig gleichwertig zu betrachten sind!?

kurt haenel
 
11

wieso die Aufregung ?

Gleichwertig oder nicht gleichwertig sagt ja nicht, ob die Kultur der anderen überlegen ist...

Wozu dieser hysterische Aufschrei.

hart_aber_fair
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ach blubber keinen quark du germanischer höhlenmensch

Jürgen Rembremerding
17
Die pejorative Verwendung von "Höhlenmensch"

zeigt Deinen mangelenden Resprekt vor der wundervollen Kultur der Höhlenmenschen und Deine kulturelle Hybris!

Guigui
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Er spricht's wenigstens aus

Der Mann vertritt einen Staat, dessen Grundlagen auf der Ausrottung fremder/nicht konformer Kulturen beruhen. Katalanen, Okzitanier, Basken, Bretonen, Elsässer, Flamen und Korsen können ein Lied davon singen. Noch heute sind alte Aufschriften auf Wänden zu sehen: "Soyez propres, parlez français!"

Jürgen Rembremerding
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wo und wann wurden z.B. die Elsässer "ausgerottet"?

Quintus Beckloeffel
00

Er behauptet ja nicht, dass Elsässer ausgerottet wurden, sondern dass deren Kultur ausgerottet wurde. Wären die Elsässer selbst ausgerottet worden, dann könnten Sie ja jetzt kein Lied davon singen.

kurt haenel
 
00
@ Guigui

können Sie mir eine Stelle in F nennen, wo es so eine Aufschrift gibt ? Ich lebe seit 40 Jahren in F und habe so was noch nie gesehen...

Guigui
00

Ceret, Département Pyrenées-Orientales.

Waran
54
Wie groß ist der Schritt,

von einer nicht gleichwertigen, zu einer minderwertigen Kultur und in weiterer Folge zu minderwertigen und nicht lebenswerten Menschen?

www.stattnetz.de
20
Gleichwertigkeit der gleichwertenden

Alle Kulturen die andere Kulturen als gleichwertig behandeln sind selbst gleichwertig. Kulturen, die andere Kulturen als minderwertig behandeln, sind selbst minderwertig.
So einfach ist das.

bibliothekar
10

Logikchip ausgefallen?

bibliothekar
00

"Der prinzipiell freie Mensch" - das wird ja immer schlimmer!

Sie meinen, sie selbst - vom standpunkt eines gottes aus - können kulturen beurteilen und von manchen sagen sie, dass sie minderwertig sind, behaupten aber gleichzeitig nicht zu werten. Klitzekleiner widerspruch ;)

Selber gehören sie natürlich keiner kultur an, denn ansonsten könnten sie ja andere kulturen nicht bewerten. Größenwahn?

www.stattnetz.de
00

Warum sollte ich den Standpunkt eines Gottes einnehmen? Da ich an keine Götter glaube, würde ich damit ja die eigene Existenz leugnen.
Wer, wenn nicht der jeweils individuelle Mensch beurteilt eine Kultur?
Die einen mögen die Kultur in der sie "beheimatet" sind, andere mögen diese Kultur nicht.
Nicht jeder Mensch hat die fatale Eigenschaft, sich an Vorhandenes anzupassen.
Es soll sogar mal jemand vom Baum geklettert und auf den Hinterbeinen zu Laufen begonnen haben!
Sogar mehr als einer.
Viele, die damit anfingen wurden von ihren "Kulturen" tot geschlagen, weil sowas gegen das Tabu war.
Manche Kulturen waren freier, da durfte auch jemand auf 2 Beinen am Leben bleiben...
Andere sitzen noch immer in den Bäumen, man nennt sie Affen.

bibliothekar
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Leider weichen sie aus. Schade.

Noch was: "man nennt sie Affen" ist leider auch falsch. Menschen sind affen.

www.stattnetz.de
00

Nö, Logikchip funzt.
Kulturen werden ja stets individuell beurteilt.
Man kann ja durchaus auch entscheiden, welcher Kultur man angehören möchte. Welchen Gott man mag, oder keinen, welche Kleidung man mag etc.
Der prinzipiell freie Mensch urteilt also über das "Markt"-Angebot der Kulturen.
Und deshalb ist es sehr wohl sinnig, die Kulturen die auch andere respektieren, also als gleichwertig erachten selbst als gleichwertig und somit gleichberechtigt zu betrachten.
Die "Kulturen" hingegen, die andere Kulturen abwerten, sind selber aus individueller Sicht des rationalen Menschen minderwertig und rechtlos.
Der rationale Mensch wertet wohl "Freiheit" als "gutes Kulurangebot" und "Unfreiheit" als "kompletter Quatsch, will ich nicht".

bibliothekar
00

Meine antwort ist nach oben gerutscht ;)

Timagoras
 
43

halten Sie wirklich alle kulturen für absolut gleichwertig mit z.b. der kultur der toleranz, der aufklärung und der menschenrechte ?

auch diese
http://de.wikipedia.org/wiki/Burs... enschaften

diese
http://de.wikipedia.org/wiki/Hexe... verfolgung

diese
http://www.gedenkort.de/chronik.htm

diese
http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenopfer

oder diese
http://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei

???

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