Generalbundesanwalt: Erst ein Viertel der mehr als 5.000 Beweisstücke aufgearbeitet
Berlin - Die Ermittlungen gegen die Terrorzelle
"Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) sind nach den Worten des
deutschen Generalbundesanwalts Harald Range eine große
Herausforderung für seine Behörde. Derzeit müssten mehr als 5.000
Beweisstücke aufgearbeitet werden, sagte Range dem Südwestrundfunk.
"Hinzu kommen eine Unmenge von Daten und Handys, so dass wir trotz
der intensiven Arbeit der vergangenen Monate erst gut ein Viertel der
Beweisstücke ausgewertet haben", sagte Range im SWR-Interview der
Woche. Dies alles brauche Zeit, "da geht Sorgfalt vor Schnelligkeit".
Angesprochen auf die Arbeit des NSU-Untersuchungsausschusses sagte
Range, der Ausschuss und seine Behörde hätten "gemeinsam die Aufgabe,
den Sachverhalt aufzuklären". Dieser werde anschließend von den
Untersuchungsausschüssen politisch und organisatorisch bewertet,
seine Behörde nehme währenddessen die strafrechtliche Bewertung vor.
Letztere habe aber Priorität, solange sich Beschuldigte in Haft
befänden. "Trotzdem werde ich mit den U-Ausschüssen vertrauensvoll
zusammenarbeiten und ihnen alles geben, was ich im Augenblick
entbehren kann", sagte Range dem SWR.
Die jahrelang unentdeckt gebliebene Terrorzelle soll zwischen 2000
und 2007 neun Migranten und eine Polizistin in Deutschland ermordet
haben. Außerdem werden der Gruppe zwei Sprengstoffanschläge in Köln
2001 und 2004 mit insgesamt 23 Verletzten sowie eine Serie von
Banküberfällen zur Last gelegt. (APA)