Prüfen, was Strache wirklich sagt

Blog | 4. Februar 2012, 19:11
  • Artikelbild
    foto: apa/epa/fayer

    Statt an Heinz-Christian Strache und die FPÖ nicht anzustreifen und sie außen vor zu lassen, muss das, was diese Partei und ihr Chef vertreten, in den Fokus gestellt werden - um es gründlich und wiederholt auf Herz und Nieren zu untersuchen.

Lehren aus den WKR-Ball-"Sagern": Es gibt gute Gründe, die von vielen vorhergesagte Stärkung der FPÖ bei den nächsten Wahlen nicht einfach stillschweigend abzuwarten

Es ist nur eine Umfrage und nur eine Momentaufnahme, aber doch sehr interessant: Der FPÖ haben Parteichef Heinz-Christian Straches „Judenvergleiche" am WKR-Ball in der Gunst der (potenziellen) WählerInnen geschadet, ihm selber als Politiker auch - und zwar beträchtlich - besagt eine Befragung des renommierten Gallup-Instituts für die Zeitung „Österreich". Demnach ist die FPÖ um vier Prozent abgerutscht, nur elf Prozent wünschen sich Strache derzeit als Kanzler und 67 (!) Prozent fordern seinen Rücktritt als Parteichef.

Das weist darauf hin, dass die FPÖ und Strache für eine vielleicht wahlentscheidende Zahl ÖsterreicherInnen an Attraktivität verlieren, wenn sie reden „wie ihnen der Schnabel gewachsen ist" (um den Linguisten Andreas Musolff im Standard-Interview zu zitieren). Die Erkenntnis, dass sich Freiheitliche und ihnen nahestehende Burschenschafter als „Opfer" sehen - und zwar just in der Rolle von Juden, die von etlichen ihrer politischen Vorfahren im Dritten Lager fanatisch gehasst wurden - stößt viele Menschen ab. Das in inneren FPÖ-Kreisen offenbar vorherrschende politische Selbstverständnis ist - zum Glück - nicht mehrheitsfähig. Weil es von weit Rechtsaußen stammt.

Nun befindet sich Österreich, was Wahlen angeht, derzeit in einer Latenzphase. Erst 2013 wird wieder zu den Urnen geschritten, doch sehr viele Menschen glauben jetzt schon zu wissen, wozu das führen wird: Sie meinen, dass die FPÖ massiv zulegen und der ÖVP eine solide Machtbasis verschaffen wird: Der ÖVP, die sich, wie sich in den vergangenen Tagen herausstellte, selbst von „Judenvergleichen" nicht davon abschrecken lässt, in Strache einen möglichen Koalitionspartner zu sehen; im Grunde eine politische Bankrotterklärung.

Noch schärferer Wind

Doch was würde es bedeuten, wenn die Freiheitlichen in ihrer derzeitigen inneren Verfassung (mit) an die Regierung kämen? Es könnte politisch ein noch schärferer Wind als unter schwarzblau Nummer eins zwischen 2000 und 2007 wehen, denn über die „Judenvergleiche" hinaus existieren aus den letzten Jahren etliche Hinweise auf beträchtlichen Einfluss von Rechtsaußen auf die FPÖ.
Welchen Unterstützer- oder Wählerkreisen etwa wollte Strache Genüge tun, als er gegen die Forderung, Wehrmachtsdeserteure generell als NS-Justizopfer zu rehabilitieren, die Rechtsaußenposition Sigfried Kampls übernahm? Dieser war aus dem BZÖ ausgeschlossen und nach parlamentarischem Mehrheitsbeschluss am Vorsitz im Bundesrat gehindert worden, nachdem er gemeint hatte, Wehrmachtsdeserteure seien oftmals „Mörder" an Kameraden gewesen.

Was für Folgen würde es haben, wenn an bestimmenden Positionen Menschen sitzen oder auf diese Einfluss haben, die Demonstrationen, also die Inanspruchnahme des Rechts auf Versammlungsfreiheit, mit der „Reichskristallnacht" gleichsetzen - sofern gegen sie selbst oder ihre politischen Ziele protestiert wird. Die sich von „linken Hetzern" verfolgt sehen und daraus vielleicht - siehe Musolff-Interview - ein Recht auf „Selbstverteidigung" ableiten? 

Nicht einfach abwarten

Wer sich als DemokratIn und den Grund- und Menschenrechten verpflichtet sieht, wird viele gute Gründe finden, die Antwort auf diese Fragen nicht einfach abwarten zu wollen - sich also nicht in das scheinbar Unvermeidliche einer massiven FPÖ-Stärkung oder -Regierungsbeteiligung im Jahr 2013 zu schicken. Genau das jedoch - abwarten und Strache inhaltlich schonen - hat die vergangenen Jahre geprägt; die FPÖ, wie sie nach außen auftritt, konnte sich als Alternative für Protestwähler profilieren. 

Dem entgegengesetzt sollte aus der nach den „Reichskristallnacht-„ und „Judenvergleichen" eingetretene Ernüchterung potenzieller FPÖ-Wähler eine Lehre gezogen werden. Statt an Heinz-Christian Strache und die FPÖ nicht anzustreifen und sie außen vor zu lassen, muss das, was diese Partei und ihr Chef vertreten, in den Fokus gestellt werden - um es gründlich und wiederholt auf Herz und Nieren zu untersuchen. (Irene Brickner, derStandard.at, 4.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 338
1 2 3 4 5 6 7 8
Liam.com
12
11.2.2012, 12:25
H.C.Strache katapultiert sich selbst ins OFF SIDE mit-egal wie im Detail gelagert-solchen Aussagen.

Dies ändert aber auch an der Tatsache nichts dass die Art der Gegendemonstration geprägt war von autonomer Gewalt gegen Personen welche den Ball besuchen wollten und gegen Güter ebenfalls.Hier sollte vor allem Augenmaß bestehen.Um ehrlich zu sein stört mich die verbale Entgleisung von Strache weniger als die tiefen Kratzer in meinem Range Rover( von Besuchern der Gegendemo). Hier am Rande bemerkt: Vielen Dank an die Beamten welche zur Stelle waren und die beiden Täter ermittelten und mir zur Seite standen!

Ignaz gartengschirrl
00
Der ÖVP, die sich,

wie sich in den vergangenen Tagen herausstellte, selbst von „Judenvergleichen" nicht davon abschrecken lässt, in Strache einen möglichen Koalitionspartner zu sehen;......

was bleibt ihnen denn anderes übrig?? wählen tut die in wien kaum noch wer und alle anderen parteien wollen auch nicht mehr mit der övp koalieren, während es der FPÖ sowieso egal ist mit wem sie sich zusammentun müssen um zu regieren.

um den herrn strache wird man nach der nächsten wahl nicht herumkommen er hat aber auch die beste position.
er braucht einfach nur gar nichts zu tun und nur auf die fehlentscheidungen der anderen hinzuweisen derer es ja massenhaft gibt.

PS: schwarz blau hatten wir ja schon mal und es hat alles andere als funktioniert.

Gilgamesh
31

Ich verstehe diesen Beitrag nicht...

Jeder Mensch, der eine Schule positiv abgeschlossen hat, sollte eigentlich wissen, in welchem Lager die FPÖ steht.

Jedoch muss ich ihnen einmal recht geben, ja sie haben BEKANNTE Fakten gesammelt und unter ihrem Namen wiedergegeben.

Gratulation werte Frau Brickner, zu ihrem ersten journalistisch tauglichen Beitrag, auch wenn er nur abgekupfert ist...

Ach ja, da ich jede radikale Form (Links-, Rechtsextremismus, Fundamentalismus) ablehne, wann werden sie uns die von ihnen zusammengetragenen Verfehlungen der Linksextremisten präsentieren?

Steve Anorizz
01

Kluger Appell - sich jetzt über die FPÖ zu informieren und anschließend zu beschweren, bringt mehr, als ihnen den Weg freizulassen. Ist doch egal, ob der Strache einen dann indirekt als Linkslinken Verhetzer bezeichnet, tut's einfach. Denn eine Regierung mit HC Strache an der Spitze wäre unhaltbar.

Ich hab meinen Teil dazu schon getan und hier begründet, warum:
http://steveanorizz.wordpress.com/2012/02/0... fahig-ist/

Walter Prichel
110
Richtig! Prüfen was die FPÖ erzählt. Nach ihrer Darstellung gab es am 27. Bürgerkrieg. Schauergeschichten von verprügelten behinderten Ballbesucherinnen und Märchen von aus den Taxi gezerrten Ballbesucher. Laut FPÖ hätte es auch Tote geben können.

Was ist Fakt?

Ein von Neonazis mit einem Schlagring zusammengeschlagenen Ex-Bundesrat der SPÖ: http://www.stopptdierechten.at/2012/02/0... liebenden/

Ein Junggewerkschaftler der bedroht wird: http://derstandard.at/132650407... rkschafter

Journalisten die angegriffen wurden:
www.youtube.com/watch?v=x4JYqoV9rv4
http://regionaut.meinbezirk.at/hainfeld/... 31511.html

Eine Fotografin die attackiert wurde: http://www.stopptdierechten.at/2012/02/0... schafters/
http://www.youtube.com/watch?v=yUV5R7CUIx8

Auf keines der Foto, dass die FPÖ veröffentlich hat, kann man Gewalt gegen BesuucherInnen erkennen. FPÖ lügt!

curieux
80
Abgesehen von Ihrem schlechten Deutsch haben Sie auch in der Sache Unrecht.

Mit solchen Postings spielen Sie nur den Effen in die Hände.
Ihre Links zeigen und beweisen genau so wenig wie die von F geposteten "Beweise".

Wenn Sie anstreben, die F zu schwächen, dann erreichen Sie das genaue Gegenteil. Mit dieser Art von Diskussion bestärken Sie nur den typischen Wähler von Bumsti und Konsorten. Im besten Fall bleibt es unwirksam, weil nicht gelesen.

Xulu Hulu
13

Akzeptieren Sie die Fakten und Contenance bewahren macht sich auch gut. Verdrehungen nicht. Da wird Sie keiner ernst nehmen.

curieux
80
Müssen Sie Prichel verteidigen?

Das könnte er selber. Soooo schlecht ist sein Deutsch auch wieder nicht.

Walter Prichel
16

Witzlos.

Rosa Grün
 
83
es nervt

ich finde diese diskussion - böse, böse FPler da, gutbürger dort - wird zu emotional geführt. ich weigere mich, irgendwelchen rhetorischen rülpsern eine bedeutung beizumessen, genauso wenig kann ich die besserwisserische aufgeregtheit auf der anderen seite nachvollziehen. es interessiert mich einfach nicht und ich lasse mich nicht provozieren/reinziehen.

diese regierung wird an ihren taten bei den kommenden wahlen gemessen werden, dann ist nämlich zahltag.

Der Waehlerwille
 
01
11.2.2012, 23:49
Wie erklär ichs Ihnen ..

Menschen wie Sie .. sind schlussendlich schuld daran wenn rechtsradikale an die Macht kommen .. weils euch einfach "wurscht" ist.

Nur im Kontext mit euch Ignoranten und wurschtigen .. sind die extremen Ränder gefährlich.

Rosa Grün
 
00
12.2.2012, 18:07

es ist mir nicht wurscht und ich weise ihre behauptung zurück. 1. ist die spö (aus vielen anderen gründen) selbst schuld, wenn die leute scharenweise zu strache rennen, 2. diese art der publicity bringt nix außer 1.

die abgehobenheit der spö, die sich darin äußert, alle die zur fpö flüchten, als vollkoffer hinzustellen, ist in meinen augen erbärmlich. die sozial-technokraten und was sie sonst noch aufführen sind mir egal. allerdings sollte die spö sehr wohl vor ihrer haustüre kehren und basisarbeit leisten anstatt sich in der macht zu sonnen.

Rosa Grün
 
50
und

für alle gutbürger, die es nicht überissen haben: nein, ich bin keine FP- bzw. BZlerin. die welt ist nicht schwarz/weiß.

Xulu Hulu
03
Beruhigend, wenn Menschen wie Sie offenkundige Verdrehungen, Bedrohungen und Aushebeln des Rechtsstaates uninteressant finden

Dann tippe ich eher auf OVPwaehlerin, die die nächste Koalition schönreden will, um kein christlich-soziales Bauchweh zu erleiden.

Rosa Grün
 
40

wieder verfehlte annahme, so kann man irren.

wozu soll ich mich aufregen, ist ja nix neues, das kommende sparpaket und dessen hoffentlich soziale ausgewogenheit interessiert mich mehr und wird auch einen entscheidenden einfluss auf den wahlausgang haben.

und um eins draufzusetzen: ich finde strache nicht wesentlich unattraktiver als faymann oder spindelegger, sie sind alle innerhalb der parteischienen gefangen.

Xulu Hulu
02

Hübsch zur Schau getragene Verharmlosung von Extremismus. Wohl bekomm's!

Rosa Grün
 
00

gute/r mann/frau, wir leben in österreich, eine entnazifizierung hat doch kaum stattgefunden, angefangen bei der SPÖ nach dem krieg.

ich mache mir nix vor, jeder sollte vor seiner türe kehren.

Der Waehlerwille
 
00
11.2.2012, 23:50
Die SP hat bereits gekehrt .. wie schauts bei euch F-lern aus?

Xulu Hulu
00

Sie verharmlosen recht direkt nur eine Seite, das sagt genügend aus. Wohl bekomms II.

Rosa Grün
 
00

"Macht und Freiheit, Recht und Sitte,
Klarer Geist und scharfer Hieb,
Zügeln dann aus starker Mitte
Jeder Selbstsucht wilden Trieb,
Und es mag am deutschen Wesen
Einmal noch die Welt genesen."

wohl bekomm's III.

Xulu Hulu
00

Und was genau soll das jetzt?

emil sacklinger7
85
Bin ein Nazi, ohne es zu wissen

In die Diskussion um den WKR-Ball will ich mich nicht einmischen.
Aber viel mehr beunruhigt mich das Interview Wolf-Strache in ZiB2 (auch auf youtube) wo Wolf Strache vorwirft, daß er den Begriff "Reichskristallnacht" verwendet hat. Wie Strache das gemeint hat, weiß ich nicht, aber auch ich habe das so im Geschichtsunterreicht gelernt und für uns war dieser Begriff mit grauenhaften Ereignissen verbunden. Daß man das Wort nun nicht mehr ausprechen darf, habe ich nicht gewußt.

Wer trifft die Entscheidungen, was momentan politisch korrekt ist ?

Orwell hat in 1984 ein Ministerium für Neusprache beschrieben, das ein wichtiges Instrument zur ständig aufs Neue zu disziplinierende Volk war.

Just N. Opinion
 
01
11.2.2012, 18:59
Man darf es ja aussprechen.

Man muss nur wissen, wie man sich damit selbst etikettiert.

Sie dürfen ja auch, beispielsweise, im Steirereck sitzen und lautstark ordinär herumpöbeln. Nur wundern Sie sich dann nicht, wenn Sie von allen Anwesenden und denen, die von Ihrem Benehmen hören, als gesellschaftlich unakzeptabel abgestempelt werden.

Strache lügt, wenn er sagt, er wisse nicht, welche Assoziationen er mit der Verwendung bestimmter Begriffe auslöst. Er weiß es, und darum tut er es. Es sei denn, er wäre vollkommen vertr0ttelt.

Jedenfalls gibt es niemanden, der Ihnen oder den FPÖlern verbietet, so zu reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Zu behaupten, es gäbe so jemanden, ist Teil der blauen Propaganda.

Walter Prichel
05

Früher wurde dieser Begriff gedankenlos übernommen und vielleicht auch in der Schule gelehrt.

Es gibt nur einen Unterschied zwischen ihnen und Strache: Strache ist Chef der größten Oppositionspartei und will Bundeskanzler werden.

Seine Behauptung beim Wolf, dass er das auch so während Gedenkfeiern im Parlament hört, kann nur als Uninn bewertet werden. Ja, vielleicht in den Büros des FP-Klub.

Als zukünftiger Möchtegern-Bundeskanzler, sollte er die Beduetung voin solcher Begriffe kennen.
Wenn sie das einmal so gehört haben und sich nciht weiter damit beschäftigt haben, ist das ihre Sache - beim Strache ist das etwas anderes.

Ignaz gartengschirrl
00

wir haben familienintern diskutiert und es hat sich herausgestellt das familienmitglieder die erst letztes jahr maturiert haben ebenfalls noch "Reichskristallnacht" gelehrt wurde.

auch mir war neu das man das heute nicht mehr sagt.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 338
1 2 3 4 5 6 7 8

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.