Russland räumt Probleme bei Gasexport in die EU ein

4. Februar 2012, 18:51
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Konzern habe in vergangenen Tagen etwa zehn Prozent weniger Gas in Export gepumpt als vertraglich vereinbart

Russland hat nach Klagen von europäischen Energieversorgern erstmals Probleme bei Gaslieferungen an den Westen eingeräumt. Vorrangige Aufgabe des staatlichen Energieriesen Gazprom sei es, den wegen der Extremkälte gestiegenen Bedarf in Russland zu befriedigen. Das sagte Regierungschef Wladimir Putin am Samstag bei einem Treffen mit der Konzernspitze. Zugleich müsse Gazprom maximale Anstrengungen unternehmen, den Bedarf der europäischen Partner sicherzustellen, betonte er.

Die EU hatte zuvor von Lieferkürzungen bei russischem Gas bis zu 30 Prozent bei einzelnen Energieunternehmen berichtet. Die Energiegroßmacht Russland gilt als wichtigster Gaslieferant für Europa. Die stellvertretenden Gazprom-Chefs Alexander Medwedew und Andrej Kruglow sagten bei dem Treffen mit Putin, dass der Westen deutlich mehr Gas von Russland anfordere, als das Unternehmen derzeit liefern könne.

Kruglow räumte dabei nach Angaben von Interfax ein, dass der Konzern in den vergangenen Tagen etwa zehn Prozent weniger Gas in den Export gepumpt habe als vertraglich mit den Kunden vereinbart. Die Liefermengen seien allerdings inzwischen wieder auf dem Vertragsniveau. Über Tage hatte Gazprom Angaben von Kunden über geringere Lieferungen zurückgewiesen.

Medwedew hatte die Ukraine beschuldigt

Medwedew hatte zuletzt indirekt der Ukraine, dem wichtigsten Transitland für russische Gaslieferungen in die EU, die Schuld an dem Engpass gegeben. Die verarmte Ex-Sowjetrepublik wird von Russland immer wieder verdächtigt, Gas illegal für den Eigenbedarf abzuzapfen. Beide Länder streiten über Preise und Verträge für Gaslieferungen.

In Russland selbst stieg der Verbrauch nach Angaben von Analysten wegen der hartnäckigen sibirischen Extremkälte auf den Rekordwert von zwei Milliarden Kubikmetern Gas am Tag. Das sei so viel wie etwa EU-Mitglied Bulgarien in einem ganzen Jahr verbrauche, hieß es. Von den russischen Liefereinschränkungen waren unter anderem österreichische, deutsche und italienische Versorger betroffen.

Allerdings betonten die Energieunternehmen in den Ländern, dass die Speicher gefüllt seien und keine Notlage bestehe. Erst im vergangenen Herbst hatten Politik und Wirtschaft nach Inbetriebnahme des ersten Strangs der Ostseepipeline Nord Stream von mehr Energiesicherheit gesprochen.

Nach der Fertigstellung der zweiten Nord-Stream-Leitung sollen vom Herbst dieses Jahres an insgesamt 55 Milliarden Kubikmeter zusätzlich direkt von Russland nach Deutschland strömen. Damit können rund 26 Millionen Haushalte versorgt werden. Russland gilt mit 637 Milliarden Kubikmetern pro Jahr als größter Erdgas-Produzent und -Exporteur der Welt. Das Land will bei Bedarf seinen Gasexport in die EU von derzeit 125 Milliarden Kubikmeter bis 2020 auf 200 Milliarden erhöhen können. (APA)

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