UN-Sicherheitsrat

Moskau schiebt Schuld für russisches Veto auf westliche Staaten

5. Februar 2012, 10:20

US-Außenministerin Clinton und französischer Präsident Sarkozy kritisieren Veto-Entscheidung scharf - Syrische Zeitung: Zeit der westlichen Hegemonie vorbei

New York - Russland hat seine Drohung wahr gemacht und auch die jüngste Syrien-Resolution mit seinem Veto blockiert. Moskaus UN-Botschafter Witali Tschurkin stimmte am Samstag auf einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates in New York trotz einer großen Mehrheit gegen einen von Arabern und Europäern unterstützten Entwurf. Auch China legte ein Veto ein. Jede der fünf Vetomächte kann jede noch so starke Mehrheit überstimmen. 

Westen zu wenig für Konsens unternommen

Die Regierung in Moskau hat den Westen für das Veto Russlands und Chinas gegen eine UN-Resolution zum Konflikt in Syrien verantwortlich gemacht. Die Autoren des Resolutionsentwurfs hätten "bedauerlicherweise" keine zusätzlichen Anstrengungen unternommen, "um zu einem Konsens zu kommen", schrieb Vize-Außenminister Gennadi Gatilow am Sonntag im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter. "Das Ergebnis ist bekannt."

In China schrieb die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua, mit ihrem Veto hätten China und Russland weitere "Unruhen und Todesopfer" verhindern wollen. Stattdessen solle weiter an einer "friedlichen Lösung" der Krise in Syrien gearbeitet werden, hieß es am Sonntag in einem Kommentar. Russland und China seien der Meinung, dass einer politischen Lösung, "die dem syrischen Volk mehr Unruhen und Todesopfer ersparen würde", noch "mehr Zeit und Geduld" brauche.

Moskau verlangt nach Angaben seines Botschafters bei den Vereinten Nationen weiterhin, dass das Papier deutlich eine militärische Einmischung ausschließe. In der Einleitung der Resolution habe es eine Formulierung gegeben, die die Anwendung von Gewalt erlaube, sagte Moskaus UN-Botschafter Witali Tschurkin in einem am Sonntag im russischen Staatsfernsehen ausgestrahlten Interview.

Gescheiterte Resolution "Schande"

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat die Existenzberechtigung des UN-Sicherheitsrats in Zweifel gezogen. Nach dem Veto Russlands und Chinas gegen eine UN-Resolution zum Konflikt in Syrien sei er "sehr enttäuscht", sagte der Chef von Human Rights Watch, Kenneth Roth, am Sonntag auf der Münchner Sicherheitskonferenz. "Die Handlungen von China und Russland haben gestern den Sicherheitsrat irrelevant gemacht."

Roth sagte, es sei "wirklich eine Schande", dass es die internationale Staatengemeinschaft nicht geschafft habe, sich dem totalitären syrischen Präsidenten Bashar al-Assad in den Weg zu stellen. Langfristig gesehen sei dieses Veto nicht gut für den Sicherheitsrat.

Hämische Kommentare aus Damaskus

Mit Freude und Häme hat die syrische Führung das Scheitern der Syrien-Resolution im Weltsicherheitsrat zur Kenntnis genommen. Das Parteiorgan der regierenden Baath-Partei von Präsident Bashar al-Assad schrieb am Sonntag, das Veto von Russland und China sei ein "harter Schlag" für die westlichen "Verschwörer" und ihre arabischen Komplizen.

Das "Nein" der beiden Veto-Mächte zu dem Resolutionsentwurf habe verhindert, "dass eine Entscheidung getroffen wird, die für Syrien, für die Region und für die ganze Welt katastrophale Folgen gehabt hätte". Der Kommentator der "Baath"-Zeitung ätzte weiter: "So bleibt uns nur, den Verschwörern gegen Syrien unter den arabischen Herrschern - und ganz besonders den Königen, Prinzen und Öl-Scheichs - unser Beileid auszusprechen, die jetzt von großem Unheil befallen sind, da ihr Projekt gescheitert ist."

Die staatliche Zeitung "Al-Thawra" schrieb, das Scheitern der Syrien-Resolution am Samstag sei ein Beweis dafür, dass die Zeit der westlichen Hegemonie vorbei sei.

China und Russland tragen nun "schreckliche Verantwortung"

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat das Veto Russlands und Chinas gegen eine UNO-Resolution zum Konflikt in Syrien scharf verurteilt. "Die syrische Tragödie muss aufhören", sagte Sarkozy am Samstag laut einer Erklärung des Präsidentenbüros. Das Veto ermutige die syrische Führung, die Protestbewegung weiterhin niederschlagen zu lassen. Der französische Außenminister Alain Juppe erklärte am Abend, China und Russland trügen eine "schreckliche Verantwortung".

Sarkozy und Juppe kündigten an, Frankreich werde sich gemeinsam mit den europäischen und arabischen Partnern weiterhin darum bemühen, den Plan der Arabischen Liga hinsichtlich eines Endes der Krise in Syrien umzusetzen. Frankreich werde "die Bemühungen verdoppeln und neue Initiativen ergreifen, um die Syrer in ihrem gerechten Kampf für Freiheit und Demokratie zu unterstützen", sagte Juppe.

Clinton kritisiert Veto

US-Außenministerin Hillary Clinton hat das Veto Russlands und Chinas gegen die Syrien-Resolution im UN-Sicherheitsrat ebenfalls scharf kritisiert. "Es ist schwer vorstellbar, dass es nach dem bisher blutigsten Tag in Syrien immer noch jene gibt, die die internationale Gemeinschaft daran hindern wollen, diese Gewalt zu verurteilen"m, sagte sie am Samstag in München. "Ich möchte sie fragen: Was müssen wir denn noch wissen, um im UN-Sicherheitsrat entschlossen zu handeln?"

Clinton sagte, sie habe gleichen Tags in München am Rande der Sicherheitskonferenz ihren russischen Amtskollegen Sergej Lawrow vom Veto gegen die Syrien-Resolution abzubringen versucht: "Das war nicht möglich."

Clinton fürchtet eine Eskalation der Gewalt in Syrien, wenn Präsident Bashar al-Assad weiter an der Macht bleibt. "Ich weiß, was passieren wird: mehr Blutvergießen, zunehmender Widerstand jener, deren Familien getötet werden und eine größer Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs", sagte sie. 

Nobelpreisträgerin bittet syrische Botschafter auszuweisen

Die jemenitische Journalistin und Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman hat das Veto Chinas und Russland gegen eine Syrien-Resolution scharf verurteilt. Auf der Münchener Sicherheitskonferenz sagte Karman: "Diese beiden Länder unterstützen das kriminelle Regime von Bashar al-Assad." 

Karman rief die Weltgemeinschaft auf, Syrien politisch zu isolieren. "Ich bitte Sie, die syrischen Botschafter aus ihrem Land zu weisen und Ihre Botschafter zurückzuziehen", sagte sie.

Das Veto im Sicherheitsrat bedeute, dass China und Russland die moralische Verantwortung für die Massaker in Syrien trügen, sagte Karman. "Im Namen der tapferen arabischen Jugend verdamme ich dieses Regime. Der Krieg, den al-Assad führt, ist ein Krieg gegen die Menschlichkeit." Man könne nicht ruhen, wenn man sehe, wie in Syrien das Blut friedlicher Menschen vergossen werde. "Wir freuen uns auf den Sieg des syrischen Volkes."

Blutige Gefechte halten an

Währenddessen sind bei Kämpfen zwischen zur Opposition übergelaufenen Deserteuren und Angehörigen der syrischen Armee in der Nacht auf Sonntag mindestens neun Soldaten getötet worden. Nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei den Gefechten in der Region von Jebel al-Sawija in der Provinz Idleb an der Grenze zur Türkei 21 weitere Soldaten verletzt.

Heftige Kämpfe zwischen Soldaten und Deserteuren gab es demnach auch in Hara in der Nähe der Protesthochburg Daraa im Süden des Landes. Zu möglichen Opferzahlen wurde zunächst nichts bekannt. Heftiges Gewehrfeuer war in der Nacht zudem direkt an der türkischen Grenze zu hören, wie ein Bewohner des türkischen Dorfes Güvecci sagte. Demnach ging die syrische Armee im syrischen Dorf Ain al-Beida gegen Oppositionelle vor. (APA/Reuters)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 717
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Seine Durchlaucht
00
"Moskau schiebt Schuld für russisches Veto auf westliche Staaten"

Dort ist sie auch. Denn Jemand der es mit Diplomatie Ernst meint - und nicht bloß einen Kriegsvorwand aus dem Hut zaubern will - nimmt keine einseitigen Beschuldigungen vor sondern bleibt neutral

Diejenigen, welche jetzt die Schuld auf Moskau schieben haben VON ANFANG AN Partei ergriffen und sich auf eine Seite der zwei kämpfenden Gruppierungen gestellt, nämlich auf die Seite der "Rebellen" und "Islamistischen Kämpfer".

dietraeneallahs
00
An die (Über)heuchlerin Killary Klinton

eine kurze Liste der US-Vetos zw. 1972 - 2011

http://hinter-der-fichte.blogspot.com/

Standard Leser4
 
20
Nichts neues, wann schiebt Russland nicht die Schuld auf andere Staaten.....

Vor einigen Tagen haben wir es mit dem Gas wieder mal hautnah erlebt. 30 % weniger Gas, die Ukraine war schuld, Na klar doch!

tramtatam
00
es ist allerdings nur schwer zu glauben

dass bereits ein mal überführter Dieb nicht schuld ist

Standard Leser4
 
00
Gazprom ist ganz einfach unserioes.....

Meinen Sie etwa. "Der Dieb schreit: haltet den Dieb ?"
Die Ukraine wurde nie ueberfuehrt, im Gegenteil.
Aber Sie werden mir bestimmt schreiben was wann und wieviel die Ukraine gestohlen hat.

NANANANANANANANA BATMAN
10
werden eigentlich soldaten mit dem auftrag "töten" da hingeschickt

oder gibt es einen anderen grund für das "morden"?

norik
12

das ist kein "morden" sondern terroristen und religioese fanatiker daran zu hindern einen weiteren mittelalterlichen religioesen folterstaat einzufuehren wo frauen nach belieben missbraucht und ermordet werden

und die depperten amis und ihre lakaien unterstuetzen das weil sie profit machen wollen und weil sie gegen sozialistische, religionsfreie gerechtigkeit sind.

danke russland und china - noch haerter argumentieren und handeln gegen diese hypoktiten

nAK
11
Die "freie Welt" (= NATO und angeschlossene Sendeanstal(l)ten)

haben für den Überfall auf Irak auch keine UN-Resolution gebraucht.

Man sollte sich also nicht zu früh freuen. Das "Verteidigungsbündnis NATO" wird sich doch von so was nicht in seinen verbrecherischen Angriffskriegen abhalten lassen.

Uruk
210
Moskau hat das Bombardieren verhindert

das in Libyen 35.000 Menschen das Leben gekostet hat!

Dafür meinen Dank und Anerkennung!

Dani B.
00

du scheinst das ernst zu meinen. "russland und china verhindern weiteres leid. in syrien soweit alles ok. nur ein paar schreckliche islamisten, die stunk machen, wir warnen vor den islamisten, ausser im falle des iran, dort ist uns das wurscht, wir glauben ja eh an nix mehr als ans saufen."

trestigres
 
50
Naiv oder vorsaetzlich zynisch...

Moskau liefert einer Diktatur Waffen und Munition damit diese das eigene Volk toeten kann. Moskau hat Erfahrung darin mit Waffengewalt gegen eigene Leute vorzugehen. China genau so. Was seid ihr eigentlich fuer Menschen? Wo lebt ihr? Hier in Europa... Eure politischen Vorstellungen sind sektirerisch, das wisst ihr selbst. Ihr wuerdet also ebenso wie der Diktator in Syrien auf Menschen schiessen lassen. Und ihr wundert euch, dass ihr ausserhalb dieses virtuellen Raumes nur Ablenung erntet? Wie bescheuert...

mario zapperlotti
28
Russland soll der Nato-EU die Gas abdrehen!

so was dämpft nämlich die Bombardierunglust

U-Bahn Steuer
01

dann sollen die russen es halt wieder einmal mit einem binnenmarkt versuchen

hat ja beim ersten mal schon super geklappt!

tramtatam
45
was uns vor lauten Protesten gegen Position RU/CN in gleichgeschalteten Medien verschwiegen wird:

was genau hat eigentlich Russland und China in Resolution nicht gepasst?

es sind folgende Punkte, die von Russland gefordert wurden aber den Weg in Resolution nicht gefunden hatten und daher die Resolution abgelehnt war:

die Aufforderung an die Opposition, sich von den Extremisten zu distanzieren, die als Lösung des Problems Gewalt gewählt hatten

die Aufforderung an die Staaten, die solche (militante) Gruppen in Syrien unterstützen, auf diese mässigend zu wirken

Aufforderung an militante opposizionelle Gruppen in Syrien, von den Angriffen auf Behörden, staatliche Einrichtungen und Zivilbevölkerung abzusehen.

man sollte sich fragen, aus welchem Grund das in keiner Zeitung veröffentlicht / erläutert wird.

Enkis
22
Steht doch eh oben!!!!!

"Moskau verlangt nach Angaben seines Botschafters bei den Vereinten Nationen weiterhin, dass das Papier deutlich eine militärische Einmischung ausschließe."

In der Einleitung der Resolution habe es eine Formulierung gegeben, die die Anwendung von Gewalt erlaube, sagte Moskaus UN-Botschafter Witali Tschurkin in einem am Sonntag im russischen Staatsfernsehen ausgestrahlten Interview.

tramtatam
01

stellen Sie sich nur so oder können Sie wirklich nicht sinnerfassend lesen?

steht es genau so eben:

die Aufforderung an die Opposition, sich von den Extremisten zu distanzieren, die als Lösung des Problems Gewalt gewählt hatten

die Aufforderung an die Staaten, die solche (militante) Gruppen in Syrien unterstützen, auf diese mässigend zu wirken

Aufforderung an militante opposizionelle Gruppen in Syrien, von den Angriffen auf Behörden, staatliche Einrichtungen und Zivilbevölkerung abzusehen.

??

nein.

grumbleduke
 
00
Ihr Zitat deckt genau einen Punkt ab. Daneben gibt es aber anscheinend noch andere Punkte im russischen Resolutionsentwurf.

Und die STEHEN EBEN NICHT oben!!1!!eins!!elf!!

Babylon.
10
Er kann noch nicht so gut lesen ;-)

NONE
23

"Mit Freude und Häme hat die syrische Führung das Scheitern der Syrien-Resolution im Weltsicherheitsrat zur Kenntnis genommen."

Das ist pure Propaganda was die APA hier macht.

Die interpretieren Aussagen - auf einmal wird das Regime von Assad mit "Freude und Häme" in Verbindung gesetzt.

Marcus Maccabaeus
46
Die Globalistenbande hat sich schon so aufs Bombardieren gefreut und jetzt das!

Der Kluge
13

Die USA ist mit Saudi Arabien und anderen arabischen Diktatoren verbündet und gegen Assad.

Russland ist neben dem Iran die Schutzmacht von Assad.

Die nehmen ihre imperialen Interessen wahr und garantieren Sicherheit.

Europa hingegen wird nicht als verlässlicher Partner wahrgenommen, sondern als Huhn das sich wegen Demokratie/Menschenrechtsphrasen zu allen möglichen Wahnsinnigkeiten hinreißen lässt.

Beispiel: 2003 hat man sich mit dem Ex-Terrorist Gaddafi versöhnt. Italien zahlt Reparationen, arrangiert sich. Schon ein paar Jahre danach lässt man sich von human rights media dazu verleiten, Rebellen zu unterstützen, von denen man nicht wissen kann, ob ihnen Menschenrechte wirklich wichtig sind. USA/Russland würde das nie machen.

(Ver)Walter
00
Kommt mir das nur so vor oder

hört man zu diesem Thema gar nichts von der isr. Regierung?

Warum?

Molodez
513
Moskau braucht keine Schuld auf den Westen schieben,

denn dort ist sie bereits.

Auch Briefträger brauchen Liebe..
01

klar, alles eitel Wonne und Friedne vorher, besides und nachher

Oddo Wolf
618

Die Berichterstattung der von westl. Geheimdiensten kontrollierten Medien ist zum Kotzen. Danke Moskau und Peking.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 717
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.