Demonstranten fordern Hinrichtung der Junta-Generäle

Druck auf Militärrat wächst - Mindestens zwölf Tote bei Ausschreitungen

Kairo - Ein Jahr nach der Entmachtung von Präsident Hosni Mubarak wächst in Ägypten der Druck auf den regierenden Militärrat, die Macht abzugeben. Die Protestbewegung fordert angesichts der fortwährenden Gewalt, dass rasch ein ziviles Staatsoberhaupt gewählt wird. Am Samstag kam es in der Nähe des Innenministeriums in Kairo erneut zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Bei zweitägigen Krawallen in mehreren ägyptischen Städten sind nach amtlichen Angaben mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Der Militärrat unter Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi veröffentlichte in der Nacht auf Samstag eine Erklärung, in der er die Ägypter zur Einigkeit aufrief und die gegenwärtige Situation als "gefährlichste und wichtigste Phase in der ägyptischen Geschichte" bezeichnete.

Wie das Staatsfernsehen am Samstag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichtete, starben sieben Menschen bei Zusammenstößen in der Nähe des Innenministeriums. Fünf weitere seien in der Hafenstadt Suez ums Leben gekommen. Seit dem Donnerstagabend gibt es im Land massive Proteste gegen den herrschenden Militärrat. Die Zeitung "Al-Tahrir" titelte: "Das Land will einen Präsidenten." Vorgesehen ist eigentlich, dass zunächst eine neue Verfassung ausgearbeitet und dann im Juni ein neuer Präsident gewählt wird. Bis dahin will die Protestbewegung aber nicht warten. Auf dem Kairoer Tahrir-Platz versammelten sich am Samstag wieder Hunderte Demonstranten, viele forderten eine Reform der Polizeikräfte, andere aber auch gleich die Hinrichtung der Mitglieder des Militärrats.

Scharmützel

In der Kairoer Innenstadt kam es am Samstag wieder zu Scharmützeln mit der Polizei. Nach Angaben des Staatsfernsehens wurden mehrere Autos beschädigt, einige Geschäfte mit Brandbomben attackiert. Abgesehen von den Brennpunkten war das Zentrum der Millionenstadt weitgehend menschenleer. Viele Bewohner blieben aus Angst vor weiteren Gewaltausbrüchen zu Hause.

Die Proteste hatten begonnen, nachdem am Mittwoch bei einem Erstligaspiel in der Stadt Port Said 74 ums Leben gekommen waren. Fußballfans warfen der Polizei vor, nicht eingegriffen und weggeschaut zu haben. Zudem kamen Gerüchte auf, dass bezahlte Schlägerbanden des alten Regimes die Krawalle provoziert hätten.

"Al-Tahrir" warf den Sicherheitskreisen vor, zu "dem Massaker beigetragen" zu haben. "Al-Shorouq" prangerte "eine blutige Schlacht gegen die Revolution" an und beschuldigte die Militärführung, vorsätzlich Chaos erzeugen zu wollen. Das Innenministerium in Kairo lancierte unterdessen eine Kampagne unter dem Motto: "Die Polizei dient dem Volk". (APA)

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