Rechtsextremist und Autor Csurka gestorben

Nach Empörung Ernennung zum Budapester Theaterdirektor zurückgenommen

Budapest - Der ungarische Dichter und Politiker Istvan Csurka ist am Samstag im Alter von 77 Jahren gestorben, berichtete die amtliche Ungarische Nachrichtenagentur (MTI). Die Umstände seines Ablebens sind noch unbekannt. Csurka war Vorsitzender der außerparlamentarischen, rechtsextremen Wahrheits- und Lebenspartei (MIEP) und bekannt für seine rechtsextremen und antisemitischen Äußerungen. Nach politischen Misserfolgen, wie Niederlagen bei Parlamentswahlen, war Csurka von der politischen Bühne verschwunden.

Csurka kam jüngst wieder ins Gespräch, als Istvan Tarlos, der rechtskonservative Bürgermeister von Budapest, Csurka auf den Posten des Intendanten des "Uj Szinhaz" ("Neues Theater") setzte, was eine große Protestwelle im In-und Ausland zur Folge hatte. Csurka wollte mit dem neuen Theaterdirektor György Dörner, der oft für seine Neonazi-Ansichten kritisiert wurde, ein "nationales Theater" schaffen. Laut Medienberichten plante er die Umbenennung des "Neuen Theaters" in "Heimatfront-Theater". Csurkas Ernennung zum Intendanten wurde letztlich wegen dessen radikaler Äußerungen - in einer Art, die "nicht mit der europäischen politischen Kultur" zu vereinbaren ei, zurückgenommen, wie Tarlos erklärte. Dabei sei er nicht gegen die Aufführung der "erfolgreichen Dramen".

Am 2. Februar wurde bei einer Sitzung des Ensembles im "Neuen Theater" durch den neuen Direktor György Dörner, ein Csurka-Zögling, ein Grußschreiben des im Spital liegenden Csurka verlesen, berichten Medien.

Csurka gehörte von 1998 bis 2002 zu den Abgeordneten des ungarischen Parlaments; er lehnte den Beitritt Ungarns zur NATO und EU ab. Danach verpasste seine Partei stets den Einzug ins Parlament. Während MIEP politisch bedeutungslos wurde, präsentierte sich Csurka als größter Dramatiker Ungarns, als Direktor wollte er seine ansonsten wenig gespielten Stücke im "Neuen Theater" aufführen.

Laut Janos Szentmartoni, Präsident des Ungarischen Schriftstellerverbandes, müsse die Nachwelt das literarische Schaffen Istvan Csurkas vom Politiker "getrennt beurteilen". Sein Lebenswerk als Schriftsteller sei "bedeutend", obwohl Csurka in den letzten Jahren wenig geschrieben habe, erinnerte Szentmartoni. Mit Csurka habe sich "eine große Persönlichkeit der ungarischen Literatur aus den Reihen der Lebenden entfernt".

Außer der im Parlament vertretenen, rechtsradikalen Jobbik-Partei gibt es bisher keine Reaktionen auf den Tod Csurkas seitens der Parteien. Jobbik bezeichnete den Tod "eines der größten ungarischen Dramatiker als Riesenverlust für die ungarische Kultur".

Die in Europa viel kritisierten, umwälzenden Maßnahmen der rechtskonservativen Alleinregierung unter Premier Viktor Orban und seiner Fidesz-Partei wie Umfärbungen und Nationalismus haben die Kulturszene in Ungarn nicht ausgenommen. Die Kultur sei dabei "nur eine kleine Figur in einem großen Schachspiel", kommentierte das ein Theaterleiter gegenüber der APA Ende des Vorjahres. Der Regierung scheine es nicht einmal um die Ideologie zu gehen - sondern (fast) nur um Macht. (APA)

Bei Todesfällen ist das Forum geschlossen.

Share if you care