Gewerkschaft: NSN-Mitarbeiter sollen Widerstand leisten

4. Februar 2012, 11:00
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Laut Aufsichtsrätin auch Führungsprobleme bei Nokia Siemens Networks: Neuer Chef gesucht

Die Gewerkschaft IG Metall hat die von der Entlassung bedrohten Beschäftigten des Netzwerkausrüsters Nokia Siemens Networks (NSN) aufgerufen, für ihre Rechte zu kämpfen. "Wenn es uns gelingt, 2.000 bis 3.000 Mitarbeiter zu mobilisieren, bin ich auch bereit, Arbeitskampf für einen Sozialtarifvertrag zu machen", sagte der bayerische IG Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler am Freitag in München. Über die geplante Schließung der Münchner NSN-Zentrale mit 3.600 Mitarbeitern sei noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Finanzchef in der Pflicht

Die Gewerkschaft nahm dazu auch Siemens-Finanzchef Joe Kaeser in die Pflicht: Der Vorstand, der im Konzern für das Joint Venture mit den Finnen von Nokia zuständig ist, habe "Möglichkeiten, dass es nicht zu diesem angekündigten Kahlschlag kommt. Wir erwarten, dass er was tut", betonte Wechsler. "Es wird ein Stück um die Verantwortung gehen." Siemens hatte das einst wichtige Telekommunikationsgeschäft 2007 in ein Joint Venture mit Nokia ausgegliedert.

"Es geht um die Arbeitsplätze"

Mit den Protesten wolle die Gewerkschaft den Erhalt der Stellen durchsetzen und nicht in erster Linie höhere Abfindungen für die Betroffenen erstreiten. "Es geht schon noch um die Arbeitsplätze und die Frage, wo die Zentrale ist", sagte Wechsler. Gleichzeitig zielt er auch auf die Siemens-Konzernkasse. "Sie können sich nicht auch aus der finanziellen Verantwortung herausziehen", sagte Wechsler.

2.900 Stellen vor Streichung

NSN hatte am Dienstag angekündigt, in Deutschland 2.900 Stellen zu streichen und 30 von 35 Standorten zu schließen. München ist davon mit Abstand am härtesten getroffen. Aber auch Standorte in Augsburg, Nürnberg und vielen anderen Städten sollen geschlossen werden. Weltweit ist der Abbau von 17.000 Stellen geplant, ein Viertel der Belegschaft.

Neuer Chef gesucht

Das Unternehmen leidet seit Jahren unter einem harten Preiskampf und der scharfen Konkurrenz. Offenbar aber auch an handfesten Managementproblemen. Siemens-Finanzchef Kaeser suche bereits seit langem "händeringend" nach einem neuen Chef für NSN, sagte Sibylle Wankel, die für die IG Metall im Siemens-Aufsichtsrat sitzt. Derzeit führt Rajeev Suri das deutsch-finnische Joint Venture. Nokia und Siemens verpflichteten sich, nochmal je eine halbe Milliarde Euro in das Unternehmen zu pumpen.

Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser ist bei dem Münchner Technologiekonzern für die Beteiligung NSN zuständig. Er wollte zu den Angaben Wankels keine Stellung nehmen. Die finnische Nokia trat indes entgegen: "Das ist kompletter Unsinn", sagte ein Konzernsprecher.

Siemens hatte im vergangenen Jahr Ex-Infineon-Manager Marco Schröter als Finanzchef bei NSN installiert und den einstigen Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo an der Spitze des Aufsichtsrats durch den Dänen Jesper Ovesen ersetzt. Die geplante Stellenstreichung bei dem Gemeinschaftsunternehmen zwischen Siemens und Nokia kostet die Münchener gut eine halbe Milliarde Euro. Siemens zog sich mit dem Jobkahlschlag den Zorn der bayerischen Staatsregierung zu. (APA/dpa/Reuters)

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