Mozartwoche: Philharmonischer Wachzustand

3. Februar 2012, 21:30
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Die Wiener Philharmoniker mit Dirigent Fischer und Pianist Lupu

Salzburg - Seit Claus Guths Regiezyklus der Mozart-Opern denkt man in Salzburg bei Don Giovanni an Drogenwald. Die mit Opern-Zitaten gespickte Prager Symphonie war nun zu hören, doch ein Guth'scher Drogentrip im Unterholz ist es mit Iván Fischer nicht geworden. Aber schon nach den bedrohlichen Akkorden der Adagio-Einleitung sah man im dramaturgisch vielschichtigen Allegro immerhin die Giovanni-Figur durch den Schlosspark huschen.

Immer wieder wird Ernst aus dem Spiel: Im Adagio etwa wird das Hauptthema nach oft nur kurzem Aufblühen wieder gebrochen und abgetönt. Kontrapunktische Strenge fährt galanter Lieblichkeit immer wieder in die Parade. Dirigent Fischer hat dieses Wechselbad präzise herausgearbeitet. Und: Die Wiener Philharmoniker waren diesmal spürbar bereit mitzuspielen, haben mit Verve auf Fischers Anregungen reagiert.

Pianist Radu Lupu führte schließlich im Klavierkonzert B-Dur mit souveräner Ruhe den Dialog mit dem Orchester. Das introvertierte KV 595 ist ja kein "Virtuosenkonzert" - seine Tiefe kommt vielmehr im Verschmelzen von Klavier und Orchesterpart zur Wirkung: Radu Lupu und Fischer haben einen kammermusikalischen Zugang gefunden, dem es aber weder an markanten Wegmarken mangelte (etwa im 3. Satz), noch (etwa im Larghetto) an Augenblicken wehmutsvoller Sehnsucht. (klaba/ DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)

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