Die Wiener Philharmoniker mit Dirigent Fischer und Pianist Lupu
Salzburg - Seit Claus Guths Regiezyklus der Mozart-Opern denkt man in
Salzburg bei Don Giovanni an Drogenwald. Die mit Opern-Zitaten gespickte
Prager Symphonie war nun zu hören, doch ein Guth'scher Drogentrip im
Unterholz ist es mit Iván Fischer nicht geworden. Aber schon nach den
bedrohlichen Akkorden der Adagio-Einleitung sah man im dramaturgisch
vielschichtigen Allegro immerhin die Giovanni-Figur durch den
Schlosspark huschen.
Immer wieder wird Ernst aus dem Spiel: Im Adagio etwa wird das
Hauptthema nach oft nur kurzem Aufblühen wieder gebrochen und abgetönt.
Kontrapunktische Strenge fährt galanter Lieblichkeit immer wieder in die
Parade. Dirigent Fischer hat dieses Wechselbad präzise herausgearbeitet.
Und: Die Wiener Philharmoniker waren diesmal spürbar bereit
mitzuspielen, haben mit Verve auf Fischers Anregungen reagiert.
Pianist Radu Lupu führte schließlich im Klavierkonzert B-Dur mit
souveräner Ruhe den Dialog mit dem Orchester. Das introvertierte KV 595
ist ja kein "Virtuosenkonzert" - seine Tiefe kommt vielmehr im
Verschmelzen von Klavier und Orchesterpart zur Wirkung: Radu Lupu und
Fischer haben einen kammermusikalischen Zugang gefunden, dem es aber
weder an markanten Wegmarken mangelte (etwa im 3. Satz), noch (etwa im
Larghetto) an Augenblicken wehmutsvoller Sehnsucht. (klaba/ DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)