Von Abzockern und anderen Reißwölfen: Der bayerische Kabarettist Sigi Zimmerschied ist mit seinem neuen Programm auf Tour
Salzburg - Lang hat es gedauert, aber im November bekam der Niederbayer
Sigi Zimmerschied nach 36 Bühnenjahren den österreichischen
Kabarettpreis. In dieser Zeit handelte sich der Satiriker zahlreiche
Gerichtsverhandlungen (samt Freisprüchen) wie auch Anfeindungen von
humorlosen Gralshütern der politischen Überkorrektheit ein.
Am Samstag präsentiert Zimmerschied seine neueste Groteske - wie üblich
trifft schon der Titel ins Schwarze: Reißwolf ist das 14. Soloprogramm
des "anarchischen, bajuwarisch intellektuellen, bösartig komödiantischen
Bühnengewächses" (so die Würdigung anlässlich der Preisverleihung 2011),
in dem der 58-jährige Passauer den Fahrer einer Aktenvernichtungsfirma
namens Adalbert Stauber gibt. Gleich zu Beginn des Stücks wird dieser
erschossen - zumindest fast. Ein Mann, der quasi per Beruf eine Einsicht
hat. Weniger mit den Mitmenschen denn in deren Akten und Unterlagen.
Sein liebster Freund ist Schredder "Wolfi", wenn er auf dessen Hilfe
verzichtet, dann nur aus pädagogischer Notwendigkeit. Andere würden das
glatt Erpressung nennen!
Zimmerschmied war noch nie ein Vertreter des tagesaktuellen Kabaretts,
die Verkommenheit und Unverfrorenheit der Mächtigen kann der
"Scharfrichter" aber ebenso wenig ignorieren wie zeitgeistige Unsitten:
vom Bundespräsidenten über Josef Ackermann, TV-Blödserien bis
Politiker-Dissertationen - bei Letzteren lässt Stauber einfach ein
leeres Blatt Papier durch den Schredder laufen.
Vom "angewandten Humanismus, dem schönen, deutschen Beruf - Hebamme und
Bestatter, Verwalter und Henker zugleich", wie Stauber/Zimmerschied
seine überaus wertvolle Aktenvernichtungsarbeit charakterisiert, geht es
morgen beim MotzArt-Festival mit Urban Priol direkt in die Niederungen
des (deutschen) Politbetriebs (Titel: Wie im Film), und am Montag
analysiert Gunkl alias Günther Paal, der unbestrittene "Professor und
Experte für eh alles" im Programm Die großen Kränkungen der Menschheit
philosophische Problemzonen. (Gerhard Dorfi / DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)
4. 2., Salzburg, ARGEkultur, 0662/84 87 84, 20.00