Der
Edelmetallschimmer seiner Bilder lässt auch die Augen der
Tourismusplaner und Museumsdirektoren glänzen: Anlässlich des 150.
Geburtstages von Gustav Klimt öffnen Wiens Museen, jedes für sich
allein, ihre jeweiligen Klimt-Schatzkisten - mit Besucherpolitik hat
das angeblich nichts zu tun.
Das Belvedere markierte das Terrain bereits
im Herbst und zeigt den Pionier Klimt gemeinsam mit Josef Hoffmann. Ein
spezieller Blick auf den Malerfürsten, mit dem das 35 Tage junge
"Klimt-Jahr" bisher noch allein steht. Bis in den Juli folgen neun
weitere Klimt-Spezialitäten. Im Sommer kulminiert es zwar in sechs
parallelen Präsentationen, aber sind dem Besucher so viele Wege
zumutbar? Wo ist das Klimt-Ticket, das höhere Vergünstigungen bietet als
der kurzfristig erfundene Klimt-Pass: Der Sammelpass ist eher
Marketing-Gag - wer alle zehn voll hat, bekommt ein Geschenk.
Die
Museen argumentieren mit individuellen Zugängen und besonderen
Kollektionen: Qualität und Tiefe statt dünnen Überblicks. Hat sich das
Klimt-Jahr wirklich keine große Retrospektive statt eines zehnteiligen
Süppchens verdient? Gesammelte Synergien wie bei der
Festwochenausstellung 1985 Wien um 1900. Traum und Wirklichkeit? - Eine zentrale Klimt-Schau, um die sich anderes hätten gruppieren lassen, sie wurde nicht einmal angedacht. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)