Kopf des Tages: Hoch Dieter

Deutschrusse mit schlimmen Folgen

3. Februar 2012, 19:14
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    grafik: der standard

    Ein Mann ist schuld: Hoch Dieter sorgt derzeit für arktische Kälte.

Deutscher Humor wird in Österreich manchmal misstrauisch beäugt. Das, was die Baden-Württemberger Karnevalsgesellschaft Narhalla gemacht hat, ist jedenfalls definitiv nicht lustig. Die hat nämlich den Namen Dieter für das aktuelle Hochdruckgebiet ausgesucht - und Dieter sorgt derzeit für Eiseskälte.

Fairerweise muss man aber sagen, dass unser Nachbarstaat nicht die Hauptschuld an den Minusgraden trägt. Die muss man in Russland suchen, genauer, in Westrussland. Dort hat sich nämlich das hartnäckige Hoch festgesetzt, das nur die Produzenten von Thermosohlen und Kachelöfen freut.

Dass sich Dieter für Europa so gar nicht erwärmen kann, liegt vor allem an zwei Faktoren. Im Nordosten des Kontinents sind die Nächte länger, die Luft kühlt daher stark ab. Und es gibt dort viel Schnee. Der ist zwar weiß bis schmutzig-grau, für die Meteorologen ist er dennoch ein sogenannter Schwarzer Strahler. Das ohnehin nur in flachem Winkel auf die Nordhalbkugel fallende Sonnenlicht wird von der Schneedecke reflektiert, der Boden kann sich nicht erwärmen.

Eiskalte Berechnung

Für Bergbewohner spielt das - relativ gesehen - eine geringere Rolle. Denn die russische Kälte ist nicht sonderlich dick und scheut die Höhe: Kalte, trockene Luft bleibt aufgrund ihrer höheren Dichte auf dem Boden, die warme schichtet sich über sie. Das erklärt, warum es beispielsweise in Wien derzeit nicht merklich wärmer als im Hochgebirge ist. Für Menschen ist die Wetterlage jedenfalls potenziell lebensgefährlich - wie die Todesfälle in Osteuropa und Österreich zeigen.

Doch Erfrierungen können schon bei relativ kurzen Aufenthalten im Freien drohen. Denn der (Abfahrts-)Wind kann verheerende Folgen haben. "Windchill" nennt sich der Effekt, der dazu führt, dass sich die im Thermometer angezeigte Temperatur von minus 20 Grad bei einer Windgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde wie über minus 30 Grad anfühlt - was schon nach einer halben Stunde zu Erfrierungen führen kann.

So gesehen ist es eiskalte Berechnung, in den kommenden Tagen die Daunendecke nur zur Verrichtung von Grundbedürfnissen oder den Flug in die Karibik zurückzuschlagen. All jenen, die niemanden finden, den oder die man nach draußen zum Einkaufen schicken kann, sei an dieser Stelle ein wenig Trost gespendet. Dieter ist eigentlich noch harmlos. 1932 wurden bei Lunz am See nämlich minus 52,6 Grad gemessen. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)

Poldi Schrumpl
20

wird irgendwer schlau aus den texten von möseneder?

ddieter
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Erfrierungen drohen, Wind mit verheerenden Folgen - mein Gott, Hr. Möseneder, waren Sie noch nie draussen? Man könnte auch einfach Pullover und Handschuhe anziehen, dann geht auch eine wunderschöne Schitour in bestem Pulverschnee wie heute am Gamsfeld.

BuchbinderWanninger
 
04
Nur zur Information: Karneval gibt es nicht in Baden-Württemberg.........,

dort heißt es Fasnet (Fastnacht), ist alemannischen Ursprungs und hat mit dem Kölner Karneval soviel zu tun wie eine Eitrige mit einem Hamburger.

anders and
 
30

Wobei hier die Fasnacht eine wiedererfundene Tradition ist - die Ka(rnevals)Ge(sellschaft) Narhalla Philippsburg hat ihren Ursprung in der Nachahmung Kölner Gebräuche.

http://www.kage-narhalla.de/kage-narhalla.html

Zitronenbaum
00
17.2.2012, 12:06

... eigentlich begründet sich die "Fastnacht" oder "Walpurgisnacht", etc. auf einer keltischen Tradition, deren Namen mir gerade nicht einfallen will. Das ganze ist vor-christlichen Ursprungs. So wie All Hallow's Eve. (Oder heute: das Zuckerlfest Halloween)

BuchbinderWanninger
 
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Die Fasnacht ist keine wiedergefundene Tradition.....

in Baden-Württemberg, sehen Sie nur auf den "Narrensprung" in Rottweil. Allerdings war sie bisher katholischen Gebieten vorbehalten, wird jetzt zunehmend auch in protestantischen Gebieten kopiert (als Fasnet).
Der "Karneval" als "kölsche Kopie" ist gegenüber der Fasnet im Südweststaat bedeutungslos. Im Alemannenland gibt es keine "Funkenmariechen", sondern "Hexen"! Die KaGe Narhalla Phillipsburg ist traditionsmäßig mit Rheinland-Pfalz verbunden (Phillipsburg kam erst 1803 an Baden, liegt heute an der Grenze zu diesem Bundesland) und somit nicht für Baden-Württemberg repräsentativ.

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