Glänzende Preise für Gustav Klimt

3. Februar 2012, 19:31
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Restitutionen heizten die posthume Marktentwicklung Gustav Klimts an wie bei keinem anderen Künstler je zuvor. Seit 1998 setzten seine Werke Benchmarks, auch für zeitgenössische Künstler

Ende der 1970er-Jahre soll es in einem Antiquariat in der Wiener Innenstadt eine Schachtel gegeben haben, prall gefüllt mit Zeichnungen von Gustav Klimt. Eine Art Wühlkiste, wie man sie vom Schlussverkauf kennt. 9.000 Schilling waren je Blatt veranschlagt, der Absatz soll dennoch schleppend gewesen sein. Eine Anekdote, die man hierzulande nicht müde wird zu erzählen und die stets mit einem Seufzer endet. Ja, damals hätte man zugreifen sollen, denn der Wert solcher Arbeiten stieg seither gewaltig.

Auch international war das Preisgefüge ehemals deutlich niedriger. Jane Kallir, deren Großvater Otto Kallir 1938 vor den Nazis nach New York flüchtete, hat authentisches Zahlenmaterial parat, denn in der Galerie St. Etienne fand 1959 die allererste Klimt-Verkaufsausstellung in den USA statt. Noch 1957 hatte das Museum of Modern Art "nur" 4.000 Dollar für Der Park (1910) bezahlt. Bereits für das Doppelte konnte Kallir Schloss Kammer am Attersee (1909) zwei Jahre später verkaufen, jenes Bild übrigens, für das Christie's 1997 mit 23,49 Millionen Dollar einen Auktionsrekord notieren sollte. 1960 ließ das Carnegie Institute (Pittsburgh) wiederum 13.000 Dollar für den Obstgarten (1905) springen. Innerhalb von nur drei Jahren und lange vor den ersten musealen Großausstellungen (Guggenheim NY, 1965) hatte sich der Handelswert von Klimt-Landschaften quasi Verdreifacht.

"Mona Lisa" der Moderne

Die größte Zäsur der posthumen Preisentwicklung bescherte aber das seit 1998 wirksame Bundeskunstrückgabegesetz. Über Restitutionen rückte Museales als begehrte Handelsware nach. Der mit Abstand relevanteste Posten umfasste die seitens des Belvedere 2006 an die Erben nach Bloch-Bauer zurückerstatteten fünf Gemälde. Sie alle kamen auf den Markt, in einem strategisch perfekt getakteten Modus Operandi. Zuerst das Porträt Adele Bloch-Bauer I ("Goldene Adele"), vom Rechtsvertreter der Erben sukzessive zur Mona Lisa der Moderne ikonisiert. Fraglos ein Prestigeobjekt, dessen Kaufpreis Signalwirkung haben musste und einen würdigen neuen Besitzer dazu.

Den Richtwert hatte Sotheby's-Starauktionator Tobias Meyer vorgegeben, als er im Mai 2004 die Gebote für Pablo Picassos Garçon à la Pipe über die magische Grenze bis auf 104,16 Millionen Dollar dirigierte. 135 Millionen Dollar lautete dann der adäquate und im Juni 2006 offiziell verlautbarte Adele-Kaufpreis, den Ronald Lauder über Christie's finanzierte. Eine neue Benchmark für Meyer, die es im Zuge eines von ihm eingefädelten Private Sale von Jackson Pollocks No. 5 (1948) zu übertreffen galt. Bei 140 Millionen ging dieser Deal kein halbes Jahr später über die Bühne. So weit die Rolle Klimts beim bisher teuersten offiziellen Kunstkauf in der Geschichte des Kunstmarktes.

Dass das verbleibende Bloch-Bauer-Konvolut im November 2006 bei Christie's ein Mehrfaches der Erwartungen bringen würde, lag auf der Hand. 192,7 Millionen Dollar für vier Gemälde wurden es insgesamt. Die "bunte Adele", das andere Porträt der Industriellengattin, ist mit knapp 88 Millionen Dollar seither eisern an der Spitze der zehn höchsten weltweit in Auktionen erzielten Klimt-Zuschläge. Mit acht Platzierungen dominieren seit 2003 an Erbengemeinschaften restituierte Werke dieses Ranking, etwa auch das vom Museum der Moderne Salzburg vergangenes Jahr retournierte Gemälde Litzlberg am Attersee (40,4 Mio. Dollar).

Restitutionen waren und sind damit ein wichtiger Faktor in der Preisentwicklung Klimts, wie auch der direkte Vergleich mit Claude Monet dokumentiert. Die in diesem Liniendiagramm erkennbaren Schwankungen ergeben sich über die weltweit in Auktionssälen erzielten Umsätze; die jeweiligen Spitzenwerte stehen für Jahre, in denen viele Werke versteigert oder Höchstpreise bewilligt wurden. Gelangen jedoch keine Ölbilder auf den Markt, sondern nur weniger teure Zeichnungen oder Grafiken, sinkt der Umsatz und damit automatisch der Index - nicht aber der Wert eines Kunstwerks.

Gustav Klimt gilt international als mit Abstand teuerster Künstler österreichischer Provenienz. Wenn sich also am 8. Februar bei Sotheby's in London mehrere Interessenten um sein 1901 ausgeführtes und auf knapp zehn Millionen Euro geschätztes Seeufer mit Birken ins Bietgefecht stürzen, dann liegt das an der Wertschätzung für die Qualität seiner Kunst. Der bevorstehende Ausstellungsreigen anlässlich des Jubiläumsjahres liefert dem Kunstmarkt und potenziellen neuen Rekorden allenfalls die Begleitmusik.  (Olga Kronsteiner  / DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)

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    Rekordkünstler Gustav Klimt: Landschaftsbilder wie "Kirche in Cassone"stehen (noch) im Schatten ...

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    ... der 135 Millionen Dollar teuren "goldenen Adele".

  • Anton Josef Trcka: Fotogravure von G. Klimt.
    foto: galerie joh. faber

    Anton Josef Trcka: Fotogravure von G. Klimt.

  • Artikelbild
    grafik: der standard
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