Auswege aus der Blockade ohne die FP-Option

Kolumne | Hans Rauscher, 3. Februar 2012, 19:09

Um wieder genügend Manövriermasse zu gewinnen, müssten die SPÖ, die ÖVP und auch die Grünen mehr an Breite gewinnen

Die ewige Grundkonstellation der österreichischen Politik: ohne die extreme Rechte - und die FPÖ ist extrem rechts - ist eine Mehrheitsbildung abseits von Rot und Schwarz kaum möglich. Die Frage ist, ob es mittelfristig einen Ausweg aus der rot-schwarzen Blockade gibt, ohne dass einer der beiden die FPÖ-Karte ziehen muss.

Es wäre gut für das Land. Denn eine FP-Regierungsbeteiligung, ob mit rot oder schwarz, kann nur wieder in einem Fiasko enden. Es wäre auch gut für die beiden großen weltanschaulichen Gruppen, die Sozialdemokratie und die Christkonservativen, die einander inzwischen wirklich auf die Nerven gehen. Die Österreicher sind zwar mehrheitlich "sozialistische" Staatsgläubige, aber wenn man jetzt die notwendigen Opfer gut begründet, und wenn man eine Perspektive zeigen kann (ein Teil der Steuererhöhungen geht in Verbesserung der Wirtschaftsstruktur), dann würden sie, Pragmatiker, die sie auch sind, wohl mitmachen.

Aber was ist die mittelfristige Aussicht ohne die FPÖ-Option? Rot-Schwarz-Grün beim nächsten Mal, wenn Rot und schwarz keine Mehrheit mehr haben? Die ÖVP wäre noch mehr im Eck. Rot-Grün geht sich nicht aus. Rot-Grün-BZÖ, was manchmal überlegt wird, ist aus arithmetischen und weltanschaulichen Gründen sehr unwahrscheinlich. Bei manchen SPÖ-Strategen hält sich der (Irr-)Glaube, man könnte eine "ordentliche" FPÖ von der Strache-Burschenschafter-Partie abspalten.

Um wieder genügend Manövriermasse zu gewinnen, müssten sich die SPÖ, die ÖVP und auch die Grünen aus der Geiselhaft ihrer jetzigen weltanschaulichen Enge, bzw. ihrer Kernklientel befreien und mehr an Breite gewinnen.

Wenn eine Koalition entweder Rot-Grün oder Schwarz-Grün möglich sein soll, dann muss die SPÖ erstens enttäuschte Sympathisanten von den Nichtwählern und von Strache zurückholen. Das bedeutet nicht unbedingt einen Ruck nach rechts. Die Sozialdemokraten müssten nur zeigen, dass sie (vor allem in Wien) gewillt sind, die Probleme der Zuwanderung erstens öffentlich anzuerkennen und zweitens vernünftig, aber effektiv anzugehen. Zusätzlich müsste die SPÖ den völlig verlorenen Anschluss an die intellektuelle Welt wiederfinden.

Die ÖVP war nie wirklich liberal, aber sie hatte unabhängige Geister, die von einem modernen Christentum motiviert waren, wie etwa der kürzlich verstorbene, ehemalige ORF-Intendant Ernst Wolfram Marboe. Das fehlt ihr heute, allerdings noch mehr ein Konzept und entsprechende Persönlichkeiten für eine Wirtschaftspolitik der Vernunft. Dass sie heute als Partei der Konzerne und "Millionäre" vernadert werden kann, ist katastrophal. Aufstrebende angestellte und die ständig wachsende Zahl der neuen Selbstständigen fühlen sich von ihr nicht vertreten.

Die Grünen haben freiwillig auf die Hälfte ihres Potentials - das liberale, erfolgsorientierte Bürgertum - verzichtet und geben sich komplett retro-links. Ihre Besteuerungsideen sind ärger als die der SPÖ. Das wäre kein Nullsummenspiel. Wenn diese Parteien sich aus ihrer Enge lösen könnten (und das BZÖ die Reste von Haiders Buberlpartie abwerfen würde), dann wären Nicht-Wähler und sogar FPÖ-Protestwähler zurückzuholen. Die Alternative ist der weitere Aufstieg der FPÖ mit allen unerwünschten Nebenwirkungen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.2.2012)

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Posting 1 bis 25 von 185
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IhrseidverantwortlichfürdasbrauneDesaster!!!
00
15.5.2012, 07:53
Vielleicht ist schon jemand drauf gekommen

Alles Lüge und Humbug!
http://wundersam2.npage.fr/unsinn.html

frank franki
00

Die Alternative ist, dass man sich in Zukunft, wenn der Wähler weiterhin keine "klaren" & "stabilen" Verhältnisse wünscht, eben nicht mehr eine volle Legislaturperiode zu einer festen Parteikoalition zusammenschließt, sondern nur noch punktuelle Mehrheiten in Sachfragen sucht.

Loxoceles
22

A propos "Breite" der Parteien: Wo und in welcher Position arbeitet jetzt eigentlich Niko Pelinka?

papst benedikt
13

wäre er övpler, wäre er schon bei raiffeisen untergekommen.

Kriti Kaster
22
Vielleicht beim Konsum?

Oh, ich hab vergessen, den haben die Roten in die Pleite geführt.

papst benedikt
12

na klar. der konsum wurde ja nicht vom steuerzahler gerettet wie die övp banken :)

Kriti Kaster
20
Wurden die Zentralsparkassa

bzw die Länderbank bzw die CA nicht vom Steuerzahler gerettet? Oh pardon, ich hab vergessen, die gibts nicht mehr, die wurden von den Roten verschleudert.

papst benedikt
01

anstatt sie an raiffeisen zu verschenken. was die övp (die zentralanstalt für die umsetzung der wünsche der raiffeisenkrake) heute noch wurmt :)

Kriti Kaster
30
Lieber verschleudert als verschenkt?

Das glaubt dir nicht einmal der Niko. Unfähigkeit, sonst gar nichts, war das.

Arbeiter
02
Wo N.Pelinka jetzt arbeitet, weiß ich nicht, aber im FALTER stand,

wo er seinen Zivildienst leistete. Hoch anzurechnen ist ihm, dass er das beim Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands gemacht hat. Ich tät so gern wissen, was er konkret gemacht hat.

Loxoceles
00

Möglicherweise hat er dort - als Vorbildung gewissermaßen - "etwas mit Medien gemacht", das heißt, den ganzen Tag im Internet gesurft?

Arbeiter
00
Das Dokumentationsarchiv müsste Dokumentation haben, denke ich, zum Thema "was war seine Leistung?"

Helmut71
02
eines wird vergessen

es ist auch möglich, dass diese beiden total abgehobenen, korrumpierten, in Funktionärs- und Parteisoldatentum verharrten Erstarrungsparteien SPÖ und ÖVP sich spalten.

Genauer gesagt dass sich jene Teile abspalten, die ehrliche Politik für Österreichs Zukunft machen wollen.
Oder aber es bilden sich wie in Tschechien gleich mehrere neue interessante und wählbare Alternativen.

Wieso geht Herr Rauscher eigentlich davon aus, SPÖVP seien reformierbar??

Da hilft nur eines: abwählen.

Jülyet Ksantopulo
02

Ich finde dieses ganze Blablageritze schon so dermaßen grauslich, es ist nicht mehr auszuhalten.

Eine Koalition ohne die FPÖ wäre längst möglich gewesen, wenn die Grünen einerseits das BZÖ nicht immer ausgrenzten und die Grünen andererseits nicht bei jeder NR-Wahl auf das LIF hindröschen, und sich so gegenseitig ramponieren.

Es gab seit im Nationalrat seit Spaltung der FPÖ durchwegs eine mögliche rot-orange-grüne (wie auch schwarz-orange-grüne) Mehrheit. Wenn man aber nicht willens ist, eine solche zu nützen, dann ist man halt selber schuld. Der FPÖ ist's wurscht, sie bliebe sowieso in Opposition; daß es den Grünen auch wurscht ist, finde ich befremdend.

fuz
 
12
ÖVP-Vernaderung

Die ÖVP wird nicht vernadert, sie vernadert sich andauernd selbst. Seit Schüssel/Bartenstein glaubt ihr einfach niemand mehr das Attribut "Volks" im Parteinamen - es sei denn, man versteht darunter die Beamten. Ich kann mir einfach keinen Grund denken, warum jemand, der nicht Beamter, Unternehmer, Großbauer, Immobilienbesitzer etc. ist, heute noch ÖVP wählen sollte, weil: "Gehts der Wirtschaft gut, geht es den Leuten gut" heute nicht mehr gilt.

Christoph Steiner2
10

Gott sei Dank ist die österreichische Innenpolitik so unwichtig, dass es völlig egal ist, was bei der nächsten Wahl rauskommt. Wenn die altbekannten weiter wursteln können/müssen, ändert sich gar nix, bis uns Brüssell einmal ordentlich in den Arsch tritt. Kommt der unselige HC wird sich viel ändern und Brüssel wird uns viel schneller und fester in den Arsch treten. Ich vertrau auf Europa, dass es uns mit all unseren Politz-kapazundern nicht allein lässt.

Filippos B€zahlnixos
03
mt den augfällig getürkten "Österreich"-Umfragen

wird die SPÖ, die ÖVP und auch die Grünen sicher weiter mehr an Breite gewinnen ;-)

kberger
18
was soll diese "analyse" herr rauscher?

wenn sp, vp oder gruene es schaffen von mehr menschen gewaehlt zu werden, dann haben sie mehr waehler. und fuer solch eine tiefschuerfende analyse bekommen sie geld, herr rauscher?

Jake Gittes
23

Es ist zum verzweifeln. Man hatte gehofft mit Haider wäre der Spuk endlich beendet. Aber nein. Es kommt offenbar noch schlimmer.

Die Ursachen müssen also wohl tiefer liegen.

Der mit dem neoliberalen Zeitalter seit den 80iger Jahren einsetzende Rück- und Abbau des Sozialstaates, die Deregulierung der Kapital- und Warenströme auf der ganzen Welt und damit die Destabilisierung des Weltwirtschaftssystems, die Zerstörung des Weltwährungssystems von Bretton Woods, der Zusammenbruch des Kommunismus und damit die Ostöffnung der Grenzen, daraus folgend massive Migrationsströme und damit verbundene Probleme der Integration...

... all das und noch viel mehr hat einen Boden der Angst aufbereitet der politischen Gangstern nützt.

Marcus Maccabaeus
00
All das, was sie hier aufzählen wurde zuerst von politischen Gangstern insziniert!

Jake Gittes
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Teilweise ja, teilweise, wie der Zusammenbruch des Kommunismus, war einfach der Lauf der Geschichte.

TomTom33
03
hab schon vor 10 jahren gesagt

die leute wählen die fpö nicht wegen haider sondern wegen der "inhalte". deswegen würde auch ein rücktritt straches die fpö nur kurzfristig zurückwerfen. in spätestens 1 jahr wären sie wieder bei 25 prozent. egal wer dort an der spitze steht!

Jake Gittes
01

Ich würde es nochmal umformulieren: Es sind nicht die Inhalte, es ist die Fähigkeit Ängste zu kanalisieren und auf vermeintliche Außenfeinde zu lenken. Als Inhalt eignet sich dann halt alles was sich zum Feind eignet.

Diffuse Angst ist am schwersten auszuhalten. Wenn sie ein Objekt hat ist sie wenigstens fassbar.

Wo woar mei Leistung?
00
Die Zukunft Österreichs auf ewig in den Händen von zwei Klientelparteien?

Und diese zwei Parteien werden kaum das Mehrheitswahlrecht beschließen, weil sie ja dann ihr Klientel eventuell nicht mehr versorgen könnten.

Deswegen gehen wir den Weg des visionslosen, besitzstandswahrenden Klientelismus bis zum bitteren Niedergang dieses Landes konsequent weiter.

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