Oppositionelle stürmen syrische Botschaft in Berlin

3. Februar 2012, 19:59
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Assad-Bilder zerstört - Abzug nach 20 Minuten

Berlin - Rund zwei Dutzend Regimegegner haben am Freitag nach Angaben der Polizei und von Augenzeugen die syrische Botschaft in Berlin gestürmt. Sie drangen am Nachmittag durch einen Hintereingang in das Gebäude ein und zerstörten nach eigenen Angaben Bilder von Präsident Bashar al-Assad und dessen Vater Hafez al-Assad.

Aus zwei Fenstern im ersten Stock hängten sie eine Fahne des syrischen Widerstands und eine Fahne der syrischen Kurden. An das Hauptportal sprühten sie die Parole "Nieder mit Baschar". Auch die Front des Gebäudes wurde mit Parolen besprüht. Die Polizei griff einige der Sprayer auf und führte sie ab. Nach gut 20 Minuten verließen die Eindringlinge die Botschaft wieder und versammelten sich vor dem Zaun zu einer Demonstration.

Seit elf Monaten protestiert die syrische Bevölkerung gegen den mit harter Hand regierenden Präsidenten. Tausende Menschen wurden getötet. Am Freitag gingen unter anderem in der Oppositionshochburg Hama zahlreiche Einwohner gegen die Regierung auf die Straße. Anlass sei der Jahrestag eines Massakers gewesen, das Soldaten von Assads Vater Hafez 1982 an der Bevölkerung verübt hatten, berichteten Regierungsgegner.

Wie die deutsche Polizei mitteilte, brachen rund 20 Personen am Nachmittag die Eingangstür der syrischen Botschaft in Berlin auf und stürmten in das Gebäude. Dann seien Scheiben eingeschmissen und Möbel zerstört worden, sagte ein Sprecher. Die alarmierte Polizei konnte die Randalierer festnehmen.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes verurteilte den Vorfall "auf das Schärfste". Die deutsche Bundesregierung nehme ihre Verantwortung für die Sicherheit aller diplomatischen und konsularischen Vertretungen in Deutschland sehr ernst. "Übergriffe auf Botschaften und Konsulate müssen mit aller Konsequenz verfolgt werden", hieß es in einer Mitteilung.

Der Nahost-Beauftragte des Auswärtigen Amtes, Botschafter Boris Ruge, habe mit dem syrischen Botschafter telefoniert und sein Bedauern über den Vorgang zum Ausdruck gebracht. In Syrien geht das Regime von Präsident Bashar al-Assad seit Monaten mit Gewalt gegen Oppositionelle vor. Seit März sind dabei nach UN-Angaben 5600 Menschen ums Leben gekommen. (APA/Reuters)

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