"Orbán will seine Politik nicht ändern"

3. Februar 2012, 18:33

Oppositionsführer Mesterházy: Entwicklung wie bei EU-Sanktionen gegen Österreich möglich

Wien - Druck der EU auf die Regierung in Budapest kann sich nach Ansicht des ungarischen Oppositionsführers Attila Mesterházy ähnlich auswirken wie seinerzeit die Sanktionen gegen Österreichs schwarz-blaue Koalition. "Das kann Orbán dabei helfen, sich als Verteidiger der Nation zu präsentieren, als Einziger, der die Ungarn schützt" , sagte der Chef der Sozialistischen Partei (MSZP) am Freitag bei einem Auftritt in Wien auf die entsprechende Frage des Standard. Orbán könne dabei auf das Medienimperium seiner Fidesz-Partei zurückgreifen.

Es stimme aber nicht, dass Ungarn von außen angegriffen werde, meinte Mesterházy unter Hinweis auf die von der EU-Kommission eingeleiteten Vertragsverletzungsverfahren (Unabhängigkeit der Nationalbank, Justizwesen, Datenschutz). Als EU-Mitglied müsse sich das Land an den Rechtsbestand der Union halten. Er erwarte aber, dass diese Verfahren ganz gleich ablaufen, als wenn es sich um solche gegen Deutschland, Österreich, Frankreich oder Slowenien handelte.

Was die Zusammenarbeit mit der EU betrifft, wirft Mesterházy Orbán doppeltes Spiel vor. In Brüssel gebe er sich kooperationsbereit, in Budapest aber spreche er ganz anders und behaupte, die EU betrachte Ungarn als Kolonie.

Bei dem angestrebten Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds und der Teilnahme am EU-Fiskalpakt hat Orbán die Unterstützung der Sozialisten. Ungarns wirkliches nationales Interesse sei es, mit der EU zu kooperieren, denn dann könne man die Entscheidungen auch beeinflussen. Dagegen drohe Orbáns Kurs Ungarn in die Isolation zu treiben: "Man kann nicht in allen Bereichen Krieg führen." Umfragen zufolge habe Orbán heute die Mehrheit (53 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang 2010) bereits verloren: Mehr als 50 Prozent hielten seine Politik für schädlich, mehr als 80 Prozent glaubten, das Land gehe in die falsche Richtung.

Mesterházy sprach in Wien auf Einladung der Diplomatischen Akademie und des Renner-Instituts. Gefragt wurde er auch, welche Lehren seine Partei aus ihrem Wahldebakel ziehe. Eine der Antworten: "Man darf die Wähler nicht belügen. Dann wird man von ihnen bestraft." Auch wenn das Land in großen Schwierigkeiten stecke, sei es besser, die Wahrheit zu sagen. Taktik könne für eine kurze Zeit helfen, langfristig aber sei sie kontraproduktiv. (Josef Kirchengast /DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2012)

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Posting 1 bis 25 von 45
1 2
Don Quixote1
01

Ich habe schon vieles über Orbán und seinen Politik gelesen, Jetzt möchte ich endlich lesen was er dazu sagt. Dringend ein Interview!

omar chamra
01
Für Orbán & Co sind Liberale oder Linksliberale der

Teufel, die sie mit ihrem heuchlerischen frömmelnden klerikalen Weihwasser nicht vertreiben können.
Natürlich wäre es gut, wenn der Standard - z.B. Hr
Kirchengast ein Interview mit V. Orbán führen könnte.
Doch der Standard hat in Ungarn das Etikett "linksliberal" und da besteht wenig Chance dafür.
Orbán liess sich vom kürzlich verstorbenen antisemitischen Politiker István Csurka unterstützen und seine ganze katastrophale Wirtschafts- und Sozialpolitik läuft darauf hinaus der nationalsozialistischen Jobbik "den Wind aus den Segeln" zu nehmen.
In Wien ist Spindelegger bereit nach den Wahlen als Vizekanzler von HC Strache einzuspringen und das ungarische Modell einzuführen. FPÖ und ÖVP begeistern sich deswegen für Orbán.

Don Quixote1
25
Einmal mehr über Orbán ...

"seine ganze katastrophale Wirtschafts- und Sozialpolitik ..." Man muss es nicht auf Orbán beschränken. Wie ich jetzt erfuhr, am Anfang der 8 Jährigen MSZP Regierungsperiode lag der Verschuldung bei 53% des BIPs, am Schluss waren es 80%. Katastrophal genug?
Interview: Schon wieder wird vom 3. erklärt warum es nicht möglich ist. Kann sein. Kann aber auch sein, dass in dieser emotionalen Phase, wo alles nur erdenkliche als Orbáns Schuld dargestellt wird, also ein Bild entsteht das ihm sehr unvorteilhaft ist, um das Bild nicht zu zerstören kein Interview gewollt ist. Dass hier im Chor geschimpft wird steht außer Frage. Wer der Chorleiter ist? Ich vermute ihn in MSZP Kreise, also machtpolitisch motiviert und ohne Rücksicht auf Verluste.

Veritas
15
Ungarische Sozialisten kann man nicht mit die Österreichische vergleichen, "dass soll ein für alle mal jeden mal jeden klar sein!"

Das ist eine Tatsache man muss nur vergleichen Österreichische Sozialisten haben Wohnungen gebaut die AK oder die Gewerkschaft und, und, und alles für den Arbeiter gemacht und die ungarischen Sozialisten haben in der gleichen zeit nur Volks feindliche korrupte Sachen (Malev, BKV, Máv, Gurcsány) getrieben das ist eigentlich Trivial. Darüber zu diskutieren ist Nonsens!!!
Ich hoffe nur das sich die Sozialisten endlich besinnen.
Zu geben was sie verschissen haben, und sich davon und die Verursacher distanzieren und nicht Ungarn feindliche Sachen treiben sondern mit konkrete Sachen, Vorschläge daher kommen und als eine gesunde Opposition agieren.Den das was sie heute treiben ist unqualifizierbar.

globetrottel
00

Komisch - keine Antwort.

Warum wohl ?

globetrottel
21

Worüber genau reden Sie, wenn Sie "Volks feindliche korrupte Sachen (Malev, BKV, Máv, Gurcsány)" erwähnen ?

omar chamra
71
Die MSZP machte große Fehler, einige ihrer Politiker waren korrupt

aber im Verhältnis zur Fidesz-Politiker waren die MSZP-Politiker Heilige.
Jetzt kommt immer wieder die blöde Argumentation von der "Nestbeschmutzung". Fidesz hat während der Gyurcsányregierung diese im Ausland angeklagt, eine Diktatur einzuführen. Jetzt sind sie über jede Kritik an ihrer katastrophalen Politik im In- und Ausland empört.

Sandor Kocsis
00

bisschen schwanger gibt´s nicht: ich kann nicht froh darüber sein, dass der eine weniger als der andere gestohlen und geraubt hat

Bagolyvár
13
Einige ihrer Politiker waren korrupt

und sonst noch was. Die nicht vollständige Liste der abgeschlossenen und laufenden Fälle:
http://www.facebook.com/notes/pol... 9580373693

globetrottel
31

Wie bereits einmal an anderer Stelle erwähnt : Solche Listen sind kindisch. Sie enthalten recht gewöhnliche Kriminelle. Und solche gibt es zuhauf, mit allen möglichen Parteibüchern ausgestattet.

Bagolyvár
11
Wenn aber, wie hier oben behauptet:

"im Verhältnis zur Fidesz-Politiker waren die MSZP-Politiker Heilige", so wird es Ihnen sicher möglich sein eine x-mal so lange Liste ins Netz zu stellen. Sie operieren doch gerne mit Tatsachen.
Natürlich sind es gewöhnliche Kriminelle, sonst stünden sie nicht vor Gericht. Das Problem ist, dass solche zuhauf in der SzDSz/MSzP Dunstkreis gab. Das war die Grundlage für Ungarns derzeit triste Finanzlage.

globetrottel
10

Ich gehe nicht konform mit omar's Aussage, wonach ""im Verhältnis zur Fidesz-Politiker waren die MSZP-Politiker Heilige"". Die Aussage stimmt m.E. weder in dieser Richtung noch in der entgegengesetzten, d.h. bei Fidesz-Mitgliedern und -politikern gibt es genau so viel Kriminalität und Korruption wie bei der MSZP und früher SZDSZ.
Das ist mehr als unerfreulich, und sowohl auf der rechten wie auf der linken Seite zu verfolgen. Die Grundlage für Ungarns dzt. triste Finanzlage sind die Korruptionsfälle aber nicht - auch wenn sie empörend sind und es tw. um recht hohe Werte geht, die da "versickert" sind und versickern : Das reicht nicht für Staatspleiten. Für selbige braucht es andere Summen.

Bagolyvár
10
Das ist schön was Sie da behaupten,

aber ich wäre auch mit einer gleichlangen Liste zufrieden gewesen, als Beleg für ihre Behaptung.
Tatsachen eben.

get smart
12

Liste kurz zusammengefasst:

262 FIDESZ Abgeordnete.

Vorwurf: Diebstahl von 3000.000.000,- Forint, um 20%-ige Steuersenkung durchführen zu können und damit das eigene Einkommen beträchtlich zu erhöhen. Am besten dürften dadurch aber ihre milliardenschweren Auftraggeber abschneiden.

Bagolyvár
01
Wenn Sie es beweisen können,

dann machen Sie gleich eine Anzeige. So ist es leider ein Humbug was Sie da schreiben. Was Sie da Treiben fällt unter "üble Nachrede" und ist als solche strafbar.

get smart
00

Strafbar??? Ach so, ich vergaß - das neue Mediengesetz.

Bagolyvár
00
Schauen Sie sich halt die "alten" österreichische Gesetze an

§ 111 Absatz 1 StGB:

globetrottel
10

Leider ist es kein Humbug, leider ist es bereits seit langem bewiesen, ja es hat auch gar niemand versucht , das in Abrede zu stellen (also die Enteignung von 3000 Mrd. HUF aus den im privaten Pensionssystem angesparten Beträgen) . Dies betrifft das Posting von get smart bis zum Wort "können".

Der Rest ist Meinung, somit unterstellte Motivation und damit natürlich weder zwangsläufig wahr noch beweisbar.

Bagolyvár
00
Eben auf diese unbewiesene Behauptung,

kommt es an, denn "damit das e i g e n e Einkommen beträchtlich zu erhöhen" ist keine Meinung sondern eine Behauptung.
Da Sie Tatsachen gerne haben, das passende Zitat für Sie:
"Wer einen anderen in einer für einen Dritten wahrnehmbaren Weise einer verächtlichen Eigenschaft oder Gesinnung zeiht oder eines unehrenhaften Verhaltens oder eines gegen die guten Sitten verstoßenden Verhaltens beschuldigt, das geeignet ist, ihn in der öffentlichen Meinung verächtlich zu machen oder herabzusetzen..."

get smart
00
10.2.2012, 00:17

Dass durch die Steuersenkung das eigene Einkommen erhöht wurde, ist keine Behauptung sondern eine Tatsache. Dass mit den Pensionsgeldern die Ausfälle bei den Steuereinnahmen kompensiert werden müssen, ist keine Behauptung sondern eine Tatsache.

Sie sollten sich lieber Gedanken darüber machen, was Sie immer wieder über Prof. Lendvai behaupten und nicht mit zweierlei Maß messen.

Halász János
01
Die Wahrheit über den "Pensionsraub"

Zur Beurteilung der Geschichte mit den privaten Pensionskassen wäre es wichtig zu wissen, dass hier um die gesetzliche Pensionsversicherung geht. Diese kleine aber zum Verstehen der Ereignisse unerlässliche Einzelheit wird gerne verschwiegen. Vor einigen Jahren wurde die gesetzliche Pensionsversicherung zum Teil privatisiert. Ein Teil der Pflichtversicherung konnte in Privatkassen eingezahlt werden. Es geht nicht um Zusatzversicherung oder der privaten Pensionsversicherung von denen die von der Pflichtversicherung befreit sind. Es geht um die Pflichtversicherung von Angestellten und Arbeitern. Durch die Maßnahmen der Orbán-Regierung ist die Pflichtversicherung wieder komplett in öffentlicher Hand, wie in Österreich und in Deutschland.

globetrottel
11
Pensionsraub 2

Nun bleibt es einem Staat natürlich unbenommen, ein System wieder zu ändern. Niemand spricht Orbán das Recht ab, wieder alle Beiträge ins staatliche System zu leiten. Ein zivilisierter Rechtsstaat macht sowas mit einer Übergangszeit, in der die Teile, die ins private System gehen , kontinuierlich sinken bis auf Null (siehe Polen). Danach ist das angesparte Privatgeld in eine klassische Zusatz-PV überführbar. Nicht so Orbán - er enteignet und zwangsverstaatlicht RÜCKWIRKEND schlichte 11 Mrd EUR, indem er ohne Übergangszeit die Einzahlungen ins Privatsystem auf Null stellt und NICHT die Möglichkeit der Überführung des Spargeldes in eine "absolut" private Pensionskasse gibt.
Und das ist schlicht und ergreifend Diebstahl.

Halász János
12
Pensionsraub

Nicht nur die Beiträge wurden ins staatliche System übernommen, auch die zukünftigen Pensionsverpflichtungen kommen dorthin. Ob es gut gemacht ist oder nicht, lässt sich darüber streiten. Trotzdem: Wer in Zusammenhang mit den privaten Pensionskassen von Enteignung spricht, ohne zu erwähnen dass es um die gesetzliche Pflichtversicherung geht (passiert fast immer, wenn über das Thema berichtet wird), der versucht zu täuschen. Für Leser in Österreich oder Deutschland haben private Kassen mit der gesetzlichen Pensionsversicherung nichts zu tun, sie denken sofort an die private Versicherungen in ihrem Sinne, deren Verstaatlichung wirklich eine riesige Sauerei wäre. Mit diesem Missverständnispotenzial wird kräftig Stimmung gemacht.

globetrottel
21

Lieber Herr Halász, wir haben in diesem Forum die ganze Frage schon bis zum Erbrechen diskutiert - Sie können also davon ausgehen, dass die Foristen hier sehr genau wissen, worum es dabei geht.
Somit geht Ihr Täuschungsvorwurf ins Leere.

Eiskalte Enteignung bleibt es in jedem Fall - eine der vielen RÜCKWIRKENDEN Aktionen von Fidesz.

Halász János
01
10.2.2012, 21:07

Lieber Globetrotter,
Enteignungen (die naturgemäß rückwirkend sind) sind auch in einem demokratischen Rechtstaat mit freier Marktwirtschaft möglich und werden auch praktiziert. Wenn eine Straße gebaut wird, wird enteignet, auch die eine oder andere Bank wurde in den letzten Jahren in West-Europa enteignet, u.s.w.
Der ungarischen Regierung wurde schlicht und einfach Diebstahl vorgeworfen, Sie haben diesen Vorwurf verteidigt. Ich habe – ähnlich wie andere Leser auch – diese Vorwürfe hier in den Kommentaren zum Artikel "Orbán will seine Politik nicht ändern" gelesen, deshalb habe ich hier meine Meinung dazu geschrieben. Ich gehe davon aus, dass die Kommentare zu den Artikeln nicht nur von den „Foristen“ gelesen werden.

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