FPÖ sucht Streit mit der "Kasperlpost"

3. Februar 2012, 18:34
56 Postings

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky reitet wilde Attacken gegen den Standard - Sein Chef Heinz-Christian Strache meidet dagegen die Öffentlichkeit

Wien - Üblicherweise geht die FPÖ Konfrontationen nicht aus dem Weg. Die für Freitag angekündigte Pressekonferenz ließ Heinz-Christian Strache dann aber doch sein. Am Donnerstagabend wurde die Pressekonferenz des FPÖ-Chefs wieder abgesagt: "Aus Termingründen", wie es in der Aussendung hieß. Am Freitag lieferte der Pressesprecher der Partei dann doch eine andere Erklärung: Eine "schwere Verkühlung" Straches sei Grund für die Absage.

Die Konfrontation suchte dann FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky. In einer Aussendung bezeichnete er den STANDARD als "Rosa Prawda" und als "geifernde rosa Kasperlpost". Vilimsky fährt mit schweren Geschützen auf: Er spricht von "Stasi-Methoden" und einer "Hetzkampagne". Der innenpolitische Teil der Zeitung verkomme zum "billigen Links-Boulevard-Journalismus ohne realen Hintergrund". Was den FPÖ-General so aus dem Häuschen bringt, ist die Berichterstattung des STANDARD über den WKR-Ball am vergangenen Freitag und die dort getätigten Aussagen des FPÖ-Chefs, der gemeint hat "Wir sind die neuen Juden" und die Proteste gegen die Veranstaltung mit der sogenannten "Reichskristallnacht", dem Novemberpogrom von 1938, verglichen hat.

Die Aussagen werden von der FPÖ gar nicht bestritten. Aber sie seien "aus dem Zusammenhang gerissen", wie Strache wortreich zu erklären versuchte. In der jeweiligen Darstellung der Situation verstrickte sich Strache mehrfach in Widersprüche. Ganz wichtig erscheint Vilimsky der Umstand, dass Verfassungsschutzbeamte am Ball anwesend waren: Ob "in Begleitung", "zur Überwachung" oder "im Umfeld" - das seien lediglich "semantische Varianten derselben Realität", merkt er zu den immer neuen FPÖ-Darstellungen an.

Auch auf der Facebook-Seite von Strache ging es hoch her. Auf die Schilderung des FPÖ-Chefs über die "antidemokratischen Ausschreitungen" beim Korporationsball postete ein "Vedran Garic": "Die Linken, die man zu fassen bekommt, auf einen Transporter und ab zum Verhör". Ein "Gerrit Pointner" ergänzt: "Wie lange wollen wir uns noch von den Juden und ihren Bütteln und ihren linken Helfershelfern demütigen lassen?? Die Rezepte, wie mit diesem Pack zu verfahren ist, hätten wir ja ..." Eine Person, die sich "Barbara J." nennt, macht aus ihrer Gesinnung kein Hehl: "Sieg Heil Strache dem Führer". Ein Teil dieser Eintragungen wurde am Freitag von Straches Facebook-Seite wieder gelöscht. Screenshots davon sind aber vorhanden.

Von führenden ÖVP-Politikern gab es zwar eine Verurteilung von Straches Juden-Vergleich, nicht aber eine Absage an eine schwarz-blaue Koalitionsoption. Die SPÖ bemüht sich in dieser Situation um mögliche enttäuschte FPÖ-Wähler. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter lädt sie ein, den Freiheitlichen aufgrund des "rechtsradikalen Kurses" und der "mutmaßlichen Korruptionsverwicklungen" Straches den Rücken zu kehren und stattdessen seine Partei zu wählen.

"Die SPÖ bittet auch ehemalige SPÖ-Wähler, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten zur FPÖ abgewandert sind, zu ihrer Partei zurückzukehren", sagte Kräuter zur APA. "Die überwiegende Anzahl der FPÖ-Wähler protestiert mit ihrer Stimme bei Wahlen gegen gesellschaftspolitische Ungerechtigkeiten und Missstände in Politik und Verwaltung. Straches abstoßende Gesinnung mit seiner Verhöhnung der Opfer des Naziterrors wird dagegen mit Sicherheit von allen anständigen FPÖ-Wählern klar abgelehnt", glaubt Kräuter. (Michael Völker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.2.2012)

Share if you care.