Abgehoben und hilflos

Kommentar3. Februar 2012, 21:35
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Die Aussagen Mario Montis klingen wie eine Verhöhnung

Die Aussagen Mario Montis klingen wie eine Verhöhnung der mehr als zwei Millionen jungen Menschen ohne Erwerbsarbeit in Italien. Wer keine fixe Stelle hat, solle sich nicht ärgern, ein Arbeitsplatz fürs Leben sei ohnehin "monoton", teilte der Premier mit.

Der Satz ist Ausdruck der Hilflosigkeit der politischen Klasse. Besonders deutlich wurde das beim EU-Gipfel in Brüssel. 23 Millionen Menschen in Europa sind derzeit arbeitslos. Die Regierungschefs kündigten dennoch nicht viel mehr an, als Praktika und Fortbildungskurse verstärkt mit EU-Mitteln fördern zu wollen. Das ist nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein. Europa lässt also aus.

Auch auf nationaler Ebene ist nicht viel zu erwarten. Italien, Spanien und Griechenland, die Länder mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit, wurden angesichts des Drucks an den Finanzmärkten zu rigiden Sparplänen verdonnert. Arbeitsmarktpolitik ohne Geld ist nur sehr bedingt wirksam. Dass mehr Jobflexibilität ausreicht, um die Misere zu beenden, ist nicht viel mehr als liberales Dogma. Das zeigt sich an einem der Länder mit dem dehnbarsten Arbeitsrecht - Irland. Jeder Dritte unter 25 hat dort keinen Job.

Damit wird den Krisenländern nicht viel mehr übrigbleiben, als darauf zu achten, dass ihre Sparpläne den Jobmarkt nicht noch weiter demolieren. Europa wird mit seinem Heer an Arbeitslosen noch leben müssen, wenn sich die Lage an den Finanzmärkten längst beruhigt hat. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.2.2012)

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