Arbeitslosigkeit in Europa

Abgehoben und hilflos

Kommentar | András Szigetvari, 3. Februar 2012, 21:35

Die Aussagen Mario Montis klingen wie eine Verhöhnung

Die Aussagen Mario Montis klingen wie eine Verhöhnung der mehr als zwei Millionen jungen Menschen ohne Erwerbsarbeit in Italien. Wer keine fixe Stelle hat, solle sich nicht ärgern, ein Arbeitsplatz fürs Leben sei ohnehin "monoton", teilte der Premier mit.

Der Satz ist Ausdruck der Hilflosigkeit der politischen Klasse. Besonders deutlich wurde das beim EU-Gipfel in Brüssel. 23 Millionen Menschen in Europa sind derzeit arbeitslos. Die Regierungschefs kündigten dennoch nicht viel mehr an, als Praktika und Fortbildungskurse verstärkt mit EU-Mitteln fördern zu wollen. Das ist nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein. Europa lässt also aus.

Auch auf nationaler Ebene ist nicht viel zu erwarten. Italien, Spanien und Griechenland, die Länder mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit, wurden angesichts des Drucks an den Finanzmärkten zu rigiden Sparplänen verdonnert. Arbeitsmarktpolitik ohne Geld ist nur sehr bedingt wirksam. Dass mehr Jobflexibilität ausreicht, um die Misere zu beenden, ist nicht viel mehr als liberales Dogma. Das zeigt sich an einem der Länder mit dem dehnbarsten Arbeitsrecht - Irland. Jeder Dritte unter 25 hat dort keinen Job.

Damit wird den Krisenländern nicht viel mehr übrigbleiben, als darauf zu achten, dass ihre Sparpläne den Jobmarkt nicht noch weiter demolieren. Europa wird mit seinem Heer an Arbeitslosen noch leben müssen, wenn sich die Lage an den Finanzmärkten längst beruhigt hat. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.2.2012)

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Bioberni31
01
Arbeit wär genug für alle da wenn man erstmal Undinge wie Zeitarbeit, 1-€ Jobs, Zeitausgleich und Praktika abschaffen würde dann würde das schonmal eine kräftige Bewegung auf den Arbeitsmärkten geben.

Desweiteren: Anheben der Sozialhilfen auf 1000 € monatlich europaweit sowie massive Senkung der Lohnnebenkosten von Löhnen zwischen 1000 und 2000 €, die ausfallenden Beiträge holt man sich aus Vermögenssteuern sowie einer rigiden Besteuerung von Finanzgeschäften.

Die Politiker sind nicht hilflos weil es keine Maßnahmen gäbe. Sie wollen sich es nicht mit den Kapitaleliten verscherzen.

Interessant ist auch immer das Politker machtlos sind wenn "gute" Politik umzusetzen ist (Senkung der Armut ähnliches), wenn "böse" Politik umzusetzen ist (Kriege, Ausschaltung von Grundrechten) da hat die Poltik auch in westlichen Demokratien seltsamerweise überhaupt kein Problem damit.

Hari Ka
00
Die Jugendarbeitslosigkeit in Irland

ist aber der Jugend selbst geschuldet, ich sehe mir dazu nur die verfügbaren Jobs in Irland an, und sehe viele davon. Den Jugendlichen fehlen also nicht die Jobs sondern die Qualifikation für die Jobs.

Michael B
00
Ja, ja, Iren sind einfach zu deppert.

Auch in Österreich sind ja 360.000 Leute zu blöd, um sich auf die 30.000 (theoretisch) verfügbaren Arbeitsplätze aufzuteilen.
Und außerdem sind die Leute so unflexibel:
Vor 3 Monaten hat der unsägliche Fitzthum noch im Standard den enormen Mangel an IT-Fachkräften beklagt. Jetzt haben bestimmt viele auf IT umgelernt. Leider hat der Fitzthum dann letzte Woche den "IT-Boom" für beendet erklärt. Und die Leute schulen nicht sofort auf Fleischhacker, Orthopädieschuhmacher oder Kunstschlosser um. Diese Penner!

Hari Ka
00

30000 weniger wären also 10% Arbeitslose weniger, ist doch ein Anfang. Diese 10% müssen wieder nicht gestützt werden was den Steuerzahler entlastet. Für die anderen bestünde der Weg ins Ausland oder die Selbstständigkeit, das ist aber mühsam oder risikoreich.
Ein Teufelskreis!

Michael B
00
"Für die anderen bestünde der Weg ins Ausland"...

Im Ausland WARTEN sie ja auf UNSERE Arbeitslosen, die haben ja alle nicht genug.
Und WAS sollen die Leute als Selbständige machen, was nicht JETZT schon jemand anderer macht? Es GIBT keine Nachfrage nach Arbeitskräften. Weder nach selbständigen noch nach Unselbständigen. Mit einer Ausnahme: GRATIS würden sie jeden einstellen.

Und die 30.000 "freien" Arbeitspläte schlagen sich im Jahr 3x um. Sie sind also in Wahrheit nicht frei, sondern nur gerade so lang unbesetzt, wie halt eine Personalsuche dauert. Und außerdem wäre sogar die restlose Besetzung kein "Anfang". Sondern eigentlich das Ende. Denn was machen wir mit dem "Rest" von immerhin noch 330.000 ???

Hari Ka
00
300000

wie gesagt hier in Irland wird deutschsprachiger Support händeringend gesucht :P, zum ortsüblichen Preis, der mehr in der Tasche lässt als zB in Österreich. 1.5k netto pro Monat sind für einen ungelernten Arbeiter viel.
Natürlich wird es nie mehr genug unselbstständige Arbeit für jeden geben, es lohnt jedoch nicht den Kopf deswegen in den Sand zu stecken.

Michael B
00
Die Iren brauchen also für ihre Callcenter deutsche Studenten.

Wie neu.
Und das "händeringend".
Irgendwie passt das nicht zu den angebotenen 1500.-
Und dazu, dass in den letzten beiden Jahren viele dieser Studenten wieder aus Irland weggegangen sind (auch aus meiner Verwandtschaft).
Wir lösen also das Arbeitsplatzproblem, indem in jedem Land 200-300 Callcenter eröffnet werden, in denen dann fremdsprachige Studenten aus anderen Ländern arbeiten....

andreas wreiser
 
00
Die Deutsche Lösung war die Vorhandene Arbeit auf mehr Menschen aufzuteilen

Dadurch wurde bei gleicher Arbeitsmenge
die Arbeit auf mehr Menschen aufgeteilt.
Abbau der Vollzeitarbeitsplätze zugunsten von Teilzeit und Prekärbeschäftigung.
Somit ist in Deutschland die Arbeitslosigkeit gefallen aufkosten der Löhne.

Michael B
00
Nicht die ARBEIT wurde auf mehr Menschen aufgeteilt!

Denn das hieße z.B. eine 35 Stunden Woche für ALLE.
Sondern es wurde die BEZAHLUNG vieler Beschäftigter der ÖFFENTLICHEN HAND umgehängt.
Somit subventionieren die, die noch eine Arbeit haben, diejenigen, die ihnen diese Arbeit zu Dumpinglöhnen wegnehmen werden.

leser 4712
00
aufpassen

die elite - ohne job - wird "ihr" land verlassen und sich eine arbeit im ausland suchen. sind sie doch gut ausgebildet, mehrsprachig. übrig bleiben die "geringqualifizierten" (mit schlecht bezahlten jobs und wenig konsumierend, weil nicht mehr besitzend). hohe arbeitslosigkeit kommt jeden staat und jeden einzelnen von uns kurz oder lang teuer zu stehen.

Poldi Fesch
01
ist in IT

ein bekanntes Problem

docNukem
00
Das übliche Wein saufen und Wasser Predigen

mehr fällt dem System der Parlamentarischen Diktatur zu keinem Problem ein.

Aber lauwarme Tipps, dieser Unkündbaren überflüssigen, wie dem Herrn Monti, die haben diese Spruchblasenproduzenten immer und gern übrig.
Wie wäre es, die Politische Kaste, einmal nach Leistung zu Bezahlen?
Mal schauen, wie lang die mit dem Existenzminimum leben können, mehr sind die zur Zeit nicht Wert.

Poldi Fesch
00
Monti wurde sein

Leben lang nach Leistung bezahlt, jetzt gibt er den Deppen aud Freundlichkeit, er muesste nicht

Panzerverband
00
Hängt ihn höher!

Michael B
03
Vor über 20 Jahren wurde bei uns zum letzten Mal die Arbeitszeit an die ständige Produktivitätszunahme angepaßt.

DANN kam die "neoliberale" Welle. Die brachte recht seltsame Theorien, die nach dem Zusammenbruch des fixen Wechselkurssystems von amerikanischen Managern und Theoretikern entwickelt wurden, um an den dadurch ständig steigenden Aktienkursen (indiziert durch die reale Geldvermehrung) auch einmal partizipieren zu können. Die meisten sind schon wieder in der Versenkung verschwunden ("Shareholder Value"), andere wurden von Politikern (Reagan, Thatcher..) und Wissenschaftlern zu Naturgesetzen erklärt ("freier Kapitalverkehr", "freier Warenverkehr", "Deregulierung der Arbeitsmärkte"), die allein das Heil bringen könnten.
Erst sehr langsam kommt man drauf, daß diese immerwährenden Naturgesetze vielleicht gar keine sind.Das wird aber noch dauern.

h 90
00

Freier Verkehr von Waren, Geld und Arbeit funktioniert nur wenn sonst Chancengleicheit herrscht, angefangen bei der Bildung aufhoerend beim Patentrecht.
Wurde es einfach nur umgedreht, vor Einschraenkung durch Politik auf Einschraenkung durch die Leute die Geld haben.

Poldi Fesch
00
Freiheit ist ja

auch ganz was Bloedes

Canosso
02
Wenn es so monoton ist, warum ist er dann Senator auf

Lebenszeit? Genauso wie Giulio Andreotti, Italien würde sich viel ersparen, wenn es mal bei den Politikern kürzen würde und nicht zuerst bei den einfachen Leuten.

Poldi Fesch
00
das ist er ja

auch erst Ende 60 geworden

Clemo
31

Sehr toll, wie der Autor die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Irland mit dem derugulierten Arbeitsmarkt begründet.

Wow, die Kausalkette mit der man einst begründete, dass die Welt flach sei, war dagegen ausgereifter.

Es gibt viele Gründe, warum es in Irland derzeit schlecht geht. Und genau darin liegt die Kunst, in der komplexen Wirklichkeit dennoch vernünftige und begründbare Handlungsalternativen zu finden. Und ein regulierter bze derugulierter Arbeitsmarkt ist hier ein Feld, mehr nicht.

juuni
03
das schreibt er doch gar nicht

er bezweifelt nur eine andere Kausalität. Und das zurecht, weil ein Arbeitnehmer kann noch so billig und flexibel sein, wenn er keinen Gewinn erwirtschaften kann, wird er nicht angestellt werden.
Say's flaw, würd ich sagen.

Sarah L.
 
00

"Obwohl" und "weil" dürften offenbar nicht dasselbe bedeuten. Ich sehe jedenfalls nicht, dass "der Autor die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Irland mit dem derugulierten Arbeitsmarkt begründet."

Erwin Wolfram
00
uebersetzung

das ist ungefaehr so wie wenn man einen moerder als unbeholfen beschreibt, es ist zulaessig wird aber dem charakter der gewalt nicht gerecht und nur polizisten stossen sich so gesund und tv redakteure, die die polizisten benoetigen, damit das publikum nicht sie und ihre sendungen abschafft, vor laetigkeit und dummheit.

Erwin Wolfram
00
...

s fehlt oder?

-_-
81
Wer keine fixe Stelle hat, solle sich nicht ärgern, ein Arbeitsplatz fürs Leben sei ohnehin "monoton"

Was bitte ist daran falsch?

Einen Job in einer Firma das ganze Leben lang gibt es eh so gut wie nicht mehr.
Seit Beginn meiner Berufslaufbahn (seit 1990) habe ich bei unterschiedlichen Firmen in verschiedenen Berufen gearbeitet.
Für mich waren das interessante Erfahrungen, im negativen, als auch im positiven.

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