Mehr als nur der Clown aus "Am Dam Des"

Marietta Türk, 13. Februar 2012, 18:37
  • Mit seiner Enrico-Handpuppe tritt der Künstler nach wie vor auf.
    foto: derstandard.at/marietta türk

    Mit seiner Enrico-Handpuppe tritt der Künstler nach wie vor auf.

  • Ein Foto von einst: "Ich gehe, aber ich komme wieder." Das war das Motto von Clown Enrico.
    foto: apa/heinz zuber

    Ein Foto von einst: "Ich gehe, aber ich komme wieder." Das war das Motto von Clown Enrico.

  • Quelle: www.youtube.com

    "Am Dam Des" Folge mit Sabine Petzl.

  • Heinz Zuber hatte mehrere Enrico-Kostüme, das Originalkostüm ist im Theatermuseum in Wien zu sehen. In seinem Wohnzimmer hat er eine Enrico-Vitrine installiert.
    vergrößern 600x802
    foto: derstandard.at/marietta türk

    Heinz Zuber hatte mehrere Enrico-Kostüme, das Originalkostüm ist im Theatermuseum in Wien zu sehen. In seinem Wohnzimmer hat er eine Enrico-Vitrine installiert.

  • Am 27. Februar ist Heinz Zuber in "Melodie der Kindheit - oder man wird ja nur außen alt" an der Neuen Tribüne Wien zu sehen.
    vergrößern 600x501
    foto: derstandard.at/marietta türk

    Am 27. Februar ist Heinz Zuber in "Melodie der Kindheit - oder man wird ja nur außen alt" an der Neuen Tribüne Wien zu sehen.

Tausende "Am Dam Des"-Sendungen prägen den Enrico-Darsteller - Im Alter von 70 Jahren steht er noch immer in verschiedenen Rollen auf der Bühne

"Soll ich sagen? Ich sage nicht." Fast drei Jahrzehnte lang fragte das Clown Enrico in "Am Dam Des". Sein Darsteller, der Schauspieler und Sänger Heinz Zuber, blickt unter anderem auf eine 36 Jahre lange Karriere am Wiener Burgtheater zurück. Als solcher ist er zwar schon in Pension. Doch Ruhe gibt er nicht.

Enrico lebt

Dass die meisten Menschen ihn als Enrico kennen und beim Vorbeigehen auf der Straße schon einmal leise "Soll ich sagen?" flüstern, stört ihn nicht. Auch in seinem Haus in Wien hat Enrico seinen Fixplatz, Zuber hat ihm eine eigene Vitrine im Wohnzimmer gewidmet. So eine lange erfolgreiche Karriere prägt: "Selbstverständlich ist der Enrico meine Lieblingsfigur, die ich gespielt habe. Das war der Ausgleich für alles andere und ich konnte kreativ sein, denn ich habe sehr viele Folgen selber geschrieben und komponiert", erzählt Heinz Zuber.

Mit dem Nachtzug von Paris nach Wien

Dass er seinen ursprünglich erlernten Beruf als Speditions- und Reedereikaufmann lange ausgeübt hätte, kann er sich heute nicht vorstellen. Denn Zuber, der in Deutschland aufwuchs, folgte schon früh seinem Bauchgefühl: Mit 18 ging er als Stagiaire (eine Art Praktikant, Anm.) nach Paris und übte kaufmännische Jobs aus, machte Fremdenführungen und arbeitete als Karikaturist am Montmartre. Bald besuchte er auch die Pantomimenschule, lernte das Schauspielen und beschäftigte sich mit Chansons. "Eines Tages, mit 21, fuhr ich mit dem Nachtzug von Paris nach Wien zur Aufnahmeprüfung am Reinhardtseminar", erinnert er sich. 

Der Rest ist Geschichte: Zuber feierte Erfolge an allen Wiener Bühnen und auch im Ausland. "Meine Lieblingsrollen, die ich mir vorgenommen habe, habe ich eigentlich alle gespielt", verrät Zuber. Obwohl, wenn er so nachdenkt: der komische Diener Cosme im Lustspiel "Dame Kobold", der hat ihn immer gereizt, aber den würde er "heute auch nicht mehr spielen wollen". 

Im ORF-Fernsehen spielte er in acht Tatortfolgen den Kommissar Schulz und in vielen weiteren Filmen. Neben der Clownrolle in rund 4.000 "Am Dam Des" Sendungen hat Zuber über acht Jahre verteilt auch in anderen ORF-Kindersendungen mitgewirkt.

Erfolg auf Clownschuhen

Warum war Enrico so erfolgreich? "Ich habe vorher acht Jahre lang "Das kleine Haus" gemacht, gemeinsam mit der Lieselotte Plauensteiner. Das lief jeden Samstag um 16 Uhr eine halbe Stunde. Damals gab es nur zwei Fernsehsender, da wurde man schon ganz schön populär", erklärt Zuber. Als "Am Dam Des" anfangs floppte, wurde er gefragt ob er die Rolle des Enrico übernehmen wolle. 

Leicht hatte er es damit nicht immer, denn mit dem Erfolg seien auch die "Querschüsse gekommen". Einige Male sollte die Sendung abgesetzt werden, doch dann habe die Kronen Zeitung interveniert und Fans wie der österreichische Psychiater Erwin Ringel. Der soll einmal zu ihm gesagt haben: "Was Sie für die Kinder tun, ist besser als die Arbeit aller Kinderpsychologen und Psychiater zusammen." Von seinen "Am Dam Des" Kolleginnen schwärmt Zuber: "Die waren super." Sie mussten den Text können und schauspielerisches Können beweisen. Mit Sabine Petzl hätte er gut singen können, sie sei eine echte Musikerin.

Video: derStandard.at/Marietta Türk

Umtriebig im neuen Jahr

Für das Jahr 2012 ist der Schauspieler quasi ausgebucht. In der Sommerarena in Baden spielt er eine Rolle, die schon er oft gespielt hat: den Ajaxerle in "Der Bauer als Millionär" und eine weitere Rolle in "Gräfin Mariza". Ende Februar erzählt und singt er an der Neuen Tribüne Wien die "Melodie der Kindheit - oder man wird ja nur außen alt". Im Dezember lief die Uraufführung einer Vertonung eines Textes von Peter Handke.

Enrico Revival

Selten aber doch hat Heinz Zuber in den vergangenen Jahren zu speziellen Anlässen den Enrico auf der Bühne gemimt. Zuletzt auf einer Benefizveranstaltung in der Hofburg. Obwohl er dort nur der "zweite Star" neben DJ Ötzi gewesen sei, habe er mindestens genau so viel Applaus bekommen. "Es funktioniert. Die Kinder gehen mit wie damals und die Erwachsenen bekommen leuchtende Augen", berichtet Zuber von seinen Auftritten. Bei einer Benefizveranstaltung in Graz hat er das überwiegend erwachsene Publikum mit den Worten begrüßt 'Gott, ihr seid alle schon so groß geworden' und "die Leute haben gebrüllt vor Lachen". 

Für die Zukunft plant Heinz Zuber "nie wieder" einen Auftritt als Enrico, aber im Programm an der Neuen Tribüne Wien kommt er noch als Handpuppe vor. Auch abseits von Enrico kämen zum Glück immer noch Angebote, meint der Siebzigjährige motiviert und "völlig Aufhören wäre ja blöd." (Marietta Türk, derStandard.at, 14.2.2012)

Was macht jetzt...

Liebe UserInnen, über wen würden Sie noch in dieser Rubrik lesen wollen? Vorschläge gerne an online.karriere@derStandard.at oder einfach unter den Artikel posten. Es können auch weniger bekannte Persönlichkeiten sein aus allen möglichen Branchen.

Link

www.heinz-zuber.com

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 285
1 2 3 4 5 6 7

Indem dass Am Dam Des heut' nimmer is' ... ;-)

Ich geh...

aber ich komme wieder - *schlechter pfiff*

Ich hasse Clowns. Sie machen mir Angst.

Seine Kinderlieder ...

... mit Texten von Mira Lobe sind brillant!

was wurde aus Herrn TuTu?

das würd ich gerne wissen...

Enrico vs. Habakuk

Ich wäre ja mal gespannt auf ein voting ;)

Enrico: GRÜN Habakuk: ROT

Oje, das wäre bei mir ein glattes Unentschieden.
Die habe ich beide als Kind geliebt.
Da der Enrico ein Gesicht als Heinz Zuber hat, eher für ihn.

Oje oje...gegen die Petzl darf man hier also nichts sagen, na geh...

... eine unverkennbare und äußerst angenehme Stimme

Das kleine Haus...

...war meine Lieblingssendung. Am Dam Des fand ich nicht so gut, Enrico mochte ich leider gar nicht. Aber ich mag generell keine Clowns und war für Am Dam Des vielleicht schon zu groß....

das kleines haus

...habe ich auch geliebt. rückblickend vielleicht auch deswegen, weil es damals ja keinerlei auswahl an kindersendungen gab? man war dankbar für alles ;-)

hm

interessant, wenn man quasi mit einem clown aufgewachsen ist, obwohl man Clowns net mag, aber Enrico war schon ein Guter... war nix falsch dran

.

verdammt bin ich alt geworden.

Vor allem aber ist Herr Zuber ...

... auch hinter den Kulissen ein äußerst umgänglicher und und zu allen freundlicher Zeitgenosse :-)

(Was ich längst nicht von von jedem "Publikumsliebling" behaupten kann, den ich beruflich getroffen habe.)

also mir ist der enrico immer schwerstens auf die nerven gegangen als kind. am dam des hingegen war sonst schon in ordnung.

noch immer besser als der habakuk

Als kind bin ich vor den holzenen TV gesessen und habe Am dam des angekuckt,alles gute Heinz Zuber vschhhhhh.....

also ich habe nur...

wegen der tante ingrid (riegler) zugesehen :-)

Sie waren ein frühreifes Kerlchen?

hm

ich hab mitte der 70er total für elisabeth vitouch geschwärmt...

mhhh

sie hat sich auch nicht viel optisch verändert...

Hat zwar nix mit Kindermoderatoren zu tun, ...

aber Elisabeth Vogel, ORF Wien ist eine ganz schnucklige ...

Enrico geht mir heute noch genauso auf den Sa** wie damals... : )

als kind hatte ich angst vor enrico

bitte geniess deinen ruhestand!!!

Ich sage *gähn*

ADD - das war doch der extrem gähnende Pausenfüller zwischen Testbild und dem richtigen(!) Kinderprogramm.
Aufgedreht hat man trotzdem, man kann ja nicht den ganzen Nachmittag nur mit den Matchboxautos spielen *g* - außerdem gabs nur FS1 und FS2.
Schon als Kind habe ich die Sendung abgrundtief gehaßt mitsamt dem aufdringlichen grün-schwarz-karierten Warmen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 285
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.