"Der Iran sieht sich in einem Krieg gegen Drogen"

Interview | 3. Februar 2012, 18:02

Juri Fedotow, Chef des UN-Büros zur Bekämpfung von Drogenkriminalität, über Afghanistan nach dem Abzug der internationalen Truppen und Exekutionen im Iran

Von Julia Raabe und Tobias Müller.

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STANDARD: Laut UNODC gibt es weltweit zwischen 16 und 38 Millionen Menschen mit problematischem Drogenkonsum - eine vergleichsweise kleine Zahl. Rechtfertigt sie die massiven Anstrengungen im Kampf gegen die Drogen?

Fedotow: Mit Zahlen kann man immer spielen. Beeindruckender finde ich die: Um die 100.000 Menschen sterben jedes Jahr wegen Heroin und anderer Opiate, an einer Überdosis, HIV/Aids, anderen Krankheiten. Jedes Leben ist wertvoll. Deshalb müssen wir die Menschen schützen. Das entspricht den Prinzipien der Menschenrechte. Wir schützen ihr Recht auf Leben und Gesundheit.

STANDARD: Die Zahl der Menschen, die jährlich an Unterernährung stirbt, ist weitaus höher. Wäre es dann zum Beispiel nicht wirksamer, das Geld in den Kampf gegen Unterernährung zu investieren?

Fedotow: Es gibt andere UN-Programme, die sich um Ernährung kümmern. Unsere Rolle ist es, Menschen zu helfen, Drogenabhängigkeit zu überwinden und sich wieder zu integrieren.

STANDARD: In Mexiko kamen in den ersten drei Quartalen 2010 etwa 13.000 Menschen ums Leben. Besteht nicht die Gefahr, dass mehr Menschen im Kampf gegen Drogen sterben als durch Drogenkonsum?

Fedotow: Dort geht es generell um organisierte Kriminalität. Die Regierung versucht, Kapazitäten aufzubauen, um das Problem besser zu bekämpfen. Sie braucht mehr Unterstützung. Aber nehmen Sie Kolumbien: In den 1990er-Jahren waren die Drogenkartelle die Herrscher weiter Teile des Landes. Jetzt hat sich die Situation verändert. Die Kokain-Produktion wurde in zehn Jahren halbiert. In Mexiko gibt es ein starkes Engagement der Behörden, die Situation zu verbessern.

STANDARD: Also keine Gefahr, dass Mexiko zu einem gescheiterten Staat verkommt?

Fedotow: Nach meinen Beobachtungen verschlechtert sich die Lage nicht. Der allgemeine Trend ist positiv.

STANDARD: Die internationalen Truppen werden aus Afghanistan abgezogen. Was heißt das für Sie?

Fedotow: Die Uno wird eine größere Rolle spielen. UNODC wird ein regionales Programm für Afghanistan und die angrenzenden Staaten lancieren. Das ist neu. Bisher gab es gesonderte Programme für Afghanistan, Pakistan, Iran, etc. Wir müssen sehr überlegt vorgehen und verhindern, dass Afghanistan zum Drogenstaat wird.

STANDARD: Das ist die Befürchtung.

Fedotow: Sie ist berechtigt. Daher entwickeln wir das Programm.

STANDARD: Ungeachtet aller bisherigen Anstrengungen ist die Opium-Produktion in Afghanistan 2011 in die Höhe geschossen.

Fedotow: Ich hoffe, sie wird nicht weiter steigen. Afghanistan sollte zumindest auf diesem Niveau verbleiben. Vor zwei Jahren gab es einen Rückgang, jetzt eine neue Steigerung von 61 Prozent ...

STANDARD: ... was enorm ist.

Fedotow: Wir sind jetzt bei 5800 Tonnen - aber das ist immer noch unterhalb der Spitze von 2007, als wir ungefähr 8200 Tonnen hatten.

STANDARD: Der Atomstreit mit dem Iran eskaliert. Wie wirken sich die Spannungen aus?

Fedotow: Wir sind nicht in die nuklearen Angelegenheiten involviert. Iran ist für uns ein wichtiger Partner. Sie tun viel, um den Drogenhandel über ihre Grenzen zu verhindern. Und was die Beschlagnahme von Opiaten angeht, sind sie weltweit die Nummer Eins. In Afghanistan werden rund 400 Tonnen Heroin im Jahr hergestellt, wovon rund 115 Tonnen in den Iran geschmuggelt werden. Afghanistan und Iran sind die Länder mit dem größten Suchtproblem. Iran hat zwei Millionen Drogenabhängige. Sie wollen dabei auch international eine positive Rolle spielen - und ich sehe nicht, warum wir sie nicht unterstützen sollten.

STANDARD: Im Kampf gegen Drogen setzt der Iran auch auf die Todesstrafe. Die meisten Hinrichtungen finden wegen Drogendelikten statt.

Fedotow: Das habe ich persönlich angesprochen. Uns wurde erklärt, dass es sich nicht um Verbrechen handelt, die direkt mit Drogen in Zusammenhang stehen, sondern mit dem illegalen Handel. Der Iran sieht sich in einem Krieg. Über 3000 Grenzbeamte wurden auf iranischer Seite getötet bei dem Versuch, Drogenhändler davon abzuhalten, die Grenze zu passieren. Wir haben unsere Sorge über die Todesstrafe ausgedrückt und wünschen uns mehr Transparenz. Bis jetzt haben wir keine offiziellen Statistiken. Wir wollen wissen, wie viele Menschen hingerichtet werden - und weshalb.

STANDARD: NGOs kritisieren, UNODC unterstütze mit der Hilfe im Kampf gegen Drogen indirekt auch die Hinrichtungen.

Fedotow: Nein. Die Methoden sind gegen die UN-Prinzipien, wenn es auch keine internationale Konvention gegen Todesstrafe gibt. Wir versuchen, die Bedenken auszudrücken und gleichzeitig die Zusammenarbeit fortzusetzen. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2012)

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11 Postings
Borg101 (Flip Mode)
00
20.3.2012, 21:38
Arbeit und Drogen machen Frei.

Möchten man als Machthaber ohne viel "Aufwand" und Aufsehen lange regieren so bieten sich zwei mächtige Werkzeuge:
1. Angst
2. Dummheit
Nun gibt es aber immer wieder junge, mutige Menschen und kluge Köpfe die sich weder beängstigen noch dumm halten lassen. Was tun?
Die Antwort lautet:
1. Man sorgt dafür, das die Menschen noch mehr Probleme haben und immer mehr arbeiten müssen sodass sie kaum Zeit fürs Nachdenken und Hinterfragen haben.
2. Man verteilt Drogen und zwar je nach Staatsmodell:
a) Leistungsorientierte Konsum-Gesellschaft: Kaffee, Kokain, XTC, Amphetamine und alles Andere was zu noch mehr Leistung beitragen kann
b) Religiöses und/oder diktatorisches System: Opiate bis zum abwinken (bis das ganze Volk tief schläft).

MfG

www.stattnetz.de
10
19.2.2012, 18:01
Gründe...

Zitat:
Wir wollen wissen, wie viele Menschen hingerichtet werden - und weshalb.
Zitatende

Das "weshalb" ist ganz einfach: Machthaber im Iran ist eine primitive Bande der es viehisches Vergnügen bereitet rituelle Menschenopfer darzubringen.

Borg101 (Flip Mode)
10
20.3.2012, 21:20
Unwissenheit ist (in Ihrem Fall) ein Segen ;-)

mistvieh666
 
12

http://en.wikipedia.org/wiki/List... piates_use
seltsam eigentlich. und das sagt mehr ueber die islamische revolution aus als der ganze facebook & opposition hokuspokus, der hier so das lieblingsthema hirnfreier politischer korrektheit ist.
1kg opium kosten im iran 330 dollar.

die kommunisten in china haben mit zero tolerance politik anfang der 50er jahre das land von ueber 10% opiumabhaengigen (im gefolge der opiumkriege, die weltweit so ziemlich das groesste verbrechen aller zeiten von europa darstellen - wissen die wenigsten, weil wir so hochgebildet sind) auf 0% gebracht, diese leistung entschuldigt in meinen augen alle anderen verfehlungen, die sich auf 50 mio toten summieren.

NONE
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Irgendwie ist es skurril - da gründet man Behörden, die etwas bekämpfen sollen, aber wenn die Behörden zu 100% erfolgreich wären, hätten die ihren alten Job nicht mehr. Ist das nicht ... kontraproduktiv?

Thousand
01
Scheuklappen:

"STANDARD: Die Zahl der Menschen, die jährlich an Unterernährung stirbt, ist weitaus höher. Wäre es dann zum Beispiel nicht wirksamer, das Geld in den Kampf gegen Unterernährung zu investieren?

Fedotow: Es gibt andere UN-Programme, die sich um Ernährung kümmern. Unsere Rolle ist es, Menschen zu helfen, Drogenabhängigkeit zu überwinden und sich wieder zu integrieren."

peace & love
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Wir müssen sehr überlegt vorgehen und verhindern, dass Afghanistan zum Drogenstaat wird.

afghanistan IST durch die usa zum drogenstaat geworden. da wird die UN ordentlich dreinhaeun, jetzt.

http://www.nzz.ch/nachricht... 49161.html

ps. der herr scheint nicht mal über die eigenen berichte informiert zu sein, oder er versucht, massiv nebel zu werfen.

diamant
61
'Iran hat zwei Millionen Drogenabhängige.'

Wenn das 'offizielle' Zahlen sind dann muss das Schlimmste, ergo viel hoehere Zahlen befuerchtet werden!
Aus ideologischen Gruenden ueberlassen die Mullahs die Drogenproblematik weitgehend den Suechtigen selber. Es gibt kaum Aufklaerung, Suchtpraevention, Behandlung.
Zuhauf, wie in jedem Polizeistaat gibts Repression, gegen Abhaengige, und in bizarr ueberspitzten Gewaltorgien gegen die Drogenkriminalitaet.

Auch auf diesem Gebiet wird sich wohl die Situation erst NACH den Mullahs verbessern!

herr_gwehr
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nach den mullahs ist wieder die freie wirtschaft am werken....man kann das system im iran mögen oder nicht.beständig sind sie und machen etwas gegen die organisierte drogenkriminalität...was man in vielen ländern dort unten nicht gerade behaupten kann.

Harry Meier
 
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Das er das Leben der Menschen schützen will, kaufe

.. ich ihm sogar wirklich ab und verstehe bis zu einem gewissen Grad auch warum er gegen Drogen ist aber die Mehrheit der Menschen stirbt nicht an Drogen sondern an Übergewicht, mangelnder Bewegung und hundert anderen Dingen, die nichts mit illegalen Substanzen zu tun haben. Soll man jetzt jeden mit einem gefährlichen BMI zwangsweise ins Fitneßstudio zwingen? Der Kampf gegen Drogen ist aussichtslos und lässt sich nur mit einer Freigabe bekämpfen. Wenn die Drogenbauern in Afghanistan für Weizen mehr Geld bekommen als für Opium dann löst sich das Problem von selbst.

Senor Wolflero
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Durch Drogenhandel und Dealen werden sehr viele Unschuldige hineingezogen, oft auch Kinder und Jugendliche. Durch das Übergewicht mancher Menschen und deren Bewegungsmangel nicht. Ich finde diese Argumentation somit nicht korrekt.

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