Das Raubtier von Rudolfsheim

3. Februar 2012, 17:54
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Frauenkarrieren führen in Zeiten wie diesen oft über eine Einrichtung namens "Dschungel-Camp"

Frauenkarrieren führen in Zeiten wie diesen oft über eine Einrichtung namens Dschungel-Camp. Aktuelle Beispiele für Absolventinnen dieses dritten Bildungsweges sind zwei Damen in ihren Vierzigern namens Brigitte Nielsen und Dolly Buster. Ihr Aufstieg zu höchstem Ruhm, den sich ein Star hierzulande erträumen kann, ist verbunden mit so glanzvollen Namen wie Richard Lugner und Kathrin Zechner, und wird - unter anderem - gefördert von Qualitätsmedien wie "Österreich", "Kronen Zeitung" und "News". Allerdings unterschiedlich.

So hieß es von Frau Nielsen beim Adabei: Von den Kakerlaken und den Ratten des australischen Dschungels zum "Raubtier" von Rudolfsheim-Fünfhaus, Richard Lugner, 79. Ob sie es sich dabei verbessern kann, bleibt zweifelhaft, denn dass diese Frau nicht nur einen starken Magen hat, sondern auch viel einstecken kann, ist auf einem Opernball mit Richard Lugner fast ein Muss.

Wolfgang Fellner ließ den unappetitlichen Aspekt in den Fakten überschießend und gesellschaftlich deutlicher herausarbeiten. Maden und Truthahnhoden hatte sie zu schlucken, um bei RTL Dschungelkönigin zu werden, hieß es Donnerstag auf Seite 9. Und daneben auf Seite 8: Känguru-Hoden essen, Kakerlaken in den Haaren ertragen, neben Ramona Leiß im Urwald einschlagen - die richtige Ekelprüfung steht für Reality-TV-Queen Brigitte Nielsen aber noch aus. Sie kommt auf den Wiener Opernball. Dagegen war "News" geradezu staatstragend hodenfrei: Von der Ekel- zur Edelshow.

Die vermeintliche Strahlefrau Brigitte Nielsen korrigiert in ihrer eben erschienenen Biografie "Im Leben wird dir nichts geschenkt" ihr eigenes Bild ins Düstere und schockiert mit detaillierten Beschreibungen ihres Selbstmordversuches. Darüber ist sie zum Glück für Lugner inzwischen hinweg. "Sie hat Spaß am Leben, das ist ansteckend. Sie tanzt sicher mit Richard und wird den Ball genießen", freut sich auch Lugner-Schwiegersohn Helmut Werner. Ganz zu schweigen, von anderen Freuden, wie "Österreich" am Dienstag verriet. Dschungel-Königin Brigitte Nielsen (48) hatte, nachdem sie den australischen Regenwald verlassen hatte, eine lange Wunschliste: "Ich will noch ein Baby!"

Ähnlich seriös Baumeister Lugner: Alle Stars, also wenn sie Frauen sind, entblößen sich einmal und zeigen ihren Busen ... Nielsen ist ja kein Pornostar wie Dolly Buster. Die hat am Operball nix verloren! Ich bin mit Nielsen sehr zufrieden. Gestern um 12 Uhr zu Mittag wusste ich ja noch gar nicht, dass ich heute eine Pressekonferenz mache.

Der Angriff auf Frau Buster war umso ungerechter, als auch sie schon einmal als Star aus der RTL-Show rausgeholt wurde. Doch Rettung nahte. Dass die professionelle Erotikerin zur siebten "Dancing Star"-Staffel antritt, erregt viele. Hilft aber nix. Vor "News" vollzog das neue ORF-Betthupferl den privaten Seelen-Strip. Nicht nur das. Kathrin Zechner, die ORF-Super-Direktorin steht dazu, dass Ex-Pornoqueen Dolly Buster bei "Dancing Stars" tanzt. Plus: So will Zechner den ORF reformieren. Und Niko Pelinka nicht mehr dabei!

Da kann Niki Lauda noch so sehr einer Meinung mit Richard Lugner sein - "News" steht hinter Zechner und schickt dafür einen Kolumnisten aus. Frauen die Perücken tragen, irritieren mich. Und dass Dolly Buster gern faked, davon war ich überzeugt. Dieses und noch andere Vorurteile poppten in mir auf, als ich in das ruhrpotthässliche Wesel fuhr, wo Frau Busters Lusthaus steht. Und was geschieht, wie er so aufgepoppt von seinen Vorurteilen im Lusthaus steht? Dolly erschien pünktlichst. Eine Professionelle, dachte ich, und gerade als mir der Mund mit doppeldeutigen Fragen übergehen wollte, erkundigte sie sich nach der politischen Situation in Österreich. Da blieb seinem Mund die Spucke weg. Meine Lust auf Erotik-Talk erschlaffte in der Sekunde.

Erst in der Redaktion wich die Erschlaffung. Dann aber umso aufgepoppter. Dolly ist eine geile Oide. Eine, mit der ich die Nacht verbringen möchte. Nicht im Bett, sondern an der Bar. Mit multiplen Gesprächen, aber nur nicht wieder über die politische Situation in Österreich. Dass Kathi Zechner die Idee hatte, Buster für den ORF zu verpflichten - ein Geniestreich. Und übrigens, Dolly Busters Glatthaarfrisur ist keine Perücke. Alles Eigenhaar. So schamlos echt, dass einem vor Erregung das Kapperl rot werden könnte.

Noch so ein Geniestreich von Kathi Zechner, mit dem sie den ORF reformieren will, und in der "News"-Redaktion poppt man sich vor Erregung grün und blau. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 4./5.2.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Lugner mit Nielsen-Foto.

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