"Ihr seid alle nicht perfekt"

3. Februar 2012, 17:48
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Quoten unter zehn Prozent und lediglich 193.000 Zuseher bei der Finalsendung sprechen für sich

Mit einem "Ihr seid alle nicht perfekt" holte Rapper Sido die frisch geschlüpfte Retortenband 3punkt5 auf den Boden der Plattenverkaufsrealität zurück. Sechs Wochen lang kämpfte eine Gruppe Jugendlicher aus ausgesucht sozial schwachen Verhältnissen um die Gunst des Rap-Ziehvaters aus Neukölln und seiner charmanten Verlobten Doreen. Seit Donnerstagabend stehen Dragan, Marko, Sharon und Benjamin als Auserwählte von Blockstars fest.

Mit Kritik an Sidos Reality-Format wurde nicht gespart, "Sozialporno" schrien die einen, "Trash-TV" geiferten die anderen. Sido hingegen hatte eine humanitäre Botschaft: Perspektivlosen Jugendlichen ohne Arbeit und Ausbildung eine Chance zu geben, als Rapstar groß rauszukommen. Krampfhaft bemühte man sich, aus den schwierigen Charakteren eine qualifizierte Rapgruppe zu formen.

Auch in der letzten Folge wurde verzweifelt versucht, den Eindruck zu erwecken, dass sich Sido auch nach dem Ausscheiden aus dem luxuriösen Loft um sie kümmert: Sido schafft Arbeitsplätze. Vielleicht demonstriert sein soziales Engagement ja nur eine neue Maske, hinter der sich der Wahl-Wiener jetzt versteckt.

Kenner der Rap-Szene wenden zu Recht ein: Wie professionell kann eine Hip-Hop Formation sein, die in sechs Wochen heranwächst? Das Video zur Single Kaputt ist definitiv MTV-tauglich, die Performance der Jungrapper wirkt aber schwach und unbeholfen.

Für den ORF stellt sich die Frage, ob das Nachahmen von ATV-Reality-Soaps der richtige Weg war - Quoten unter zehn Prozent und lediglich 193.000 Zuseher bei der Finalsendung sprechen für sich. (Michael Ortner, DER STANDARD; Printausgabe, 4./5.2.2012)

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    foto: orf/thomas ramstorfer
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