Minusgrade

Nöte der Bauarbeiter in der klirrenden Kälte

Verena Kainrath , 3. Februar 2012, 18:11
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    Bei mehr als minus zehn Grad sollten Baustellen still stehen. Das Gesetz lässt viel Spielraum.

Warum Thermen kaum vom Gästeandrang profitieren, woran Autofahrerklubs am meisten verdienen und wieso den Einzelhandel das alles kalt lässt

Eisige Temperaturen sorgen in der Baubranche für frostiges Klima. Warum Thermen kaum vom Gästeandrang profitieren, woran Autofahrerklubs am meisten verdienen und wieso den Einzelhandel das alles kalt lässt

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Wien - "Die Bauarbeiter sitzen bei Minusgraden auf dem kürzeren Ast", seufzt Josef Muchitsch. Baumaterial werde bei eisigen Temperaturen Frostschutzmittel beigemengt, damit es keinen Schaden erleide. "Aber was ist mit den Menschen? Die sind manchen Betrieben völlig wurscht." Muchitsch, einst selber Maurer, ist neuer Chef der Gewerkschaft Bau-Holz. Etliche Beschwerden trudelten ein, erzählt er - von Leuten, die sich trotz Kältewelle zur Arbeit gezwungen sehen. "Oft auf Anweisung von Baustellenleitern, die selber im warmen Container sitzen." Wer sich weigert, riskiere seine Kündigung. "Rechtlich gesehen hat man keine Chance. Einige Klagen schon wurden deswegen verloren."

Kein Arbeitgeber schicke seine Leute jetzt mutwillig auf die Baustellen, beruhigt Manfred Katzenschlager, Geschäftsführer des Verbands der Bauindustrie. Zu hoch seien die Kosten für die Beheizung von Material wie Einhausung und zu groß die Fehlerquellen. Als zu widrig für den Bau gelten Temperaturen von minus zehn Grad bei gleichzeitig 6,5 Stundenkilometer Windgeschwindigkeit. Ein Fonds ersetzt Arbeitern bei Baustopp 60 Prozent ihres entgangenen Lohns. Die Entscheidung, wann der Job unzumutbar und einzustellen ist, obliegt jedoch dem Bauherrn, sagt Muchitsch. Er pocht auf gesetzliche Regeln, um schwarze Schafe hintanzuhalten. In der Bauinnung ist man nun gesprächsbereit - und verspricht eine tragbare Lösung.

Weh tun sollten einige baufreie Tage der Branche heuer nicht. Zumal der fehlende Schnee im Osten bisher für emsigen Winterbetrieb sorgte: Die Zahl der Arbeitslosen am Bau lag im Jänner um zwei Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Hochsaison bereiten die eisigen Temperaturen hingegen den Autofahrerklubs. Der ÖAMTC absolviert derzeit mit doppelter Mannschaft die dreifache Menge an Einsätzen, rechnet Pannenhilfe-Chef Gerhard Samek vor. Bis Montag werde sich an den 1600 Fahrten täglich wenig ändern. Den Klubs bringt das zusätzliche Mitglieder und gute Geschäfte mit Autobatterien. Letztere sind ihr Hauptdeckungsbeitrag, was andere Schwächen, wie den Absatz von Schneeketten, ausbügelt. Dieser läuft bisher nämlich eher unrund.

Wer sich in den Semesterferien in den schneereichen Westen aufmacht, sollte sich zumindest selber warm einpacken. Die Arlberger Bergbahnen erwarten auf den Bergen für den Samstag aufgrund des starken Windes gefühlte 35 bis 40 Minusgrade. Stornierungen gebe es deswegen noch keine, weiß Eva Steinlechner, Sprecherin der Bergbahnen. So manchem Tagesgast könnte aber doch die Lust am Skifahren vergehen.

Für die Lifte sei die eisige Witterung keine Belastung, stellt Erik Wolf, Chef des Verbands der Seilbahnwirtschaft, klar. Sie seien darauf eingestellt. Für die Beschneiung sei eine Temperatur ab minus fünf Grad abwärts optimal.

Österreichs Einzelhandel lässt die frostige Witterung weitgehend kalt. Viel zu lange war es ihm zu warm. Wodurch vor allem Textil- und Sporthändler auf ihrer Ware sitzen blieben. Nun gebe es da und dort ein paar Nachziehkäufe, sagt René Tritscher, Geschäftsführer der Bundessparte. Unterm Strich halte sich der Einfluss der paar eisigen Tage aber in Grenzen.

Gewinnen und verlieren

Die Hände reiben können sich die Energieversorger. Allein in Wien ist der Gasverbrauch bei der Wien Energie um 27 Prozent im Vergleich zu einem durchschnittlichen Wintertag explodiert. EVN in Niederösterreich registriert ein Plus von 20 Prozent. Sinken Temperaturen von null auf minus fünf Grad, steigt der Heizbedarf um 25 Prozent, erklärt ein Konzernsprecher. Wobei das Ganze auch seine Kehrseiten hat. Das Anwerfen zusätzlicher Gasturbinen kostet die Energieerzeuger einiges an Geld.

Kurt Kaufmann ist auf die Branche nicht gut zu sprechen: Hohe Energiekosten seien es, die Thermen, Bädern und Kurbetrieben ih- re gute Besucherbilanz bei klirrender Kälte verwässere. Seit ihnen vor einem Jahr die Energierückvergütung gestrichen wurde, gehe das alles noch weit mehr ins Geld.

Der Verbandschef der Freizeit- und Gesundheitsbetriebe sieht für manche Therme seither Mehrkosten von bis 100.000 Euro im Jahr. Selbst ein Gästeansturm sorge daher nur für ein Nullsummenspiel. Klare Profiteure blieben aber die Kinos. Was sonst sollten Jugendliche bei diesen Minusgraden machen. Eislaufen sei eher ein Minderheitenprogramm. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.2.2012)

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19 Postings
das ist fix
00

Bautechnisch ist es auch ein Wahnsinn jetzt etwas zu betonieren - die Qualität leidet sehr darunter.

living reef
00
Was sonst sollten Jugendliche bei diesen Minusgraden machen.

vielleicht ein gutes buch lesen, in museen gehen oder ähnliches. es gibt viele hobbies, die nicht umbedingt im freien stattfinden müssen...vieles ist aber der "mir is uuuurfaaad generation" offenbar zu anstrengend...

carbonara
11
Eisige Kälte...

...wird wohl am Klimawandel liegen.

das ist fix
00

nein, das ist die globale erderwärmung

thatslife
00
aals ob bauarbeiter die einzigen wären die in der kälte arbeiten

was ist mit strassenkehrern, müllabfuhrarbeitern, zeitungskolporteuren, straßendienstmitarbeitern, briefträgern, liftpersonal auf schieanlagen, etc etc.
denen ist auch nicht weniger kalt als den bauarbeitern.

Der Ferdl
00
Bauarbeiter haben Materialbedingt recht oft feuchtes Arbeitsklima.

Das führt zu feuchten Hosen, Schuhen und Jacken, nassen Händen, ...

Das unterscheidet sie von den anderen Freiluftberufen.

Der mit der Glaskugel spricht
148
Klimaerwärmung ist ein Mythos

der von schlechten Gutmenschen, selbsternannten Klima-AuskennerInnen und Zertifikate-Zockern zwecks Milliardengeschäften mit dem Kyoto-Ablaßhandel aufgebauscht wird.

das ist fix
02
ein mythos -

der erfunden wurde um neue und höhere steuern abzupressen

MynniaIgnea
00

Nee, das Wetter ist schon seit 6 Milliarden Jahren so und die Fossilien lügen alle. Die Kontinentaldrift gibts auch nicht.

Natürlich ändert sich das Klima, es ändert sich andauernd! Es gibt ständig Kältephasen und Wärmephasen, es gibt Eiszeiten, Großkatastrophen, Verschiebung von Wasserströmen, Magnetfeldschwankungen (OK, keine Ahnung ob die viel am Klima tun), alles Mögliche!

Die Frage ist nicht "Gibt es Klimawandel", das lässt sich mit einem kurzen Blick auf die letzten 100 Jahre sehr schnell und eindeutig bejagen, sondern "Ist der Klimawandel menschengemacht, zu schnel, schädlich und aufhaltbar?"

Jeez.

KornKreis
20
Klimaerwärmung leugnen?

Ich glaub nicht, dass die Klimaerwärmung Thema der Gutmenschen ist - das ist Thema der Wissenschaft und die sagt, dass das letzte Jahrzehnt das mit Abstand wärmste seit den Aufzeichnungen war - http://www.metoffice.gov.uk/news/rele... est-decade - obwohl wir eigentlich einer Kälteperiode zugehen. Aber weil Ihnen grad kalt ist wollns die Klimaerwärmung leugnen ;)

supersepp
01

die menschen werden auch immer dümmer

Thomas Zehetbauer
 
20
Die Erde war früher viel wärmer

aber wäre es wieder so, könnte die Mineralölindustrie weniger Öl verkaufen, die Energieversorger weniger Gas und Fernwärme, die Bauindustrie keine Wärmedämmungen, es gäbe keinen Ablasshandel mit CO2-Zertifikaten und am wichtigsten: Keine Geldflüsse an denen sich Politiker auf Kosten der Bevölkerung die Taschen vollstopfen können.

Allmächtiger Satan
05

Im Artikel geht es ums Wetter und Sie labern vom Klima. Es scheint, Sie haben also weder vom einen, noch vom anderen, irgendeinen blassen Schimmer.

alla riscossa
017
"Was sonst sollten Jugendliche bei diesen Minusgraden machen?"

wären nicht die meisten funktionelle analphabeten, wäre ein gutes buch eine alternative.

triturus trit
01
Hormoneller Blindgänger ?

jetboy
00

und ein schlechtes buch?

Ohne Ende
01

besser Schund lesen als gar nicht.

Peter_23
01
Die Aussage "Kein Arbeitgeber schicke seine Leute jetzt mutwillig auf die Baustellen" ist wohl nicht richtig.

Gerade bei Wegwerfarbeiten ist es üblich die Leute jetzt mutwillig auf die Baustellen zu schicken. Gibt ja genug davon.

Emiliano Zapata
00
ich hab in den letzten tagen auch einige baustellen gesehen

wo trotz der temperaturen und des eisigen windes gearbeitet wurde... also wahrscheinlich doch eher die regel, als die ausnahme...
wobei man natürlich nicht vergessen darf, dass es noch mehr berufe gibt, die bei wind und wetter unterwegs sind, wie zb die müllmänner der ma48. das sind für mich die wahren helden, denn ich habe noch keine wettersituation erlebt, die die müllabfuhr gestoppt hätte!

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