Gasprom

Kältewelle bringt alte Gas-Divergenzen zutage

3. Februar 2012, 17:19

Geringere Anlieferungen in Baumgarten - Ukraine kritisiert hohen Preis

Berlin/Kiew/Wien - Kaum waren die Beschwerden einiger EU-Länder, darunter Österreich, wegen der eingeschränkten Lieferungen von Gas durch den russischen Monopolisten Gasprom abgeklungen, wurde bereits der nächste Vorwurf laut: Die Sicherheit seines Landes sei wegen des hohen Preises für russisches Erdgas gefährdet, sagte der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch. Der Tarif sei ungerecht, sagte Janukowitsch der Süddeutschen Zeitung, dies bedrohe die nationale Sicherheit der Ukraine.

Die Ukraine ist Transitland für die Lieferung von russischem Erdgas nach Westeuropa. Das ukrainische Pipelinesystem ist Janukowitsch zufolge veraltet und muss modernisiert werden. "Experten schätzen die Kosten dafür auf fünf Milliarden Dollar über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren", sagte der Staatschef.

In den Tagen davor hatten einige EU-Staaten einen Rückgang der Gaslieferungen aus Russland gemeldet. Die OMV bestätigte, dass wegen der extremen Kälte in der österreichischen Erdgasdrehscheibe Baumgarten ein Drittel weniger Gas ankommt als sonst. Auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (VP) beruhigte am Donnerstag in einer Aussendung. Es gebe keine Probleme bei der Gasversorgung; mit den in Österreich eingelagerten Gasmengen könnte das Land sogar "bei einem totalen Lieferstopp für vier Monate versorgt werden".

Bei den Gründen, warum in Europa weniger Gas ankommt, versuchen sich Russland und die Ukraine den schwarzen Peter zuzuschieben. Laut der russischen Agentur Novosti dementierte der Energiekonzern Gasprom Lieferkürzungen und erklärte, die Ukraine zapfe wegen der Kälte viel mehr Gas ab als vertraglich vorgesehen. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.2.2012)

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