Strafprozess gegen BayernLB-Manager droht zu scheitern

3. Februar 2012, 17:34
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München - Vor einem möglichen Prozess gegen Exmanager der Bank wegen des Zukaufs der HGAA (Hypo Group Alpe Adria) hat das Landgericht München laut Süddeutsche Zeitung gravierende Bedenken gegen die Anklage geäußert. Es sei "aus den Akten nirgends ersichtlich", dass Fachleute dem Geldinstitut einst abrieten, die marode Hypo Alpe Adria zu kaufen, schreibt die Zeitung. Damit wird unklar, ob, wann und wie der frühere Vorstand der BayernLB auf die Anklagebank gebracht werden kann.

Denn das Landgericht München I habe mehrere, zum Teil gravierende Bedenken und Einwände gegen die 474-seitige Anklageschrift geäußert. Ein Gutachter soll nun die Grundlagen für die heftigen Vorwürfe gegen den einstigen Landesbankchef Werner Schmidt und dessen sieben Exkollegen prüfen. Der Gutachter, Finanzprofessor Bernhard Schwetzler aus Leipzig, muss dazu zehn Gutachten und Expertisen über die Hypo Alpe Adria durchackern. Erst dann will das Gericht entscheiden, ob es ein Strafverfahren beginnt.

Aus Verteidigerkreisen heißt es, die Bedenken des Gerichts träfen "den Kern der Anklage", schreibt die Süddeutsche, und das dürfte den heutigen Verantwortlichen der BayernLB wenig gefallen. Diese wollen nämlich von allen acht Exchefs in einem Zivilverfahren insgesamt 200 Millionen Euro Schadenersatz einklagen.

Damit dürfte sich ein möglicher Prozessbeginn noch weiter nach hinten verschieben. Nach Einschätzung vieler Beteiligter könnte frühestens im Herbst gestartet werden. (Reuters, ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.2.2012)

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