"Anecken ist nicht meine Disziplin"

3. Februar 2012, 17:09
posten

Präsentation von Daniel Glattauers neuem Roman "Ewig Dein" im Odeon

 

Wien - Daniel Glattauer, der Deuticke-Verlag und der Standard haben am Donnerstag ins Wiener Odeon geladen, um den neuen Roman des Erfolgsautors, Ewig Dein, vorzustellen.

Die Atmosphäre war familiär, der Saal voll, im Foyer gab es Wein und Weißbrot, im Publikum auch Mütter um die fünfzig mit ihren Töchtern um die zwanzig. Die Buchkäufer bekamen ein Jutesackerl gratis dazu (Aufdruck: "Per E-Mail rettungslos verlieben!"). Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid hat die Fragen gestellt, die beiden kennen einander gut, war Glattauer doch jahrelang fester Bestandteil der Redaktion.

Fragen wie "Warum kannst du nicht Nein sagen?" oder "Warum nimmst du eher den Frauenstandpunkt ein?" hat der Autor wortreich beantwortet und darauf hingewiesen, dass ihm das Glück seiner Leserschaft höchstes Gut sei: "Anecken ist nicht meine Disziplin."

Glattauer ist mittlerweile schon mit allen zur Glätte beitragenden Attributen versehen worden: Frauenversteher, Liebesromanschreiber, Feel-good-Autor. Er leistet viel, bewirbt, bespricht, beantwortet und ist dabei einfach nur nett, so wie seine Bücher.

Es gibt an ihm nichts auszusetzen, er beglückt die Massen, das Publikum wirkt wie das einer Talkshow, darf auch Fragen stellen und feiert ihn. Es scheint alles wie geschmiert zu laufen für den österreichischen Bestsellerautor, dessen Bücher sogar in Costa Rica aufliegen - "neben denen von Obama", wie Glattauer fast kokett berichtet. Wird man da nicht fast schon ein wenig größenwahnsinnig? Er zerstreut den Eindruck.

Käse zu Ostern

Das neue Buch kippt ab Seite 60 vom Liebesroman ins psychologische Stalkerdrama. Und obwohl Glattauers Dissertation den Titel Das Problem des Bösen und seine pädagogische Bedeutung trägt, findet sich auch in diesem gefeierten Text wenig Abgründiges.

Vermutlich wird es auch so bleiben, denn seine Hauptthemen Beziehung und Liebe gäben noch etliche Bestseller her. Vielleicht wäre es aber auch eine Überlegung wert, mit dem nächsten Roman zu versuchen, die dunkle Seite etwas stärker zu betonen. Denn es gäbe sicherlich auch noch tiefschürfendere Fragen als die am Beginn seines Romans: "Warum musste die gesamte Bevölkerung zu Ostern Käse kaufen?"   (Timon Mikocki / DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)
 

Leseprobe
"So was kann höllisch wehtun"

Eine Frau im Supermarkt. Ein Mann, der ihr auf die Ferse tritt. "Ewig Dein" heißt das neue Buch des heimischen Bestseller-Autors Daniel Glattauer. Eine Liebesgeschichte, die zum Psychothriller wird. Ein Vorabdruck.

  • Daniel Glattauer und Alexandra Föderl-Schmid.
    foto: standard / regine hendrich

    Daniel Glattauer und Alexandra Föderl-Schmid.

Share if you care.