Heftiger Streit

Hypo-Aufseher lehnen Aufpasser ab

Renate Graber , 3. Februar 2012, 17:33
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    foto: standard/regine hendrich

    Hypo-Aufsichtsratschef Johannes Ditz sieht sich in die "Uralt-Verstaatlichte" versetzt.

Der Aufsichtsrat der Kärntner Bank will "Koordinator" statt Aufpasser der Regierung

Wien - Heftiger Streit um die Hypo Alpe Adria. Der Aufsichtsrat der staatlichen Bank, die zehn Mrd. Euro an faulen Krediten in ihren Büchern hat (ein Drittel der Bilanzsumme), wehrt sich massiv gegen die Installierung eines Aufpassers. Am Freitag trafen einander die Kontrollore unter Johannes Ditz - und erarbeiteten ihren eigenen Vorschlag. "Einen Aufpasser brauchen wir nicht, aber wir haben nichts gegen einen Koordinator, der an Vorstand und Aufsichtsrat berichtet und die CSI-Aktivitäten beendet, sodass die Vergangenheitsaufarbeitung in der Bank erfolgt", erklärte Ditz dem STANDARD.

Der Eigentümer (vertreten durchs Finanzministerium) will, wie berichtet, einen "Sonderbeauftragten" in die Bank schicken, der die Vergangenheitsaufarbeitung (Zivilklagen, Strafanzeigen) koordinieren und dem Ministerium berichten soll. Das war bisher Aufgabe der CSI Hypo. Die Person, die das tun soll, ist gemäß Recherchen des STANDARD längst gefunden: Anwalt Georg Krakow, einst Staatsanwalt und Kabinettchef von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner.

Die Finanzprokuratur unter Wolfgang Peschorn hatte diesen Plan zu Weihnachten präsentiert; nun liegt ihr Entwurf der Satzungsänderung auf dem Tisch. In der Satzung (ist die Verfassung einer Aktiengesellschaft) soll das "Ziel der Vergangenheitsaufarbeitung" verankert werden - und eben die Einsetzung des Sonderbeauftragten, wobei sich die Finanzprokuratur aufs Aktiengesetz (§ 103 Abs. 2) beruft. Allerdings soll der Sonderbeauftragte weitgehende Rechte eingeräumt bekommen, und genau da hakt es.

Ditz hält etliche Ausformulierungen für aktienrechtswidrig; "wenn das so kommt, dann ist das wie in Zeiten der Uralt-Verstaatlichten". Er stoße sich an der Bestimmung, wonach der Sonderbeauftragte direkt ans Ministerium berichten soll und auch eigene Entscheidungen über Berater treffen kann. Das Thema Hypo-Berater ist sensibel: Es sind schon viele Millionen an Honoraren geflossen; etliche der Berater und Anwaltskanzleien waren schon in Zeiten der "Hypo alt" aktiv.

Berater-Thema

So lässt sich der Aufsichtsrat von Anwalt David Bauer beraten. Er arbeitet für die Kanzlei DLA Piper-Weiss Tessbach, die die Bank schon früher beriet. DLA-Partner ist auch Carl Wolfgang Lafite, der im Aufsichtsrat von Ex-Hypo-Berater VCP rund um Heinrich Pecina sitzt. Zudem ist er im Vorstand der VCP-nahen Privatstiftungen Annagasse und Collegia, die Hypo-Vorzugsaktien zeichneten.

Im Finanzministerium sieht man (wie in der Finanzprokuratur) nichts Aktienrechtswidriges, und man besteht auf dem Sonderbeauftragten. "Uns geht es darum, dass die Vergangenheitsaufarbeitung lückenlos funktioniert und wir informiert werden; unabhängig davon, ob der Sonderbeauftragte an Ministerium, Vorstand oder Aufsichtsrat berichtet", so ein Sprecher des Ministeriums.

Das Thema Aufpasser ist Symptom, die Gräben zwischen Aufsichtsrat, Vorstand und Finanzprokuratur sind tief. Die einen wollen die Vergangenheit ausleuchten (Prokuratur), die anderen müssen parallel dazu aber die Bank verkaufsfit machen (Vorstand), Aufsichtsratschef Ditz fordert schon lange, man solle in die Zukunft schauen.

Gut lassen sich die Bremswirkungen daraus am Beispiel Liechtenstein (Alpe Adria Privatbank; AAP) illustrieren. Dort könnte einer der Schlüssel für die Ortung der versickerten Hypo-Gelder liegen; die AAP gehört formell aber nur zu 49 Prozent der Hypo. Also will man via Rückkauf der restlichen Anteile Durchgriff und Informationen bekommen; dieser Rückkauf hakt aber an 900.000 Euro. Unzählige Mails und Sitzungen zum "Clusterthema Liechtenstein" zwischen Vorstand, Prokuratur und Ermittlern gab es schon, entschieden wurde: nichts.

Bald wird sich das Thema Liechtenstein aber von selbst erledigt haben. Die Bank wird liquidiert, 95 Prozent ihrer Geschäfte sind laut Hypo-Chef Gottwald Kranebitter bereits abgewickelt. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.2.2012)

Kommentar posten
25 Postings
standardantwort
00

Es ist geradezu erschreckend mit welchem Nichtwissen viele Poster hier agieren.

locken
01
Veit Sorger soll das Geld aus den Hypo Deal zurückzahlen der feine Herr !

eamonclever
00

die sicht auf die csi hypo gehört doch auch gecleart. Welche der eingebrachten klagen ist durchgegangen, dh zu gunsten der bank vo gericht und nicht in den medien entschieden worden. Meines wissens keine. Also sollte sich das bmf und die finanzprokuratur vielleicht einmal die frage stellen, ob dort die richtigen leute am werk sind.

leser 4712
01
mit 10 milliarden faulen krediten

sollen sie mucksmäuschenstill sein, tun, was ihre "retter" sagen und jeden tag ein dankgebet, dass ö hilft, sprechen!

pussycat.1337
00

vorallem dem joahnnes ditz gehört ein aufpasser, alles was er genehmigt, muss ein aufpasser vorjher kontrollieren. das ist die aufgabe des eigentümers!!! das es nicht funktioniert, wie es bisher gehandhabt worden ist, hab man ja gesehen, die bank ist nähmlich pleite!

europademokratie
06
in diese bank gehört nicht nur ein aufseher, sondern ein ganzes team von aufseher und kontrolloren

in dieser bank wurde schon zu viel angerichtet, so dass jede kontrolle von außen dringend notwendig erscheint. ob der herr ditz das mag oder nicht, wird wohl nebensächlich sein. ihm gehört die bank ja nicht, oder??

Benno Berghammer2
02
Stichwort Aufpasser...

Der Aufsichtsrat gehört aktienrechtlich zu den Aufpassern, die von der Hauptversammlung (Aktionären) gewählt wird. Es spricht für sich das der Alleinaktionär die Republik Österreich vertreten durch die Finanzprokuratur einen zusätzlichen Aufpasser benötigt.

Das zeigt eigentlich eines ganz offen. Dass man den bestehenden Aufsichtsrat für ziemlich unfähig hält den Vorstand und dessen Geschäftsgebarung zu kontrollieren. Bei den angekündigten Prozessen gegen ehemalige Vorstandsmitglieder, Aufsichtsratsmitglieder und diverse Berater ist bis dato ja auch nicht viel weitergegangen.

Was auch zeigt, die Finanzprokuratur ist so zahnlos wie die Gerichte. Man hätte die Hypo gleich pleite gehen lassen sollen. Das wäre billiger gekommen.

Andreas W
04
Und wen???

Wer in diesem Land ist noch objektiv, unabhaengig, integer und anstaendig???

Mir faellt keiner ein, sorry; denn jeder, der weit genug nach oben gelangt ist, ist schon an unzaehlige Dankbarkeiten gefesselt; und diese Gefaelligkeiten werden dann halt irgend wann eingefordert - so funtioniert eben dieses Spiel mit den Seilschaften, zuerst helfen sie dir aufzusteigen, dann musst du alles "zurueckzahlen".

Also, egal was da an Politguenstlingen hingeschickt wird, es wird wieder nur das machen, was deren Goenner wollen und sicher nicht, was das Beste fuer die Bank oder gar den Souveraen der Republik Oesterreich waere!!!

Roter Baron
03
bankrotteur der alten schule

der ditz hat u.A. das personalchaos bei der post zu verantworten und daschau
jetzt taucht er bei der hypo auf......
schaut net guat aus für die hypo.

roter baron

Bertel Mann
08
"Aufsichtsrat und Vorstand behindern Aufklärung bei Hypo"

Das wäre die passendere Überschrift.

P.S.: Falls es Dietz entgangen sein sollte: die Bank IST verstaatlicht

parmigiano
00

ja, sie ist verstaatlicht.

ja, angesichts der gewaltigen verluste aber auch der offenbaren schweinereinen/inkompetenzen gehört hier genau kontrolliert.

nein, das argument, dass der staat alleinaktionär ist, berechtigt nicht dazu, dass aktiengesetz auszuhebeln. einen beauftragten, der nur an den aktionär berichtet, nicht aber auch an die organe (so verstehe ich das vorhaben), wird also so nicht gehen.

ist aber auch ein armutszeugnis, dass man hier keine einwandfreie lösung findet.

Mazzesinsulaner
 
00

deswegen hat der Alleinaktionär Republik Österreich noch lange nicht ein Durchgriffsrecht. Lesen Sie das Aktiengesetz.

Tamara Dettel
01

Da kriechen sie aus ihren Löchern die möchtegern Finanzjongleure ^^

"Ohoho Aktiengesetz"
"muhuhuh Durchgriffsrecht"

Jeder Österreicher hängt in der Bank mit seinem Steuergeld drin!
Öffentlicher Druck, um einerseits die Aufklärung zu ermöglichen und zweitens Kranebitter und Ditz zum arbeiten zu bringen sollte da schon erlaubt sein!

Und weil ich oben gelesen hab:
"Man hätte die Hypo gleich pleite gehen lassen sollen. Das wäre billiger gekommen."
*facepalm* -> Haider hat das durch 20Mrd Landeshaftungen unmöglich gemacht mein Lieber. Aber wahrscheinlich hätten sie was davon gehabt...

mach mir nix weiß...
02

"Das Thema Aufpasser ist Symptom, die Gräben zwischen Aufsichtsrat, Vorstand und Finanzprokuratur sind tief."

Frau Minister - Sie sind auf dem richtigen Weg!! Machen sie ihren Job und holen sie die Kohle zurück!

falsa demonstratio non nocet
02
Der Ex Politiker Ditz

MMn sollte jede Bank die staatliche Hilfe in Anspruch nimmt unter Kuratel bzw einen Auspasser bekommen, nur so kan auch gewährleistet werden, dass sich die Bank nicht wieder verspekuliert.

Die EIgentümer in diesem Fall ist Österreich und genauer gesagt jeder Österreicher der mit seinen Steuern diese Misswirtschaft gerettet hat!

V995
31
in welche gaunerei ist die övp eigentlich nicht verwickelt?

es bleibt spanned...
09
Wo kämen wir da hin...

wenn der Eigentümer tun kann, was er will. Der Eigentümer "Republik" hat nämlich nur eine Funktion, mit Geld Brände löschen.
Den Rest machen sich erprobte Experten der Finanzliga gern wieder unter sich aus.
Also husch, husch Staat, vertschüss dich, gezahlt hast eh schon.
Und damit es alle "verstehen" holen wir noch schnell das Argument "Verstaatlichte" aus der Mottenkiste.
Ja genau, diese Bank ist verstaatlicht, und daher schafft auch der Staat jetzt an, so wie jeder "White Knight" anschafft. Täte er das nicht, wäre ich als Steuerzahler sehr beleidigt.
Mir wäre als Steuerzahler aber auch wohler, wenn man mal "unverbrauchte" Fachleute ran ließe.

Fresch70
00

Aber schön zu sehen dass unser Republik auch noch bereit ist manche Dinge als verbesserungsfähig zu erkennen!

miles a head
09
Einmal möchte ich den Ditz

nicht in einer geschützten Werkstätte arbeiten sehen.

onlooker
02
der ist eben noch sehr gut vernetzt und diese haberer wollen keine kontrolle, des eigentümers,

bezahlt hat ja bis jetzt nur der eigentümer, sprich steuergelder der bürger, aber davon wollen die banken nichts wissen, und vor allem urgestein ditz, ist der nicht schon bald 70zig?

Johannes Kaspar
013

Schiss hat er - Der Hypo Vorstand.
Lieber faul herumsitzen und Kohle scheffeln würdens!

Fast überraschend dass es das Finanzministerium doch noch zusammenbringt dem Kärntner Selbstbedienungsladen HAA Druck zu machen!

Zu hoffen dass die Finanzprokuratur alles aufarbeitet und sich nicht von "Es ist mir nicht erinnerlich Sagern" und braungebrannten Orangen Politikern unterkriegen lässt!
Wir wollen das Geld das in die Bank geflossen ist zurück!

Andreas Sonnberger2
00

Da geht es um einen Streit zwischen Aufsichtsrat und Regierung, der Herr Petzner ist weder im Aufsichtsrat, noch in der Regierung.
Am Herrn Petzner scheitert also keine Aufklärung.

Mork vom Ork
00

wenn sie die Lähmung in dieser Bank institutionalisieren wollen - bitte sehr.

Babsi Freinschlag1
04

A bissal viele Rufzeichen Hr. Kaspar, aber ansonsten muss ich ihnen rechtgeben...

Dass der Vorstand dagegen ist halte ich für ein sehr gutes Zeichen ein Aufpasser genau richtig ist =)

V995
05
ditz den bock zum gärtner machen

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