NATO will Unterwanderung der Armee stoppen

3. Februar 2012, 16:33
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Neues Sicherheitskonzept gegen eingeschleuste Taliban

Brüssel - Die NATO will die Unterwanderung der afghanischen Armee durch die radikalislamischen Taliban mit einem neuen Sicherheitskonzept stoppen. "Wir haben bereits viel unternommen", sagte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Freitag in Brüssel nach Beratungen der NATO-Verteidigungsminister über den Einsatz in Afghanistan. "Aber angesichts der neuesten Ereignisse haben wir beschlossen, unsere Anstrengungen zu verstärken."

Ein afghanischer Soldat hatte im vergangenen Monat vier französische Soldaten erschossen, die gerade Sport trieben und unbewaffnet waren. Bei dem Täter handelte es sich möglicherweise um einen Taliban, der sich von der afghanischen Armee anwerben ließ. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy kündigte daraufhin an, die Kampfeinsätze der französischen Truppen am Hindukusch bereits Ende des Jahres 2013 zu beenden.

Sechs Prozent der Todesfälle

Einem kürzlich bekannt gewordenen NATO-Bericht zufolge gehen sechs Prozent der Todesfälle unter den Soldaten der Militärallianz auf Angriffe afghanischer Soldaten zurück. Rund 130.000 NATO-Soldaten sind in Afghanistan gemeinsam mit 320.000 einheimischen Sicherheitskräften im Einsatz.

Es sei klar geworden, dass die Rekrutierung von Kräften für die afghanische Armee besser kontrolliert werden müsse, um eine Infiltrierung zu verhindern, sagte der französische Verteidigungsminister Gérard Longuet vor Journalisten. "Diese Vorfälle sind selten, aber bedeutend für die Glaubwürdigkeit der afghanischen Armee." Die NATO machte am Freitag keine konkreten Angaben, wie die Unterwanderung der afghanischen Sicherheitskräfte verhindert werden soll, erwartet wird jedoch eine genauere Überprüfung von Rekruten auch anhand von biometrischen Daten.

Rasmussen bestätigte Überlegungen in der NATO, die afghanischen Sicherheitskräfte zu verkleinern. "Es gibt noch keine Entscheidung über die längerfristige Stärke der Sicherheitskräfte und darüber, wer die Rechnung bezahlt", sagte Rasmussen. "Die Zukunft Afghanistans geht die gesamte internationale Gemeinschaft an", meinte er. "Und das gilt auch für die langfristig Finanzierung der afghanischen Sicherheitskräfte."

Derzeit verfügt Afghanistan über etwa 176.000 Soldaten und 143.000 Polizisten. Diese knapp 320.000 Mann waren in den vergangenen Jahren mit großem Aufwand ausgebildet worden. Longuet sagte, Frankreich und andere Verbündete - darunter auch die USA - hielten längerfristig eine Stärke von 230.000 Soldaten und Polizisten für "vernünftig". Dies bedeute aber, dass jährlich 1,1 Milliarden Dollar nötig seien. Longuet: "Das sind Beträge, die die internationale Solidarität nicht überfordern." (APA)

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