Neues Sicherheitskonzept gegen eingeschleuste Taliban
Brüssel - Die NATO will die Unterwanderung der
afghanischen Armee durch die radikalislamischen Taliban mit einem
neuen Sicherheitskonzept stoppen. "Wir haben bereits viel
unternommen", sagte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am
Freitag in Brüssel nach Beratungen der NATO-Verteidigungsminister
über den Einsatz in Afghanistan. "Aber angesichts der neuesten
Ereignisse haben wir beschlossen, unsere Anstrengungen zu
verstärken."
Ein afghanischer Soldat hatte im vergangenen Monat vier
französische Soldaten erschossen, die gerade Sport trieben und
unbewaffnet waren. Bei dem Täter handelte es sich möglicherweise um
einen Taliban, der sich von der afghanischen Armee anwerben ließ.
Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy kündigte daraufhin an, die
Kampfeinsätze der französischen Truppen am Hindukusch bereits Ende
des Jahres 2013 zu beenden.
Sechs Prozent der Todesfälle
Einem kürzlich bekannt gewordenen NATO-Bericht zufolge gehen sechs
Prozent der Todesfälle unter den Soldaten der Militärallianz auf
Angriffe afghanischer Soldaten zurück. Rund 130.000 NATO-Soldaten
sind in Afghanistan gemeinsam mit 320.000 einheimischen
Sicherheitskräften im Einsatz.
Es sei klar geworden, dass die Rekrutierung von Kräften für die
afghanische Armee besser kontrolliert werden müsse, um eine
Infiltrierung zu verhindern, sagte der französische
Verteidigungsminister Gérard Longuet vor Journalisten. "Diese
Vorfälle sind selten, aber bedeutend für die Glaubwürdigkeit der
afghanischen Armee." Die NATO machte am Freitag keine konkreten
Angaben, wie die Unterwanderung der afghanischen Sicherheitskräfte
verhindert werden soll, erwartet wird jedoch eine genauere
Überprüfung von Rekruten auch anhand von biometrischen Daten.
Rasmussen bestätigte Überlegungen in der NATO, die afghanischen
Sicherheitskräfte zu verkleinern. "Es gibt noch keine Entscheidung
über die längerfristige Stärke der Sicherheitskräfte und darüber, wer
die Rechnung bezahlt", sagte Rasmussen. "Die Zukunft Afghanistans
geht die gesamte internationale Gemeinschaft an", meinte er. "Und das
gilt auch für die langfristig Finanzierung der afghanischen
Sicherheitskräfte."
Derzeit verfügt Afghanistan über etwa 176.000 Soldaten und 143.000
Polizisten. Diese knapp 320.000 Mann waren in den vergangenen Jahren
mit großem Aufwand ausgebildet worden. Longuet sagte, Frankreich und
andere Verbündete - darunter auch die USA - hielten längerfristig
eine Stärke von 230.000 Soldaten und Polizisten für "vernünftig".
Dies bedeute aber, dass jährlich 1,1 Milliarden Dollar nötig seien.
Longuet: "Das sind Beträge, die die internationale Solidarität nicht
überfordern." (APA)