Nach Bescheid

Wrabetz will Facebook-Verbot "mit allen Mitteln bekämpfen"

3. Februar 2012, 16:27

ORF-Chef wirft Medienbehörde "sehr enge und rechtlich nicht richtige Sichtweise" vor - Wrabetz fürchtet in letzter Konsequenz Twitter-Verbot für Wolf

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz will mit allen Mitteln gegen das ORF-Facebook-Verbot kämpfen. Er wird gegen den Bescheid der Medienbehörde Berufung einlegen und geht davon aus, dass der Bundeskommunikationssenat "die sehr enge und rechtlich nicht richtige Sichtweise der KommAustria korrigiert". Sollte das nicht so sein, will sich Wrabetz an den Verfassungs- und auch an den Verwaltungsgerichtshof wenden. Sollte es nicht möglich sein, das geltende Gesetz "in einer vernünftigen Weise zu interpretieren, dann müssten die entsprechenden Gesetzespassagen geändert werden", so Wrabetz.

Für eine Gesetzesänderung hatten sich bereits verschiedene Parteien, ORF-Redakteursrat und Publikumsrat ausgesprochen. Der ORF-Generaldirektor betonte, dass es dem ORF nicht darum gehe, soziale Netzwerke zu nutzen, um Geld zu verdienen, "aber wir müssen sie als Möglichkeit nutzen können, um mit unseren Kunden in Kontakt zu treten". Es gebe den gesetzlichen Auftrag, auch das junge Publikum anzusprechen und dieses bewege sich vorwiegend auf den sogenannten Social Media.

"Viel zu enge Auslegung"

Wrabetz sieht außerdem die Gefahr, dass, sollte es bei der aus seiner Sicht "viel zu engen Auslegung des Gesetzes" bleiben, dem ORF neben Facebook auch die Nutzung anderer sozialer Netzwerke verboten werden könnte. Das könnte soweit gehen, dass es Armin Wolf oder anderen ORF-Mitarbeitern untersagt wird, sendungsbegleitend zu twittern oder Blogs in Zusammenhang mit ORF-Sendungen zu erstellen.

"Egal ob ein Fernseh-Redakteur etwas zu seiner Sendung twittert, oder ein Ö3-Mitarbeiter Informationen auf Facebook stellt - diese Form der Interaktion mit dem Publikum muss möglich sein", findet Wrabetz. Er prüft daher alle Möglichkeiten, juristisch gegen den Bescheid der Behörde vorzugehen, in letzter Konsequenz spricht er sich für eine Gesetzesänderung aus. Die diesbezüglichen Unterstützungsbekundungen der Parteien begrüßt Wrabetz naturgemäß. (APA)

Kommentar posten
17 Postings
reservebuddha
00
Sehr raffiniert sind die vom VÖZ aber auch nicht.

Da haben sie, gedeckt durch Wrabetz, ja sogar durch Online-Direktor Prantner, jetzt wirklich alle Freiheit gehabt, auf den ORF.at anständig hinzuprügeln, und haben das ja auch getan - siehe Übersichtsseite als "ständiges Angebot" deklariert und ähnliche Idiotien.

Sie hätten es dabei belassen sollen, man hat ihnen ja den Online-Markt ohnehin geschenkt.

Die Nutzung von Facebook ist aber ein Anliegen des TV-Bereichs, und da sieht Wrabetz natürlich nicht mehr zu, denn das widerspricht ja auch dem Geist des Abkommens, das zu diesem Gesetz geführt hat.

Wieso sie jetzt mit aller Gewalt das bereits erreichte (Beseitigung der Online-Konkurrenz) auf diese Weise gefährden, verstehe ich nicht.

Mir solls recht sein. Weiter so! Weg mit dem Gesetz!

Misery
00
Gedächtnislücken

Möchte jetzt jenen, die über diese "antiquierte Bestimmung" so empört sind und sich über den Gesetzgeber so lustig machen, in Erinnerung rufen, dass der ORF schon viel weitgehendere Pläne hatte: Meischberger - DORF-Plattform, große Pläne des ORF, auf Social Networks einzusteigen, Brüssel Bedenken. Offenbar braucht man also beim ORF ja diese Verbote. Dazu:
http://derstandard.at/1220457453459
http://derstandard.at/1220457368897
http://derstandard.at/130395052... rabetz-vor

hekwaves
00
Unternehmensdarstellung? Kundenkontakt?

Es sei dem ORF unbenommen, sich auch in sozialen Netzen entsprechend zu präsentieren. Die Haltung des ZDF zum selben Thema zeigt aber eher ein anderes Bild ... https://plus.google.com/u/0/11822... jrQcH9DHHc

karl kattatone
00
öffentl-rechtlicher Dauerwerbesender

möchte ja nicht generalisieren aber der ORF ist so ziemlich der FINSTERSTE FLECK in der öff-rechtlichen, deutschsprachigen Medienlandschaft. Unerträglich dümmliche, in Länge und Penetranz ausufernde Werbeeinschaltungen rund um die Uhr (!!!) - beinahe jedes Mal, wenn ich zum ORF zappe läuft Trottelwerbung (XXLutz und Iglo-Anbiederung kennt keine Grenzen und keine Tageszeit - wozu eigentlich GIS-Gebühren?), zwischen jeder Sendung grauenhaft penetrante Vorankündigungen (auch damit kann man Sendezeit verheizen) - man möchte meinen, der Assinger-Seppl hat im ORF schon seit Jahren die Programmgestaltung übernommen, Nachrichtensendungen: nicht der Rede wert, die wenigen Minuten, die dafür verwendet werden reduzieren sich im allgem. auf das Herunte

Chris Wulf
02
Interessant

Dafür, dass der Herr Generaldirektor persönlich diese Bestimmungen mit dem VÖZ ausgedealt hat, um mehr Werbezeit zu bekommen, nimmt er jetzt eine interessante Schuldverteilung vor. Jaja, diese vielen Politdeals durch die Hintertür rächen sich immer irgendwann!

tri tra trallala
04

Dem ORF social networking verbieten, wäre etwa so, als hätte man im 15Jhdt. einer staatlichen Institution verboten, sich des Buchdrucks zu bedienen.
Total unverständlich (also im technischen Sinn... was eigentlich dahintersteckt ist ja wohl sonnenklar).

tierischer durchfall
22
Da bin ich d'accord mit dem Herrn Generaldirektor.

luke_vie
170
KEIN facebook für ORF

Der ORF hat kein Recht facebook und Co zu nutzen. Der ORF ist der staatliche TV Sender mit Zwangsgebühren.

Es kann nicht angehen, dass die Bevölkerung immer noch höhere GIS-Beiträge leisten MUSS, damit der ORF der freien Wirtschaft noch mehr Konkurrenz macht. Solange es GIS-Zwangsbeiträge gibt, kann es nicht erlaubt sein, dass der ORF im Bereich der neuen Medien als Mitbewerber zu freien Medien agiert. Dies wäre eine Marktverzerrung.

Politiker, welche hier den ORF unterstützen handeln nur in eigenem Interesse, damit der eigene Propaganda-Sender ja überall aktiv ist, am besten unter Parteikontrolle und voll gepackt mit Freunderlwirtschaft.

ES REICHT ... zuerst will der ORF ins facebook, und dann kommt die nächste GIS-Erhöhung.

Bortolino
00
Ich bin bereit für ein öffentlich rechtliches Medienunternehmen Gebühren zu bezahlen

Wenn es seinen öffentlich-rechtlichen Programmaufrtag erfüllt.

Aber als Gebührenzahler will ich mit ihm auch kommunizieren und als Nutzer feedback geben können. UNEINGESCHRÄNKT. Auf Facebook, auf Twitter und in ORF eigenen Foren.

ES REICHT: Mit diesem VÖZ-Lobbying!

lola1234
02
JEDE/R

hat das recht, facebook zu benutzen - so lang er/sie nicht explizit von facebook ausgeschlossen wird. dasselbe gilt für jede andere social media plattform. das erstens.
und zweitens - von welcher freien wirtschaft ist die rede? von der, die dreistellige millionen eurobeträge im jahr fördermittel aus steuergeld kassiert? oder von den printmedien (krone, kurier usw.), die jährlich presse- und vertriebsförderungen in millionenhöhe ohne jede sichtbare gegenleistung für den steuerzahler einstreifen?
ich bin weder von facebook noch vom orf sonderlich begeistert, aber dämliche herumrotzerei dieses stils geht mir mittlerweile schwer auf den zeiger.

Raymond Domenech
00
Eine andere Möglichkeit das zu sehen

wäre, daß der ORF so auch Gebührenzahlern die NICHT primär fernsehen eine Leistung für sein Geld liefern kann.

Es ist mMn genug Platz für alle im Internet, gerade bei den (ganz) Jungen hat der ORF keinen Hebel um den Wettbewerb zu verzerren.

tri tra trallala
00
Mit genau diesen Argumenten

die ja auch öffentlich breit getreten werden, müsste man eigentlich der ÖBB verbieten, dass sie etwa die Westbahn oder andere lukrative Strecken befährt.

Ivan Fedorov
04
schwachsinn

man kann dem orf viel vorwerfen, bzgl. programmgestaltung, personalpolitik etc. - aber die nutzung anderer medien als des fernsehens ist für ein modernes, auch staatliches, medienunternehmen essentiell - er SOLL ja möglichst viel reichweite haben.

tri tra trallala
01
Mal ehrlich

meinen Sie das jetzt wirklich ernst ??? Also so richtig ernst ??

Viennaboy
 
04
von welchem...

Privatsender sind sie?
Das wird eng mit dem weissen Balken vor lauter roter Stricherln, wetten wir?

Godiva.
00
nein, das riecht eher streng nach vöz.

tierischer durchfall
01
Bisschen weiter denken bitte!

-> Social-Media lockt durch Sendungsbezogene Infos mehr Menschen von der für die Werbewirtschaft relevante Zielgruppe vor den TV. Dadurch steigen die Werbeeinnahmen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.