Wien-Meidling

Der Sozialmarkt vor der Altwarenhandlung

Bericht | Isabella Lechner, 6. Februar 2012, 07:29
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    Vor der Altwarenhandlung in der Meidlinger Pohlgasse können sozial Bedürftige jeden ersten Freitag im Monat gebrauchte Haushaltswaren gratis mitnehmen.

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    Altwarenhändler Gerhard Rammel ist froh, noch Brauchbares nicht wegschmeißen zu müssen: "Früher wurde alles entsorgt, jetzt verschenke ich, was ich nicht verkaufen kann."

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    Mitnehmen dürfen die Leute im Prinzip alles - "aber halt in Maßen", wie Rammel betont.

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    Um die 40 bis 50 Leute kommen durchschnittlich zur Gratisausgabe, die meisten sind "Laufkundschaft".

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    Gratis einkaufen dürfen alle InhaberInnen eines Sozialmarktausweises bzw. eines Sozial-/Mobilpasses. Rammels Name ist dem Sozialamt und diversen Hilfseinrichtungen bereits ein Begriff. Mehr Bilder sind hier zu finden.

Der Meidlinger Gerhard Rammel verschenkt vor seinem Geschäft Haushaltsgegenstände an sozial Bedürftige

Fest eingepackt in seine Lammfelljacke sitzt Gerhard Rammel auf dem einladenden Biedermeiersofa im hinteren Teil seiner Meidlinger Altwarenhandlung. Von hier hat er den besten Blick durch das dicht angeräumte Geschäft. "Ich bin hineingeflüchtet, bei minus zehn Grad kommt heut eh kaum wer", sagt er, während sein Assistent statt ihm den Weg in die Kälte antritt.

Jeden ersten Freitag im Monat ist Sozialmarkt vor Herrn Rammels Geschäft: Neben der Tür stapeln sich Bananenkartons mit Hausrat und Krimskrams: Häferl, Töpfe, eine Zitronenpresse, Bücher, Bilder, Kuscheltiere. Zwei dick eingemummte Frauen wühlen in einem Berg mit Kleidungsstücken, eine andere interessiert sich für Bettzeug und Tischdecken. "Gratisvergabe nur mit Mobilpass" steht in Blockbuchstaben auf einem Blatt Papier. "Den müssen alle herzeigen, die umsonst einkaufen wollen", betont der Geschäftsführer. "Dann können sie mitnehmen, was sie wollen - aber alles in Maßen."

Gebrauchtes verschenken

Gerhard Rammel führt seit 35 Jahren Wohnungsräumungen und Entrümpelungen im großen Stil durch, häufig im Auftrag von Wiener Wohnen. Vor drei Jahren hatte der 68-Jährige die Idee, nicht mehr Gebrauchtes bedürftigen Menschen zukommen zu lassen. "Früher wurde alles entsorgt, jetzt verschenke ich, was ich nicht verkaufen kann. Es ist schade, das alles wegzuschmeißen." Auch Sachspenden, die Leute vorbeibringen, werden dem guten Zweck gestiftet, meist Geschirr, Bekleidung und Kleinrat.

Um die 40 bis 50 Leute kommen durchschnittlich zur Gratisausgabe, die meisten "Laufkundschaft", an einem Frosttag wie diesem sind es freilich nur eine Handvoll. Rammels Name ist dem Sozialamt und diversen Hilfseinrichtungen bereits ein Begriff, auch auf SeniorInnen-Webseiten und wien.at finden sich Infos zum Haushalts-Sozialmarkt. "Die Menschen kommen aus ganz Wien, um gratis einzukaufen", so Herr Rammel, "das spricht sich herum, da brauch ich gar keine Werbung machen."

Second Hand als erstes

Seit den 1970er Jahren, als er seinen ersten Secondhand-Laden in Wien eröffnete, hat der Geschäftsmann fast jeden Tag seines Lebens gearbeitet, war kaum einen Tag krank. Früher einmal hatte der Altwarenhändler neun Lkws und 40 MitarbeiterInnen, heute sind es fünf. "Ich hab halb Wien entrümpelt", sagt er lächelnd. Nicht nur sein Geschäftslokal ist angefüllt mit Waren aller Art, auch die insgesamt 300 Quadratmeter Lagerflächen seien bis auf den letzten Zentimeter ausgenutzt. "Alleine Bücher sind an die 50.000 dort gestapelt." Weiß man da überhaupt noch, was man hat? "Ja sicher, ich habe ein fotografisches Gedächtnis", schmunzelt er.

Unzählige Keller oder Wohnungen hat der Entrümpler schon leergeräumt, bei Delogierungen in Begleitung von SozialarbeiterInnen. "Das ist nicht immer angenehm, was man da erlebt, aber ich habe gelernt, das wegzustecken", erzählt der Räumungsprofi. Wenn "Messies" etwa ihren Unrat nicht freigeben wollten, ein Hundeskelett in einer verwahrlosten Wohnung auftauche oder eine seit Wochen nicht mehr stromversorgte Tiefkühltruhe zu entsorgen war.

Vergangene Schicksale

In alten Möbeln und unter Hausrat verbergen sich hin und wieder auch längst vergangene Schicksale: "Da war ein Brief aus dem Krieg, wo ein Soldat sich für immer von seiner Liebsten verabschiedet oder jener über eine Frau, die vor Liebeskummer und Sehnsucht gestorben ist." Aber auch boshaft-witzige Nachrichten von Verstorbenen an ihre Anverwandten seien ihm schon untergekommen. Was er sonst noch Spannendes entdeckt hat, sei "Betriebsgeheimnis", sagt er verschmitzt.

Sein Geschäft ist Gerhard Rammels Lebenswerk. Privat sammelt er auch gerne Altes, "vor allem Porzellanfiguren", und er schreibt gerne Gedichte. Selbst mit 68 Jahren denkt der "Meidlinger Altwarenpoet", wie ihn Insider nennen, nur manchmal ans Aufhören: "Ein Jahr will ich noch arbeiten - das sag ich seit zehn Jahren ..." (Isabella Lechner, derStandard.at, 3.2.2012)

Ansichtssache:

Der Sozialmarkt vor der Altwarenhandlung

Haushalts-Sozialmarkt
Altwarenhandlung Gerhard Rammel
Pohlgasse 13, 1120 Wien (ehemalige Post-Filiale)
Tel. 0664/151 60 13

Jeden ersten Freitag im Monat von 10 bis 18 Uhr Gratisausgabe von Hausrat, Bekleidung, Spielsachen, Möbeln usw.
Nur gegen Vorlage eines Sozialmarktausweises bzw. Sozialpasses/Mobilpasses

Sachspenden-Annahme:
Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 54
1 2
BlackFriday
 
00

Bedürftige sollen die sachen gratis bekommen, ich gehe aber auf den Flohmarkt um zu feilschen, nichts macht mehr spass als feilschen (zumindest mit dem richtigen gegenüber), und sich gegebenenfalls "betrügen" zu lassen^^

pick dame
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die postings zeigen recht deutlich, wie viele menschen es in diesem land immer noch gibt, die keinerlei geringste ahnung (ahnung, nicht wissen!) von armut haben. einerseits ist das erfreulich. andererseits... fehlt ein bisschen das mitgefühl.

byron sully
07

sehr schön, daß es solche leute gibt. danke!

O5
223

Gratis, gratis, gratis... damit die Leute ja nie einen Anreiz haben zu arbeiten. Somit ist sichergestellt dass es auch in Zukunft viele "Arme" geben wird.

BlackFriday
 
00

das "gratis" zeug, schmeißen die leute für gewöhnlich in den Müll (altes Geschirr, abgetragene Kleidung, abgewohnte Möbel). Es ist nur gut und richtig, das bedürftige die Sachen gratis, bzw. zu um einen "symbolischen Preis" bekommen.

super cat
00

Anreiz? Auf rund 25.000 freie Stellen kommen derzeit mehr als 325.000 Arbeitslose!
Abgesehen davon. Seit wann arbeiten Pensionisten?
Keine Ahnung aber trollen.

4simo
07

die waren sind gratis
Ihre bildung war umsonst

hartl0112
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Keinen Anreiz zu arbeiten, schafft die Wirtschaft von allein.

andreas lamers
 
12
naja bei

23millionen arbeitslosen vor einem jahr in europa werden sie sicher gerne arbeitsplaetze schaffen. also hopp auf einen betrieb gruenden und leute anstellen.

weil sind ja alles arbeitsunwillige oder?
Kommt ein Mann zum Arbeitsamt.
Berater: ... und was kann ich für Sie tun?"
Mann: Ich brauche einen Job.
Berater: Mann haben Sie Glück, sagt der Berater, ich hab sogar schon einen Job für Sie im Angebot.
Mann: Im ernst?
Berater: Ja, Sie werden eine große Luxuslimosine fahren, im Büro sitzen und 600.000 DM im Jahr verdienen.
Mann: Sagen sie mal, wollen sie mich verarschen?
Berater: Na hören sie mal, wer hat den damit angefangen?

einer123
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arbeitslager für diese faulenzer über 70? ernsthaft oder nur mal so trollen?

MynniaIgnea
012

Das sind a) keine Designermöbel oder die neueste Technik, sondern DAS NÖTIGSTE und b) früher war es normal, seine Möbel weiterzuschenken!

Das Teuerste sind außerdem Lebensmittel und Medikamente! Hochwertige Lebensmittel werden auch im Sozialmarkt nicht ausgegeben!

Neidisch sein auf Ärmere...so ein Schmarrn. Ist ja widerlich, dass man sowas immer mehr hört!

Und dass eine sinnvolle Arbeit was anderes ist als das, was die meisten machen, davon fang ich gar nicht erst an.

Der mit dem Wolf
01

in der heutigen Wegwerfgesellschaft, vollkommen richtig, dass Sachen weiter verwendet werden
noch besser an soziol bedürftige schenken.

Jedoch die "Bobos", die zwar beim Gemüse die CO2-Bilanz berechnen - im Sinne des Klimawandels ... - und nur immer das neueste "Design-Klumpert" kaufen, um es nach einigen Wochen wegzuschmeissen (fürs nächste Jahr wird ja nichts aufgehoben) scheint wohl Ihre Lebenseinstellung zu sein

thel4mb
07
Ein erbärmliches posting!

Kan Tau
03

Wir sollten denen dankbar sein, die mit Dingen, die sonst deponiert oder verbrannt werden müssten, noch etwas anfangen können. Außerdem gibt es Leute, die von den Erträgen ihrer Arbeit mehr schlecht als recht über die Runden kommen und die froh sind, wenn sie Brauchbares gratis bekommen.

super cat
00

Leider bekommen jene die berufstätig sind, jedoch in 20 bis 30 Stunden Jobs sind (z. B. vom AMS über Zeitarbeitsfirmen vermittelt, Vollzeit zu bekommen ist derzeit fast unmöglich, ich kenne Betroffene) keinen Sozialpass. Da sie berufstätig sind, gelten sie trotz niedrigem Einkommen nicht als bedürftig, Ermäßigungen wie Befreiung von der Rezeptgebühr oder GIS, verbilligte Fahrscheine stehen ihnen nicht zu. Leider...
Das betrifft auch viele Müttern in 30 Stunden Jobs, die Kinder zu betreuen haben. Viele "Berufstätige" haben genauso wenig oder kaum mehr Einkommen als offiziell Arbeitslos gemeldete.

Harry Y.
 
60
Finde ich natürlich gut.

Was ich merkwürdig finde, ist, warum man bei Privatpersonen, die Sammler sind/das horten, was für andere Leute sinnfrei erscheinen mag (zb Bücher und Zeitungen;)) von Unrat (sic!), Messies, und psychischer Erkrankung spricht,

währenddessen Menschen, die im Geschäft/Lagerraum selbiges tun (alles in Bananenkartons), geachtete und gesunde Unternehmer sind und für ganz normal gehalten werden.

Harry Y.
 
00
10.2.2012, 12:41
Ultrarechte N**i-Trolls

trollen hier im Forum alles nieder: sie bereiten sich schon vor auf einen eventuellen Endsieg bei den Wahlen. Dazu haben sie sich schon jetzt die Sündenböcke ausgesucht, die ihnen als nächste Minderheit zur Anhetzung, später zur Einforderung von Disziplinierungsmaßnahmen und Ähnlichem bei der ignoranten Bevölkerung dienen sollen: die psychisch Kranken. Diese müßten ihrem Willen gemäß diszipliniert werden und täglich zwangstherapiert (im Volksmund: niedergespritzt. Dies kann auch mit Psychopharmaka geschehen). Dazu braucht man nur genug unters Volk zu bringen versuchen, dass sie gemeingefährlich sind - oder eben, wie in diesem Fall, gemeingefährliche Bakterienverbreiter und Krankheitserreger.

4simo
10

messie sein beudetet nicht, etwas sammeln, was IHNEN nich sammelwert erscheint.
messie sein heisst, alles sammeln um des sammeln willens, wobei das sammeln alles ist, jedes fitzerl papeir, jeder konservendose, jedes vergammelte brot... eben alles.

Harry Y.
 
20
Wer sagt das?

Im Standard z.b. habe ich etwas ganz anderes gelesen; Aussagen von Menschen von Fach inklusive. Da ist ein Messie schon einer, der vor lauter Gehortetem (Gedrucktes wurde sogar als Beispiel angeführt) nicht mehr ohne Schwierigkeiten durch die Wohnung kommt. Was Sie so alles behaupten, - noch dazu ohne Quellenangaben!

derstandard.at 15. Dezember 2009, unter Messie + Chaos im Archiv nachschlagen, ihr WiXXXer
(den Link kann ich leider nicht einfügen).

andreas lamers
 
12
wissen sie was der unterschied

zwischen einem sammler und einen messi ist? hundeskelete oder verschimmlende zeitungen hebt der geschaeftsmann auch nicht auf.

Harry Y.
 
20
Na was Sie alles wissen! : s.o.

Und das nächste Mal zitieren Sie Ihre Quellenangaben gleich bitte danke.

dau
03
einfach zum nachmachen

in dem haus, in dem ich wohne, werden dinge, die jemand nicht mehr braucht, bei den briefkästen deponiert. fast immer findet sich ein/e abnehmer/in innerhalb von 24 stunden.

caracal
00

wohnen wir im selben haus? ;-)

doublesix
00

ja, da wohn ich auch! :-)

s m s
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Wos nix kost

is nix wert. Ist so.

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