Europa in der Sackgasse?

Leser-Kommentar | 9. Februar 2012, 10:38

Wir sollten eine Bankrotterklärung Europas nicht zulassen. Es wäre auch ein Verrat an jenen Idealisten, die vor uns da waren

Die andauernde Krise entwickelt sich zunehmend zum Spaltpilz der Eurozone. Parallel dazu wächst die Sorge, dass die erfolgreiche Integration Europas leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird und die Anstrengungen von sechs Jahrzehnten verloren gehen. War der europäische Traum von Anfang an eine Sackgasse oder greift die Debatte um die Finanzen zu kurz?

Geht es um Europa, haben die Skeptiker derzeit ein besonders leichtes Spiel. Mühelos besitzen sie die Hoheit über die Stammtische. Wie immer in schweren Zeiten schlägt auch diesmal die Stunde der "schrecklichen Vereinfacher".

Zweifel, wer für die missliche Lage verantwortlich ist, lassen sie gar nicht aufkommen. "Brüssel" agiert demnach abgehoben und inkompetent zugleich. Unverständnis und Hilflosigkeit brauchen schließlich einen Sündenbock. Dagegen wird den wenigen noch verbliebenen Visionären, die die idealistische Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, dass nationalistisches Denken einem guten Europäertum weichen wird, Spott und Hohn entgegengebracht. 

Aber nicht nur das Krisengerede, auch ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel kommt den Kritikern entgegen: Die am Beginn stehenden Ängste vor einem weiteren Krieg haben ihre Geschichtsmächtigkeit eingebüßt. Der soziale Mechanismus, der die Erfahrungen von früher mit denjenigen von heute verbindet, besteht kaum noch. Viel zu sehr wachsen wir in einer Art permanenter Gegenwart auf, in der Wohlstand und Frieden als selbstverständlich und nicht als Folge eines generationsübergreifenden, jahrzehntelangen Bemühens gesehen werden.

Ohne ein historisches Bewusstsein aber werden nicht nur kleinere soziale "Dellen" dramatisch überbewertet, sondern wird auch die EU auf einen zentralistischen Bürokratiemoloch reduziert, noch dazu auf einen, der sich wenig um die Meinung des Volkes schert.

"Nie wieder Krieg" war ein Paradigmenwechsel

Wie sehr die Finanzkrise Europa auch treffen mag, verantwortlich dafür ist - jenseits billiger Schuldzuweisungen - primär ein vom angloamerikanischen Raum ausgehendes neoliberales Wirtschaftsmodell. Aber es geht ohnehin um viel mehr als um aktuelle Befindlichkeiten.

In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hat Europa einen radikalen Gegenentwurf zu seiner unsäglichen Geschichte vorgelegt. Anstelle all des Schreckens früherer Epochen wie Kolonialismus, Faschismus und Kommunismus hat man auf Werte wie Demokratie, Menschenrechte und allgemeine Wohlfahrt gebaut. Nicht mehr aggressive Machtpolitik, sondern Wohlstand für (fast) alle war von nun an die Devise.

Ein Scheitern des europäischen Projektes wäre daher nicht nur eine Bankrotterklärung gegenüber dem Rest der Welt, sondern zuallererst ein Verrat an jenen Idealisten, die vor uns da waren.

Lag der Krieg bis dahin als apokalyptische Plage wie ein nicht enden wollender Fluch über Europa, haben diese in einem beispiellosen Paradigmenwechsel den "gordische Knoten" zerschlagen. Sie haben erkannt, dass mit den Strafmaßnahmen nach dem Ersten Weltkrieg das Grundübel in der Mitte Europas, die Erbfeindschaft zwischen Deutschland und Frankreich, nicht beendet werden konnte.

Jetzt, nach weiteren 50 Millionen Toten, war endlich allen bewusst, dass "Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" ausgedient hatte und es Zeit für etwas ganz Neues war. Etwas, was es bisher noch nicht gegeben hatte: kein Niederknechten des Verlierers mehr, sondern eine Einladung zur Zusammenarbeit.

Das Beste, was diesem Kontinent bisher widerfahren ist

Der Weg, den Europa nach 1945 gegangen ist, war mühsam, aber erfolgreich. Heute ist die Europäische Union die erfolgreichste multinationale Organisation der Welt mit einer Freihandelszone für 500 Millionen Menschen und einem noch nie da gewesenen Maß an Zusammenarbeit, Frieden und Sicherheit.

Wir alle sind Nutznießer dieser jahrzehntelangen Anstrengungen. Und doch wollen viele diesen Weg nicht länger mitgehen. Sie sind aus Prinzip gegen eine europäische Einigung, und die "Vereinigten Staaten von Europa" sind ihnen geradezu ein Albtraum.

Die einschlägigen Leserbriefe in der "Krone" legen tagtäglich Zeugnis davon ab. Sie beteuern zwar, die EU als Friedensprojekt zu begrüßen, wettern aber gleichzeitig massiv gegen Brüssel. Einmal ist es die Regulierungswut, dann der nicht nachvollziehbare Förderdschungel und ein anderes Mal die Privilegien für den Beamtenapparat. Alles vermutlich nicht ganz falsch, aber man bringt damit absichtlich das Untere nach oben und diskreditiert das übergeordnete Ziel.

Viele Kritiker dürften nach dem Motto "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen" handeln. Den Frieden innerhalb Europas halten sie auch ohne EU für gesichert. Eine naive und gefährliche Haltung, zumal ein Zerfall der Union zwangsläufig nationalistische Bestrebungen fördern würde. So wenig Wohlstand und Frieden in den letzten Jahrzehnten selbstverständlich waren, so wenig sicher sind sie in Zukunft. Einen diesbezüglichen Automatismus gibt es nicht.

Europa braucht eine gemeinsame Identität

Jetzt rächt sich, dass die Integration Europas nach wie vor ein Elitenprojekt ist. Der Eindruck, dass über die Köpfe der BürgerInnen hinweg regiert wird, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Bevölkerung füllt sich überfahren und bestenfalls zwangsbeglückt.

Es fehlt nach wie vor ein europäisches "Wir-Gefühl". Für das ohnehin langfristige Ziel der Überwindung der Nationalstaatlichkeit wird entscheidend sein, ob die für das persönliche Umfeld so wichtigen lokalen Besonderheiten erhalten bleiben. Heimatgefühl, kulturelle Eigenheiten und die bessere Überschaubarkeit kleinerer Einheiten geben dem Menschen Sicherheit und Selbstvertrauen. Darauf hat er ein Anrecht, und nur wenn das gewährleistet bleibt, wird auch eine europäische Identität möglich werden.

Ein "Europa der Regionen" und die konsequente Anwendung des Subsidiaritätsprinzips sollten daher nicht nur Schlagwörter bleiben. In diesem Sinne würden eine Behebung des aktuellen Demokratiedefizits und das Abstellen der bürokratischen Dreistigkeit, alles bis ins Kleinste regeln zu wollen, viel zu einem positiveren Europaverständnis beitragen.

Am Ziel sollte idealerweise eine doppelte Identität stehen: eine, die uns verbunden hält mit unserer Heimat (Ober-)Österreich, aber auch eine, die uns zu stolzen Bürgern Europas macht. Sowohl die Verantwortung für das Erbe der Gründerväter als auch die zukünftigen Herausforderungen einer neuen Weltordnung verpflichten uns, den eingeschlagenen gemeinsamen Weg weiterzugehen. Wie Hugo Portisch meinte: "Europa kann und wird gelingen. Man muss es nur wollen." (derStandard.at, 9.2.2012)

Autor

Josef Mairinger (geb. 1959) ist im öffentlichen Dienst an einer Bezirkshauptmannschaft tätig.

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Fischotter
00
16.2.2012, 23:38

"Für das ohnehin langfristige Ziel der Überwindung der Nationalstaatlichkeit"

Herr Mairinger, war denn 1994 irgend eine Rede davon ???

Nein, natürlich nicht, ganz im Gegenteil! Da hieß es seitens der EU-Einpeitscher, Österreich werde selbstverständlich auch in der EU voll souverän bleiben...

Herr Mairinger, es ist also ganz einfach, warum die EU-Ablehnung in Österreich steigt und steigt. Ein bekanntes Sprichwort bringt es auf den Punkt:

Lügen haben kurze Beine!

Die seinerzeitige Falschheit und Verlogenheit der EU-Freunde rächt sich nun immer mehr. Das war nicht wirklich schwer vorauszusehen.

Trevor Goodchild
00
10.2.2012, 13:19
Spekulationsgewinne aus kurzfristigem Handel...

...mit Derivaten und Währungen (Sekundentrading) sollen EU - weit von den Bürgern bezahlt werden, eine massive Umverteilung von unten nach oben wird über Börsen unter dem Vorwand der Finanzierung betrieben.
Die Deutsche Bank spekuliert mit dem Tod von Personen, die "Investoren" klagen, weil die Spekulationssubjekte nicht schnell genug sterben, und die "Investoren" nun um ihre Renditen bangen.

http://www.n-tv.de/wirtschaf... 40251.html

Eine vollkommene Pervertierung aller gesellschaftlichen Normen, welche sich Europa in tausenden von Jahren erarbeitet hat, wird einem völlig gewissenlosen und perversen Raubtierkapitalismus geopfert.

3ch0
00
12.2.2012, 07:07

gesellschaftliche Normen sind immer auch nur Fesseln der Macht; gewissenlos & pervers war Herrschaft doch durch die Geschichte hindurch.
wir erleben halt grad wieder einen Erntezyklus...

Trevor Goodchild
00
10.2.2012, 13:03
Dazu kommen Überwachungstendenzen...

...die hier in Europa der Grossteil der Bevölkerungen ebenfalls nicht haben will, siehe Vorratsdatenspeicherung, ACTA, etc. -
Massnahmen die die Errichtung eines riesigen Überwachungsgebildes a la 1984 befürchten lassen.
Der Reise und Niederlassungsfreiheit steht so eine massive Einschränkung der demokratischen Rechte und Grundrechte des Einzelnen gegenüber.
Das Recht auf Schutz der persönlichen Daten wird durch Player wie Facebook, Google etc. massiv in Frage gestellt, die EU ist unfähig, sich hier im Sinne Ihrer Bürger zu positionieren.
Div. Abkommen werden ohne Öffentliche Diskussion unterzeichnet (ACTA), diese Vorgangsweisen erwecken einmal mehr den Eindruch, es handle sich bei der EU um eine absolut undemokratische Konzerndiktatur.

Trevor Goodchild
21
10.2.2012, 11:31
Die EU - eine Fehlkonstruktion von Anfang an.

Im Moment sieht man diese Fehlkonstruktion am Beispiel Griechenland. Durch das EU Währungssystem wird den Griechen (und nicht nur diesen) die Möglichkeit zur Abwertung genommen, daraus resultiert momentan die Verarmung grosser Bevölkerungsschichten.
Werden Hilfen gewährt, gehen diese letztlich nicht an die von Armut bedrohten, sondern an deutsche und französische Banken, zur Wahrung der Guthaben der Reichen.
Die meisten Menschen mussten erfahren, dass es seit dem "Start der EU" mit Ihrem Lebensstandard kontinuierlich bergab ging, merkbare Vorteile gibt es keine.
Die meisten Menschen haben das Gefühl, einer Konzern- und Bankendiktatur zum Opfer gefallen zu sein, demokratische Mitbestimmung in und an Europa wir als Unmöglichkeit empfunden...

andreas lamers
 
00
10.2.2012, 15:13
was nicht stimmt

ueberpruefen sie mal den kaufindez gegen arbeitsminuten, wir sind wohlhabend wie nie zuvor. ich kann mich noch erinnern als fleisch ein luxusgut war und wurst und schinken auch.

Trevor Goodchild
00
10.2.2012, 16:59
Von diversen Indizes...

..haben jene Menschen, die trotz 40h Arbeit nicht von ihrer Arbeit leben können (In Deutschland wurde die Einführung eines Mindestlohnes wieder einmal erfolgreich verhindert) aber eher wenig, genauso wie alle jenen, die von Hartz 4 und ihren Nachfolgern leben, alle jenen die mit Mindestpensionen auskommen müssen etc, etc.
Und die Anzahl genau dieser Menschen hat seit Entstehen des neoliberalen Konzerndiktatur Projektes EU deutlich zugenommen.
Dass Sie persönlich vielleicht wohlhabend wie nie zuvor sind, ist schön für sie, dass ein Index dies für alle bestätigt, liegt aber vor allem daran, dass hier ein Querschnitt repräsentiert ist, der auch die unverhältnismässige Zunahme des Reichtums eines geringen Prozentsatzes an Menschen dokumentiert.

Kurt Bayer
01
10.2.2012, 10:38
Europas Defizite

Das stimmt ja alles und ist bekannt, bleibt aber zu sehr an der Oberfläche. Das "Herumwurschteln" der Eurogruppe, womit immer wieder nur ein brennendes Problem angegangen wird, aber nie die grundlegenden Defizite überwunden werden, führt zu immer weiterer Aushöhlung des Euro-Projekts. Das Doppeldefizit demokratische Legitimität und Fiskalunion frißt sich in immer weitere Bereiche der EU vor. Das Tunneldenken der EU-Politiker bleibt den unvollständigen Verträgen verhaftet, die sich als fatal herausgestellt haben: alle Kompetenz, ob Staatsdefizit, ob Bankensanierung, ob Besteuerung verbleibt in einzelstaatlicher Kompetenz, die sich als unzulänglich erwiesen hat.

peace & love
10
10.2.2012, 10:23
viele (schlag)worte, wenig gehalt

hat ein wenig von einer sonntagspredigt, dieser artikel.

Alois Kremnitzer
01
10.2.2012, 10:22
noch nicht die letzte Abzweigung

... bevor die Sackgasse beginnt. Der Kommentar ist goldrichtig, aber ich glaube, es haben auch die "schrecklichen Vereinfacher" unter den Politikern erkannt, dass Solidarität und gegenseitige Hilfe mehr bringen, als Handgranaten über die Grenze zu werfen: Sie sind zwar gegen Brüssel, wollen aber die EU nicht missen.
Was meiner Meinung nach den Europäern fehlt, sind mehr Möglichkeiten, an Europa mitzubauen. Wir haben keine europaweite Wahl - auch die EU-Parlamentarier werden national gewählt; wir haben kein Plebiszit für alle Europäer; wir haben keine Plattform für die Meinung der 500 Millionen Europäer.
Hier sollte dringend verbessert werden, um ein europäisches Bewusstsein der Europäer zu schaffen.

le chat botté
01
10.2.2012, 09:12
Museum oder Zukunftsprojekt?

Was die Wertigkeit der historischen Leistung des europäischen Verständigungsprozesses angeht, bin ich ganz beim Autor.
Nur muss sich Europa bzw. die EU mittlerweile neu definieren und vor allem im Kontext der heutigen Anforderungen den Nachweis einer grenzüberschreitend problemlösenden und richtungsweisenden Kraft, die es mit den Grundrechten ernst meint, erbringen, ansonsten sehe ich wenig Mehrwert für die Bürger/innen Europas. Als Handlanger der USA, der Finanzmärkte und von Industrielobbys zu agieren, ist jedenfalls der falsche Weg und führt längerfristig wohl zur Selbstauflösung. Und was dann kommt...??

barney
13
10.2.2012, 09:56
künstlich

"Als Handlanger der USA, der Finanzmärkte und von Industrielobbys zu agieren" ist der Sinn der EU, deshalb wurde sie gegründet!
Friedensprojekt? Daß ich nicht lache: Rüstungsagentur, Verpflichtung zur Aufrüstung, Battle Groups, Eurogendfor...
Wohlstand? Nur für die Elite, das Fußvolk hungert; und die Griechen sind bloß die ersten.
Austritt katastrophal? Wie haben wir denn vorher überlebt?

MichelReimon
21
10.2.2012, 08:40

sehr gut!

Sar Kastl
03
10.2.2012, 07:54
"Es wäre auch ein Verrat an jenen Idealisten, die vor uns da waren"

Ja und?

Der Alte vom Berge
10
10.2.2012, 05:03
Nie wieder Krieg ? Der ist nur weiter weg,...

...ein Blick nach Africa und Zentralasien Genügt. ^^

Der Alte vom Berge
13
10.2.2012, 05:01
Die "Idealisten" die vor Ihnen da waren sind noch Vorhanden,...

...doch zum Grossteil als Geächtete gebrandmarkt da sie Kritik zu äussern wagten denn es ist ja alles gut und Zuckerlrosa, Alternativen giebt es ebnsowenig wie den viel zitierten Plan-B, auf Gedeih und Verderb befinden diese sich also in einer Schicksalsgemeinschaft deren Fürung Verträge und Klauseln so viel gelten wie ein Arshwisch, welches zu jener Malaise führte in der sich die "Schicksalsgemeinschaft" nun Befindet.

Eben jene Verursacher treten nun als Retter auf und faseln von Fiskalunion, politischer Union und anderen Unverdaulichkeiten die also nun ach so von Notwendigkeit wären wegen der schröcklichen Naturktastrophen-Krise die niemand Vorraussah.

Es wird nicht Gelingen das Pferd von hinten Aufzuzäumen.

Netter Versuch.^^

LiTaiPe
12
10.2.2012, 04:05
doppelte identitäten klingt zwar nett...

ist aber eine illusion. die meisten auslands-Ö kennen dieses dilemma, am ende ist man weder da noch dort sondern ein blatt im wind. irgendwann erkennt man dann doch dass jeder mensch eine kulturelle identität braucht

und diese ist nunmal extrem unterschiedlich, ein finne wird einen protugiesen oder griechen nie richtig verstehen. ebensowenig wie japaner sich mit indonesiern als gleich sehen- obwohl auch in asien an einer WI-Union gearbeitet wird

so hat das ja angefangen in EU, nur in den letzten jahren hat sich das ganze von diversen politikeliten forciert rasend zu einem staatenbund entwickelt(allerdings ohne vollwertige demokr. gewaltenteilung) - die größte errungenschaft europas! der o. erwähnte traum war ursprünglich ein anderer!

I. O.
01
10.2.2012, 10:18
Sie haben es auch nicht verstanden!

Was hindert daran das ZB Griechen ,Spanier, Slowaken, Franzosen...usw. sich zu ihre Nationalitäten zugehörig fühlen , und trotzdem europäer sind?

Aber leider immer mehr kommen die rechtskonservativen und nazionalistische Stimmen auf der Oberfläche...für diese Gruppen Demokratie, Menschenrechte, eine Völker-Unio ist die größte Befürchtungen!

le chat botté
10
10.2.2012, 09:27
Unzulässige Verallgemeinerung

Ok, wenn Sie nur von den "Auslands-Ö." sprechen, mag es vielleicht stimmen. Wenn Sie aber das Glück haben, in mehreren (europäischen) Kulturen und Sprachen aufzuwachsen (so wie ich), erlebt man das im Normalfall als absolute Bereicherung und ja, sogar als Privileg. Eine Identität braucht man tatsächlich, aber diese gestaltet man sich weitgehend selbst. Der Begriff "doppelte Identität" ist da nur irreführend, besser ist "integrale Identität".

LiTaiPe
10
10.2.2012, 10:46
merci.. dass

sie mich der unzulässigkeit belehren..

selbstverständlich mache ich hier verallgemeinerungen, da es ja um die breite allgemeinheit geht - um die allgemeine bevölkeung europas,

und nicht nur um ein paar priviligierte Kazen mit Stiefelchen..

ich wünsche ihnen aber bei ihren streifzügen durch europa viel glück auf der suche nach den "integralen" identitäten. (bitte auch auf den land und dorfstrassen suchen, nicht nur in airporhallen und lounge-cafes..)

le chat botté
00
10.2.2012, 11:29

Tja, tut mir leid, dass ich nicht in Ihr enges Weltbild passe. Und wenn hier jemand "auf der Suche" ist, dann wohl eher Sie.

LiTaiPe
02
10.2.2012, 04:32
doppelte ident... 2

es ist nicht richtig von einem ursprüngl. ziel zu sprechen wenn am anfang nur eine wi-union (bzw bergwerksunion) die idee war

die kritiker an der derzeitigen EU bzw. wie&wohin sich das ganze entwickelt als "Stammtisch"-geschwätz abzutun, ist falsch und überheblich, und trifft bestenfalls auf Östereich zu. in D und vlm. in UK gibt es seit vielen jahren eine EU diskussion auf höchst intellektuellem niveau, die natürlich die meisten gegener wie auch befürworter bei weitem überfordern würde

ich glaube persönlich auch nicht dass ein staatenbund mit sicherheit kriege verhindern wird. es gibt ja auch bürgerkriege bzw. Bp. ex-JUG. Und: wie klein müssen "regionen" sein wenn sich am land die leute aus 2 dörfern wegen andersartigkeit prügeln??

yoghurtlaus
02
10.2.2012, 01:50
leben wir nicht ohnedies bereits im "europa der regionen"?

http://ec.europa.eu/regional_... dex_de.cfm
partnerstädte, partnerregionen, es gibt verwaltungsnetzwerken, bürgermeister-netzwerke und eine unüberschaubare zahl europäischer "dachorganisationen" und "netzwerke", denn keine förderung ohne netzwerk. europa funktioniert schon längst in netzwerken.

es ist daher nicht nur ein projekt der intellektuellen. und doch: die in und für europa arbeitenden halten sich selbst für privilegiert und bevorzugen oft die geschlossene veranstaltung.

es spricht nichts gegen ein europa der regionen.

ich frag mich aber, ob das prinzip der subsidiarität im jetzigen sinn, gestützt auf die nationale repräsentationspolitik, das wahrmacht, was es suggeriert: mitbestimmung, gehörtwerden, selbstverwaltung

blauwal
 
12
idealisten ?

Es wäre auch ein Verrat an jenen Idealisten, die vor uns da waren ??? das waren / sind idealisten mit scheuklappen. jeder der die eu nicht bejubelt hat, ist als politischer rückständiger hinterwälder bezeichnet worden. diese sogenannten idealisten - verheugen , prodi - barroso usw. haben doch erst durch ihre politik dazu geführt, das die eu den bach runtergeht. asl beitrittskanditaten warten, die türkei - albanien -kosova-serbien -mazedonien - ukraine u. weiter ist wahrscheinlich auch armenien-asberbeidjan - kachastan usw. im gespräch. alle miteinander keine netto zahler. wie das funktionieren soll, das möcht ich gerne wissen ??

I. O.
00
10.2.2012, 10:22
Es könnte ja funktionieren!

Aber nicht nach dem Diktat von Großkonzernen, Großbanken, Rüstungsindustriellen, und Ratings-Augenturen!
Wenn es auf faiere Wirtschaft und Handel basiert, wenn auf Bildungs- Dömping und soziale Gerechtigkeit basiert dann: JA!

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