Mehrfach enttäuschte Hoffnungen

3. Februar 2012, 17:14
  • Artikelbild
    vergrößern 600x400
    foto: thimfilm

    Schmerzhafte Rückschau auf den Krieg: Simon Wielands Dokumentation "Heil Hitler - Die Russen kommen".

Kriegserinnerungen aus dem ländlichen Osten Österreichs: Die Doku "Heil Hitler - Die Russen kommen"

Wien - Archivaufnahmen zeigen eine jubelnde Menschenmasse, die auf das Kommen ihres Helden wartet. Sekunden später fährt ein schwarzer Mercedes die Straße entlang: Hitler. Alle heben den rechten Arm. Schnitt zur nächsten Einstellung: "Mir hat schon der Arm wehgetan vom Hitlergruß", erzählt eine Seniorin in der Gegenwart.

Der Filmemacher Simon Wieland, der selbst aus dem Weinviertel kommt, hat in die Jahre gekommene Männer und Frauen aus dem ländlichen Osten Österreichs zum Thema Hitler, Krieg und die Russen befragt. Seinen Dokumentarfilm Heil Hitler - Die Russen kommen hat er in dreizehn Kapitel aufgeteilt, der emotionale Höhepunkt wird zum Schluss erreicht.

Die Männer und Frauen begleiten die Kamera zu den Orten des Geschehens: vom Bunker, der sie vor Bombenangriffen geschützt hat, bis zum Garten des Nachbarn, in dem tote Soldaten lagen.

Wieland beginnt seinen Film mit dem Einzug der Deutschen in Österreich. Die befragten Zeitzeugen waren noch Kinder, als Hitler einmarschierte und ihnen Arbeit versprach. Die Euphorie hielt nicht lange an. "Die Leute haben geglaubt, sie kriegen eine Arbeit, dabei haben sie einrücken müssen - das war die Arbeit", erzählt ein zerbrechlich wirkender Mann. Fast naiv berichten einige über ihre Zeit in der Hitlerjugend, wo sie auch Opfer von Missbrauch wurden.

Zu Tode getrampelt

Das "plötzliche" Verschwinden von jüdischen Nachbarn ist nicht unbemerkt geblieben - ob diese nun freiwillig geflüchtet oder mitgenommen wurden, wissen die Befragten nicht. Sehr bewegt erzählt eine Seniorin von einem jüdischen Jungen, der vom "Ober-Nazi des Dorfes" totgetrampelt wurde, weil er um Brot bettelte. Wieland schneidet wiederholt Archivmaterial zwischen Szenen, um den Erinnerungen damit mehr Ausdruck zu verleihen.

Weniger als die Hälfte des Filmes ist den Deutschen gewidmet, den eigentlichen Fokus hat Wieland auf die Russen gesetzt - aber dies eröffnet noch keine neue Perspektive auf die Zeit. Die Angst vor den Russen hat sich in ländlichen Teilen Österreichs bis heute gehalten. Zur TV-Dokumentation unterscheidet sich der Film zumindest in einem Punkt: Es gibt keine körperlose, scheinbar objektive Stimme, welche Fakten auflistet. Jedes Detail, jede Geschichte kommt von den Zeitzeugen selbst. Musik wird nur sporadisch eingesetzt.

Die Kamera ist ein unauffälliger Beobachter, ein "Traumfänger" im übertragenen Sinne, der eine Collage aus Memoiren bildet. Eine der eindringlichsten Szenen kommt spät im Film: Einige Frauen erzählen, wie sie von russischen Soldaten vergewaltigt wurden. Ihre Hoffnung, von den Russen befreit zu werden, sollte nur teilweise erfüllt werden. Die Rote Armee vertrieb zwar die Deutschen, aber die Soldaten plünderten die Häuser der Österreicher, nahmen mit, was ihnen gefiel.

Intim erzählen die Frauen nun von ihren Überlebenstricks. Manche haben sich versteckt; andere wiederum haben sich als alte Omas verkleidet, um unattraktiv auf die Soldaten zu wirken. Einigen hat dies geholfen, viele wurden aber Opfer der systematischen Vergewaltigung. (Muhamed Beganovic  / DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)  

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
1 2
Paul Platon
06

bei uns im weinviertel wurde der film schon in etlichen filmen vorgeführt. und jede aufführung war bis zum letzten platz gefüllt. und auch die kritik war ausschließlich positiv

Roter Baron
00

ob das in kärnten oder oberösterreich auch so wär.... ?

mali jan
65
schon wieder (und immer noch) die Gleichsetzungung Hitlerdeutschlands mit der Sowjetunion

- angeblich beides Unrechtsstaaten seligen Andenkens.
Hitlerdeutschland ist laut geltender Geschichtsschreibung assoziiert mit Angriffkrieg und systematischem!!! Völkermord, nicht nur an den Juden sondern auch an ethnischen Minderheiten wie Roma und Sinti.
Die Sowjetunion ist nach ebendieser weltweit anerkannten Geschichtsschreibung assoziert mit Verteidigungskrieg und keinesfalls mit systematischen Kriegs- und Völkerrechtsverbrechen, in Österreich schon gar nicht.
Wie lange sollen wir uns diese Art von Umdeutungen noch vorsetzen lassen?

gekaufter poster
23

spätestens seit der öffnung der archive der su anfang der 90er sollten Sie wissen, dass die SU williger unterstützer der naziverbrechen von 1933-1941 gewesen ist (hitler-stalin-pakt). war ja auch klar, es hieß immerhin nationalSOZIALISMUS: man erachtete best. menschen- und volksgruppen für minderwertig, die zur schaffung eines neuen menschen ausgemerzt werde mussten. die nazis hatten was gegen "nicht-arier", die sowijets was gegen das vererbbare(!) "bourgoisie/ausbeuter-gen", das ganze volksgruppen (moskauer ärzteprozesse) besitzen konnten. wo ist der unterschied, ob jmd wegen seines gens in einem kz o. einem gulag landet?

anders and
 
23

Zwischen 1933 und 1938 war die Sowjetunion der einzig gewichtige Gegner der Naziverbrecher - das sollten Sie nach Öffnung Ihres Hirns mitbekommen.

gekaufter poster
00

zumindest im deutschsprachigen raum diskutiert man offen über diese kollaboration, da die dokumente offengelegt werden. soweit ich gehört habe, gab es sogar flugübungen der wehrmacht auf su-gebiet(google hilft). aus welchen gründen hätte stalin sich hitlers avance verweigern sollen? es winkten gebietserweiterungen(die 1940-1945 schön vollzogen wurden) und macht. moralische gründe standen best. nicht im weg ;) (googelns mal nach verbrechen der roten armee o. des nkwd)

anders and
 
11
hilf dir selbst!

Der Vertrag von Rapallo wurde 1922 abgeschlossen, Flugübungen der Wehrmacht in der SU wurden zwischen 1925 und 1933 durchgeführt. Die Kollaboration endete 1933 mit Hitler. Dass es schon vor 1933 eine Wehrmacht gab dürfte Ihnen bisher entgangen sein.

Wenn Sie eh wissen, dass googeln hilft, warum tun Sie's dann nicht?!

gekaufter poster
00
10.2.2012, 21:19

und wie unter langjährigen freunden üblich feierte man am 22. september 1939 eine gemeinsame siegesparade in brest-litowsk. auch waren es nicht die russen, die die freundschaftlichen beziehungen beendeten. stalin kam es nie in den sinn gegen des nationalsozialismus zu kämpfen, die aktion barbarossa erfolgte für russland komplett überraschend.

anders and
 
11
10.2.2012, 21:36

Es ist offensichtlich, dass es zwischen 1933 une 1939 keine Freundschaft zwischen Russland und Deutschland gab.

Die SU war der einzige Gegner des Münchner Vertrages.

Dass die westliche Politik der SU keine andere Wahl ließ als mit dem Deutschen Reich zu kooperieren ist offensichtlich,

nur Sie weigern sich die Fakten zur Kenntnis zu nehmen.

gekaufter poster
00
10.2.2012, 22:24

ich weigere mich nicht fakten zur kenntnis zu nehmen, sehe aber, dass sie zumindest ihr "stalin war 1933-1939 der größte gegner hitlers" in "es gab keine freundschaft" abschwächen. trotzdem sollten sie nicht die sowjetpropaganda von wegen "hitler und die imperialisten" steckten da unter einer decke annehmen. appeasementpolitik war zwar aus heutiger sicht falsch, wurde aber mit guten absichten unternommen! apropos münchner abkommen: es waren keine us/uk-panzer, die 1945 tschechien besetzten und 1968 in prag gegen menschen eingesetzt wurden.

gekaufter poster
00
10.2.2012, 21:13

danke, ich hatte das mal gehört und wollt jetzt nicht suchen. fakt ist, stalin war von hitlers führungsstil begeistert. nach der "nacht der langen messer" 1934 äußerte er sich über die aktion folgendermaßen:"hitler ist ein toller bursche. so muss man mit pol. gegner umgehen.". und während ihn die usa/uk versuchten in die appeasement-politik einzuspannen, entschied er sich ganz klar gegen "die imperialisten" und für hitler, dessen haßpolitik 1939 jedermann bekannt war.

Der elegante Herr von nebenan
 
02

Na und? Macht das die Millionen Toten die die Sowjetunion zu verantworten hat wieder lebendig? Wissen Sie eigentlich was in den 30-Jahren in der Sowjetunion los war? Im übrigen läßt sich das umgekehrt genauso behaupten und ändert genauso wenig an den Fakten

anders and
 
10

Es ist also zutiefst bösartig und menschenverachtend darauf hinzuweisen, dass die Sowjetunion zwischen 1933 und 1938 nicht mit Deutschland verbündet war.

Und es war selbstverständlich so, dass alle westlichen Mächte die Sowjetunion zwischen 1933 und 1938 hofiert haben.

Sie leben tatsächlich in einer hoch interessanten und ganz ganz weit entfernten Welt.

Der elegante Herr von nebenan
 
00

ich muss das jetzt aber nicht verstehen.

saunaecho
13
Die eigene Erfahrung ist immer stärker

Viel mehr Österreicher wurden von der Roten Armee ausgeraubt oder vergewaltigt als von der Wehrmacht. Also haben zumindest die nichtjüdischen Einwohner die "Befreiung" in keiner guten Erinnerung. Das ist eine soziale Tatsache. Aus der Perspektive der kleinen Leute war die Befreiung eine Katastrophe.

anders and
 
14

Auch der Abzug der Männer an die Front, die täglichen Benachrichtigungen über gestorbene Nachbarn, Freunde und Verwandte und das Wissen, dass die politische Führung nicht bereit war den verlorenen Krieg zu beenden waren für die kleinen Leute eine Katastrophe.

G. B. Corner
01

Beides ist richtig. Wobei anzumerken ist, dass eigentlich nur "Die Russen" als Befreier nicht in guter Erinnerung blieben. Engländer, Franzosen und Amerikaner waren nicht unbeliebt, obgleich Mädchen und Frauen speziell im Umkreis der Kasernen natürlich oft Vorsicht walten ließen. Ob das damit zusammenhängt, dass im "russischen" Bereich ja bis zuletzt noch gekämpft wurde und daher die Ressentiments größer waren, oder ob da weniger Disziplin herrschte, lässt sich wahrscheinlich nicht scharf trennen.

anders and
 
10
Sie kennen den Ausdruck "parfümierte Russen" für die Franzosen nicht,

G. B. Corner
00

Nö, kenne ich nicht - allerdings habe ich als Tiroler schon einige Leute in der Familie die die Franzosen noch erlebt haben; die Erinnerungen sind generell gut, schlechte Erfahrungen gab es anscheinend hauptsächlich mit algerischen (oder allgemei nordafrikanischen) Bataillons.

anders and
 
10
der SPD-Chef Schumacher hat die französischen Besatzer als "Westrussen" bezeichnet

da sie plünderten und vergewaltigten.

Die Übergriffe dürften unmittelbar bei Kriegsende am drastischsten gewesen zu sein, um sich in den nächsten zwei Jahren ein wenig zu lockern und dann komplett in eine bessere Behandlung umzuschlagen.

Da die Franzosen relativ spät nach Österreich kamen war Vorarlberg deutlich weniger von den französischen Racheaktionen betroffen.
Tirol war ohnehin von den US-Truppen erobert worden und kam erst im Juli 1945 an die Franzosen, darum gab es dort keine Plünderungen und Massenvergewaltigungen.

eine etwas weichgespülte Fassung:
http://www.zeit.de/2000/21/D... _Franzosen

Über die Hälfte der Berichte im Internet zu dem Thema stammt von Rechtsradikalen, für den politischen Mainstream ist es ein Tabu.

ManfredZsak - occupied the Wirtshaus
05
Darum geht es nicht !!

Interpretieren sie nicht was hinein, was dieser Film nicht sagen will ! Der Film will nicht vergleichen, sondern lediglich die Geschichte erzählen, und wenn ihre Vater erschossen wird und ihre Mutter vergewaltigt wird, macht es das ganze nicht besser, dass die Sowjetunion nur einen Verteidigungskrieg geführt hat - Die damalige Zeit war eine furchtbare Zeit, mit vielen sehr harten Schicksalen - und diese jetzt gegeneinander aufzuwiegen und zu sagen, was furchtbarer war finde ich nicht nur geschmacklos sondern auch noch äußerst lächerlich

anders and
 
11

der sowjetische Verteidigungskrieg in Karelien und Katyn ist bekannt, genauso wie die Rettungsaktionen Stalins für bedrohte Völker:

http://en.wikipedia.org/wiki/Popu... operations

Bertel Mann
84
"Systematisch" war der Mord an den Juden

Die Vergewaltigungen waren es nicht.

Cucumuch
12
so, was waren sie denn dann ihrer Meinung nach?

Sie könnnen ihren Kommentar doch sicherlich mit Fakten belegen, so allwissend wie sie austreten würds mich wundern wenn nicht.

mfg

Poldi Fesch
00
aha

weil ?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.