Mobilfunker mit Skype und Co auf Kriegsfuß

Analyse5. Februar 2012, 10:56
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Das Datenvolumen steigt, die Umsätze schrumpfen - Dienste wie Skype und iMessage bedrohen das klassische Mobilfunkgeschäft

"Simsen" Sie noch oder chatten Sie schon? Messenger- und VoIP-Dienste wie WhatsApp, Skype und Google Talk fressen den Providern einen Teil ihrer Einnahmen mit klassischen Mobilfunkprodukten weg. Bei Flatrate-Tarifen macht es keinen Unterschied, ob man seine Freunde auf Facebook oder via Apples iMessage anschreibt. SMS- und Telefonie-Pakete spülen jedoch mehr Geld in die Kassen der Provider. Und so stehen Mobilfunker mit den Dienste-Anbietern seit Jahren auf Kriegsfuß.

142 SMS und 749 MB pro Quartal

Österreich mag mit seiner hohen Mobilfunkpenetration jahrelang eine Insel der Seligen gewesen sein, doch auch hierzulange zeichnet sich ein Trend ab. So hat ein durchschnittlicher Handynutzer im zweiten Quartal 2011 (Letztstand der RTR-Statistik) im Quartal 7,4 Stunden telefoniert, 142 SMS verschickt und ein Datenvolumen von 749 MB verbraucht. Die heimischen Provider verzeichnen bei Telefonie und SMS-Versand zwar nach wie vor leichte Zuwächse, doch das Datenvolumen ist in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. Vor allem seit der Einführung des iPhones klettert die Zahl der verbrauchten MB rasant in die Höhe.

Datenvolumen explodiert

So ist das Datenvolumen von 1,692 Terabyte (TB) im zweiten Quartal 2008 auf 9,415 TB im zweiten Quartal 2011 angestiegen. Im selben Zeitraum ist die Anzahl versendeter SMS von 1,14 Milliarden nur auf 1,78 Milliarden gewachsen. Im zweiten Quartal 2008 wurde 4,9 Milliarden Minuten telefoniert, im zweiten Quartal 2011 waren es 5,56 Milliarden Minuten. Die zunehmende Verbreitung von Smartphones scheint sich damit nur minimal auf Telefonie- und SMS-Verhalten der Nutzer auszuwirken. Beim mobilen Datenverbrauch dürfte der Plafond noch lange nicht erreicht sein.

Umsatz rückläufig

Auf den Umsatz haben die Unmengen an Up- und Downloads keine positive Auswirkung. Im Gegenteil: Der Umsatz der Mobilfunker im Endkundengeschäft ist in Österreich seit Jahren rückläufig. Insgesamt haben die Mobilfunker Anfang 2011 einen Umsatz von 626,6 Millionen Euro verzeichnet. Im selben Zeitraum 2008 waren es noch 651 Millionen Euro.

Preisschlacht vorerst zu Ende

Die Tatsache, dass trotz wachsenden Datenverbrauchs die Umsätze zurückgehen, ist auf die erbitterte Preisschlacht der österreichischen Mobilfunker zurückzuführen. Datentarife mit neun GB sind hierzulande bereits um rund neun Euro erhältlich. Das jahrelange Preisdrücken hat mit dem Verkauf von Orange an "3" und von Yesss! an A1 eine erste Konsequenz gezeitigt und dürfte vorerst zu Ende sein.

SMS in einigen Ländern am Rückzug

Dass bei preisstabileren Tarifen die Umsätze wieder in die Höhe geschraubt werden, könnte angesichts des Trends zu Messenger-Apps jedoch ein Trugschluss sein. In Österreich sind die Auswirkungen aktuell noch nicht zu spüren, doch in anderen Ländern wird bereits ein Rückgang verzeichnet. So wurden in Finnland, Hongkong und Australien zu Weihnachten weniger SMS verschickt als zuvor, berichtete die "New York Times" Anfang Jänner. In den USA habe sich zumindest das Wachstum verlangsamt. Analysten gehen davon aus, dass die Mobilfunker in den kommenden zwei Jahren einen noch wesentlich stärkeren Rückgang der Textnachrichten verschmerzen müssen.

2009 mit Skype-Boykott gedroht

VoIP- und Messenger-Apps sind den Mobilfunker schon seit Jahren ein Dorn im Auge. 2009 hatten T-Mobile und Vodafone gar mit einem Boykott von Nokia-Handys gedroht, wenn der Hersteller den damals noch zu eBay gehörenden Dienst Skype auf seinen Geräten vorinstalliert. Mittlerweile gehört Skype Microsoft, und Nokia hat seine ersten Smartphones mit Windows Phone auf den Markt gebracht. Skype wird vorerst noch nicht auf diesen Geräten unterstützt. Das soll erst mit Windows Phone 8 der Fall sein. Skype ist jedoch längst auf anderen und wesentlich stärkeren Plattformen wie Android und iOS verfügbar. Die anfängliche Einschränkung, dass derartige Dienste nur über WLAN, nicht aber 3G-Verbindungen genutzt werden können, ist längst gefallen.

Maßnahmen nicht vom Tisch

Maßnahmen gegen Skype und Co sind damit jedoch noch nicht vom Tisch. Denn neben der Bedrohung für das klassische Mobilfunkgeschäft schlägt den Providern dabei auch die wachsende Datenmenge auf den Magen. Für Aufsehen sorgte in diesem Zusammenhang eine Aussage von A1-Chef Hannes Ametsreiter im vergangenen Jahr. "Wenn es jemanden gibt, der unsere Infrastruktur nutzt, um damit unsere Einnahmen aufzufressen, werden wir natürlich Maßnahmen dagegen ergreifen. Wenn wir das nicht machen würden, hätten wir nicht das Geld, um in die Infrastruktur zu investieren. Wenn sich Google Voice, Skype oder andere dazu entschließen, unsere Einnahmen anzugreifen, würde das Probleme erzeugen", erklärte er gegenüber dem "Wall Street Journal". Das könnte darin resultieren, dass solche Dienste gezielt in den Netzen gedrosselt werden - sofern sie nicht bezahlen.

"Kunden entscheiden selbst"

Auf Nachfrage des WebStandard gibt man sich aktuell diplomatisch: "Der Kunde entscheidet selbst, welche der hunderttausenden Apps, die mittlerweile in den meisten App-Stores zur Verfügung stehen, installiert und genutzt wird", erklärt A1. Über die Tarifmodelle mit Freiminuten, SMS und Daten sei es den Nutzern auch freigestellt, über welches Medium sie kommunizieren wollen. Vorinstalliert werden solche Apps freilich nicht. (derStandardat.at/5.2. 2012)

  • Dienste wie Skype bedrohen das klassische Mobilfunkgeschäft.
    foto: skype

    Dienste wie Skype bedrohen das klassische Mobilfunkgeschäft.

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