Fallgruben und Grüße aus Sankt Petersburg

3. Februar 2012, 18:40
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Ein virtuoser finnischer Krimi: Mark Leinos "In der Falle"

Es gibt unverzichtbare Elemente in einem finnischen Krimi: Alkoholiker, böse, russische Mafiosi, einheimische Tölpel und als Zugabe Kriegsverbrecher aus Exjugoslawien, die ihr einmal gelerntes Handwerk in den Dienst des Verbrechens stellen. Fallweise kommen dazu noch Schlepper fürs Bau- oder Sexgewerbe.

Da die Zutaten relativ stereotyp sind, kann daraus leicht ein langweiliges, weil voraussehbares Opus werden. Marko Leino verwendet alle diese Motive aber virtuos und mit schwarzem Humor, vor allem macht er immer wieder neue Fallgruben auf, sodass ein Gauner nach dem anderen ein finales Ende findet.

Bleibt nur die Frage, wer zuletzt übrigbleibt. Weder der Junge, der zu Schändlichem gezwungen wird, weil sein Vater Schulden bei den Drogenhändlern hat, noch der korrupte Polizist, der seine Familie beschützen will, hat gute Chancen. Am anderen Ende der Nahrungskette sitzen nämlich die Großdealer aus St. Petersburg, und die pflegen Hindernisse ohne Umstände aus dem Weg zu räumen.

Das wird manchmal etwas unübersichtlich, und Leino gibt sich nicht mit allen Figuren gleiche Mühe. Wenn er einzelne genauer zeichnet, entstehen einprägsame Charaktere wie der Gangster Sundström, der auch noch im Gefängnis alle zu manipulieren versucht. Eine interessante Entdeckung für den deutschen Sprachraum. (Ingeborg Sperl, www.krimiblog.at / DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)

 

  • Mark Leino, "In der Falle". Deutsch: Anu Pyykönen-Stohner. € 20,50 / 
446 Seiten, Zsolnay, Wien 2012
    foto: zsolnay

    Mark Leino, "In der Falle". Deutsch: Anu Pyykönen-Stohner. € 20,50 / 446 Seiten, Zsolnay, Wien 2012

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