Ein virtuoser finnischer Krimi: Mark Leinos "In der Falle"
Es gibt unverzichtbare Elemente in einem finnischen Krimi: Alkoholiker,
böse, russische Mafiosi, einheimische Tölpel und als Zugabe
Kriegsverbrecher aus Exjugoslawien, die ihr einmal gelerntes Handwerk in
den Dienst des Verbrechens stellen. Fallweise kommen dazu noch Schlepper
fürs Bau- oder Sexgewerbe.
Da die Zutaten relativ stereotyp sind, kann
daraus leicht ein langweiliges, weil voraussehbares Opus werden. Marko
Leino verwendet alle diese Motive aber virtuos und mit schwarzem Humor,
vor allem macht er immer wieder neue Fallgruben auf, sodass ein Gauner
nach dem anderen ein finales Ende findet.
Bleibt nur die Frage, wer
zuletzt übrigbleibt. Weder der Junge, der zu Schändlichem gezwungen
wird, weil sein Vater Schulden bei den Drogenhändlern hat, noch der
korrupte Polizist, der seine Familie beschützen will, hat gute Chancen.
Am anderen Ende der Nahrungskette sitzen nämlich die Großdealer aus St.
Petersburg, und die pflegen Hindernisse ohne Umstände aus dem Weg zu
räumen.
Das wird manchmal etwas unübersichtlich, und Leino gibt sich
nicht mit allen Figuren gleiche Mühe. Wenn er einzelne genauer zeichnet,
entstehen einprägsame Charaktere wie der Gangster Sundström, der auch
noch im Gefängnis alle zu manipulieren versucht. Eine interessante
Entdeckung für den deutschen Sprachraum. (Ingeborg Sperl, www.krimiblog.at / DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.2.2012)