Zeitungsverleger: "Facebook und Co. sind für ORF tabu"

3. Februar 2012, 14:32

Facebook-Verbot für ORF: Wrabetz will es mit allen Mitteln bekämpfen

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz will mit allen Mitteln gegen das ORF-Facebook-Verbot kämpfen. Wie er der APA sagte wird er gegen den Bescheid der Medienbehörde Berufung einlegen und geht davon aus, dass der Bundeskommunikationssenat "die sehr enge und rechtlich nicht richtige Sichtweise der KommAustria korrigiert". Sollte das nicht so sein, will sich Wrabetz an den Verfassungs- und auch an den Verwaltungsgerichtshof wenden. Sollte es nicht möglich sein, das geltende Gesetz "in einer vernünftigen Weise zu interpretieren, dann müssten die entsprechenden Gesetzespassagen geändert werden", so Wrabetz.

Enge Auslegung des Gesetzes

Für eine Gesetzesänderung hatten sich bereits verschiedene Parteien, ORF-Redakteursrat und Publikumsrat ausgesprochen. Der ORF-Generaldirektor betonte, dass es dem ORF nicht darum gehe, soziale Netzwerke zu nutzen, um Geld zu verdienen, "aber wir müssen sie als Möglichkeit nutzen können, um mit unseren Kunden in Kontakt zu treten". Es gebe den gesetzlichen Auftrag, auch das junge Publikum anzusprechen und dieses bewege sich vorwiegend auf den sogenannten Social Media.

Wrabetz sieht außerdem die Gefahr, dass, sollte es bei der aus seiner Sicht "viel zu engen Auslegung des Gesetzes" bleiben, dem ORF neben Facebook auch die Nutzung anderer sozialer Netzwerke verboten werden könnte. Das könnte soweit gehen, dass es Armin Wolf oder anderen ORF-Mitarbeitern untersagt wird, sendungsbegleitend zu twittern oder Blogs in Zusammenhang mit ORF-Sendungen zu erstellen.

"Egal ob ein Fernseh-Redakteur etwas zu seiner Sendung twittert, oder ein Ö3-Mitarbeiter Informationen auf Facebook stellt - diese Form der Interaktion mit dem Publikum muss möglich sein", findet Wrabetz. Er prüft daher alle Möglichkeiten, juristisch gegen den Bescheid der Behörde vorzugehen, in letzter Konsequenz spricht er sich für eine Gesetzesänderung aus. Die diesbezüglichen Unterstützungsbekundungen der Parteien begrüßt Wrabetz naturgemäß.

."Facebook und Co. sind für den ORF tabu"

Anders sieht das die Print-Konkurrenz. "Facebook und Co. sind für den ORF tabu", so VÖZ-Generalsekretär Gerald Grünberger. Der Verlegerverband begrüßte die Entscheidung der Medienbehörde, die die "ohnehin unmissverständliche Gesetzeslage" bestätige. "Der ORF muss rasch alle seine Auftritte in den sozialen Medien restlos einstellen", auch die Twitter-Seiten, so Grünberger. Der VÖZ-Generalsekretär begründete dies nicht nur mit den geltenden Gesetzen, sondern auch damit, dass "die ausufernden Social-Media-Anstrengungen des ORF negative Auswirkungen auf die gesamtösterreichischen Werbeerlöse und die österreichische Online-Branche" hätten. Mit der Bespielung und Bewerbung von Facebook und Twitter würde User-Traffik und in weiterer Folge potenzielle Werbeeinnahmen an US-Konzerne umgeleitet, so Grünberger.

Die Medienbehörde hatte festgestellt, dass der ORF mit Facebook-Auftritten von "Willkommen Österreich", "Universum", "ORF Die Große Chance", "Zeit im Bild", "Weltjournal", "147 - Rat auf Draht" etc. gegen das Gesetz verstoße, weil die Bereitstellung dieser Online-Angebote gemäß Paragraf 4f verboten ist. Insgesamt sind davon 38 Angebote betroffen. Der Facebook-Auftritt von Ö3 verstoße in größerem Umfang gegen das Gesetz, da hier vom ORF selbst Inhalte bereitgestellt werden, "bzw. die Tätigkeit der Administratoren von ORF-Mitarbeitern wahrgenommen wird", heißt es in dem Bescheid. (APA)

Kommentar posten
21 Postings
Maria Leitner1
10
der ORF gehört zerschlagen, weil er die werbewirtschaft in diesem bereich verzerrt

Ö3 und ganz besonders orf-tv gehört entweder werbefrei gemacht, oder sollte nicht mehr öffentlich rechtlich sein. das ist so wie der kampf früher von inode gegen die telekom. ein staatlicher platzhirsch zerstört den wettbewerb und verhindert innovation!!!

K.
14
Wenn sich die Zeitungsverleger da durchsetzen,

dann sind meine Zeitungsabos (auch die Printausgaben!) gekündigt !

GE
41

Wenn alle Parteien sich für die verfacebockscherierung des ORF einsetzt, frag ich mich wie blöd die alle in Summe sind.
Was bringen uns die Facebock seiten nix, das ist alles nur Hirnverblödung für Hirnblöde.
Es gibt eine Wlet da draussen die ohne Massenhysterie made by Zuckerhügel auskommt!

B.Kiddo
02
Das Internet ist frei

Es gibt nicht nur Facebook sondern auch andere (seriösere) Plattformen; jeder, ob nun haupt- bzw. nebenberuflicher Journalist, ob Politiker oder einfacher Stasstsbürger sollte frei entscheiden, ob sie dieses Angebot der Meinungsäußerung nutzen wollen oder nicht; Sie und ich entscheiden ja auch aus freien Stücken, ob wir diesen Seiten aufrufen und diese Informationsquellen nutzen wollen, oder nicht; ein Verbot für ORF-Journalisten halte für demokratiepolitisch äußerst bedenklich.

Lukix
01
Interaktion

Ich finde der orf sollte eine dacebook seite haben
Wie stellst du dir sonst eine offeneiffene diskussion zwischen kunde und orf vor?
Fb gibt uns die möglichkeit unsere meinung denjenigen zu sagen welche sonst keinen draht zu uns haben.
Gerade der orf hat die interaktion mit dem kunden bitter notwendig.

Papp Kamerad
00
pf, smartphonepostings sind mühsam

Lukix
00

wo du recht hast hast du recht
stimmt aber, ich habe das posting mit meinem iPhone verfasst

meineMeinung1969
01
Nach wievielen ...

... Bieren? :)

mM

Lukix
00

in einer Skihütte
mit zitternden händen bei -15° draußen ;)

meineMeinung1969
00
Skihütte

Pardon - nach wie vielen Jagatees? :) Die Häne haben dorch nicht wegen der Kälte draussen gezittert ... :) :)

mM

Adam Ecker
05

"Mit der Bespielung und Bewerbung von Facebook und Twitter würde User-Traffik und in weiterer Folge potenzielle Werbeeinnahmen an US-Konzerne umgeleitet, so Grünberger."

Der Standard könnt gleich mal anfangen und diesen unnötigen Twitter-Link hier entfernen?
Danke.

404mg Emocypin
01
muss

man das sich etwa so vorstellen, dass da immer wieder ehrenwerte herren in einer runde sitzen und ueberlegen, wie sie irgendwem (der konkurrenz) einen knueppel zwischen die beine werfen können, und der subtext dabei lautet... scheiss auf das was die kunden wollen.

der pinky und der brain ...

hosenwurm
07
Erbärmlicher VÖZ

Armin Wolfs Twitterei allein schlägt qualitativ alle APA-copy-paste-Online-Auftritte der österreichischen Zeitungsbranche.

Das ist euer Problem.

qu3ntin
04

das argument ist ja immer dass die gebühren wettbewerbsverzerrend wären.

ich sehe das anders: ich kaufe mir mit meinen gebühren ein ordentliches angebot. ich will dass das angebot nicht bei den technolgien des vorigen jahrhunderts stehenbleibt. ich als kunde und miteigentümer (=staatsbürger, steuerzahler) wünsche mir ein ordentliches, breites, gestreutes angebot.

der kunde (und miteigentümer) ist könig!

Maria Leitner1
00
ich wünsche mir ein angebot, das kunst, kultur und politik bringt und nicht irgendwelche scheiß us-serien us-filme und spielshows wie im privatfernsehen

die gebühren müssen dazu da sein, dass jeder im staat zugang zu objektiven nachrichten hat und das kulturelle dinge aufrecht gehalten werden können, die ohne unsere unterstützung untergehen würden.

für den rest ist privatfernsehen da und das kann ich abschalten wenn ichs nicht sehen will und muss nicht zwangsweise dafür zahlen

konsens ist nonsens
05

Wieder ein IndufWirtschaftszweig, der sich gegen die Konsimenten stellt, um das eigene überholte Geschftsmodell künstlich am Leben zu halten. Dass gerade der ORF Stein des Anstoßes ist, ist allerdings dann doch etwas komisch.

pussycat.1337
50

Ich finde es eh besser, wenn die orf angestellten nach einer sendung nichts mehr über ihre sendung twittern oder facebook'n! die thurnher und wolf sollten sich viel mehr konzentrieren, dass sie in ihren interviews alles einbringen was sie zu einem thema oder einer person berichten möchten. nach der sendung sollte es aber nicht usus werden, dass im nachhinein noch meist unangebrachte oder provokante bemerkungen durch twitter oder facebbok in den raum gestellt werden. Viel mehr sollten sie für die nächste sendung arbeiten. aber das feige posten scheint auch irgendwie mode zu werden, aber nur von feigen leuten, seröse berichterstattung kann auf sowas dezent verzichten!

know your enemy
00
Das liegt nunmal in der Natur der Dinge, dass man ein Interview ersten kommentieren kann, wenn es passiert ist

·Übermorgen·
00
Ich finde es eher mutig, wenn hinterher noch auf Twitter kommentiert wird

Schließlich passiert das ja alles öffentlich und jeder kann selbst darauf reagieren und bei Bedarf zurück schießen. Wo kann man in TV/Radio zu jedem Sager für alle öffentlich und nachvollziehbar ein Gegenargument bringen?

Herman Toothrot
02

weil auf das "feige nachher posten" (dh kommentieren), wo sie nicht einmal dabei waren, haben die printmedien ein monopol?

sirnicha
00
...aber das feige posten

könntest bei dir selbst gleich beginnen.

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