Nach Streit mit Italien

Deutschland muss nicht für Nazi-Verbrechen zahlen

3. Februar 2012, 14:27

Haager Gerichtshof sieht Staatenimmunität verletzt

Den Haag - Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat im Streit um Entschädigungszahlungen wegen Nazi-Verbrechen zugunsten Deutschlands geurteilt. Italienische Gerichte hätten die deutsche Staatenimmunität nicht anerkannt und seien damit ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen, hieß es in der Urteilsbegründung, die Richter Hisashi Owada am Freitag in Den Haag vortrug. Italien müsse auf gesetzgeberische oder andere Weise sicherstellen, dass dies nicht geschehen könne.

Berlin hatte den IGH Ende 2008 angerufen, um prüfen zu lassen, ob in Italien gefällte Urteile zu Entschädigungszahlungen wegen Nazi-Verbrechen mit dem Völkerrecht vereinbar sind. Konkret ging es um Klagen in Italien, die zwischen September 1943 und Mai 1945 während der deutschen Besatzung in dem Land begangene Taten betrafen und auf Entschädigungsurteile gegen die Bundesrepublik abzielten. Im Kern ging es um die Frage, ob Privatpersonen Klagen vor den Gerichten eines Staats gegen einen anderen Staat erheben dürfen.

Der italienische Kassationsgerichtshof hatte in diesem Zusammenhang entschieden, dass Deutschland die Hinterbliebenen eines Massakers der Wehrmacht im toskanischen Civitella im Juni 1944 mit mehr als 200 getöteten Zivilisten entschädigen müsse. Deutschland argumentierte, dass diese und ähnliche Gerichtsentscheidungen gegen die Staatenimmunität verstoßen, die als ein Grundsatz des Völkerrechts gilt. Privatpersonen dürften demnach keine Klagen vor den Gerichten eines Staates gegen einen anderen Staat erheben.

Auch Griechenland war in den Prozess involviert, weil sich griechische Überlebende wegen Naziverbrechen an italienische Gerichte gewandt hatten. Die Angehörigen von Opfern eines SS-Massakers im Juni 1944 im zentralgriechischen Dorf Distomo bekamen von der italienischen Justiz das Recht zugesprochen, ihre Ansprüche in Italien vollstrecken zu lassen.

Hintergrund: Entschädigung ausländischer Nazi-Opfer

Ausländische Opfer des Nazi-Regimes mussten nach dem Zweiten Weltkrieg lange auf eine politische Einigung über Entschädigungszahlungen warten. Erste sogenannte Globalabkommen mit europäischen Staaten wurden zwischen 1959 und 1964 geschlossen. Die Bundesrepublik stellte Belgien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Schweden und der Schweiz insgesamt 977 Millionen D-Mark (500 Mio. Euro) zur Verfügung. Diese sollten das Geld an die Geschädigten verteilen.

Das Abkommen mit Italien wurde am 2. Juni 1961 unterzeichnet. Der Vertrag über eine Zahlung von 40 Millionen D-Mark trat im Juli 1963 in Kraft. Rom sollte das Geld an Italiener verteilen, die "aus Gründen der Rasse, des Glaubens oder der Weltanschauung von nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen" betroffen waren und "Freiheitsschäden oder Gesundheitsschädigungen erlitten" hatten. Hinterbliebene von Opfern sollten auch bedacht werden.

Ungeachtet der Verträge sprachen italienische Gerichte klagenden Nazi-Opfern auch individuell Schadenersatz durch Deutschland zu. Zu den Klägern gehörten auch Nachfahren der 207 Italiener, die 1944 in dem toskanischen Ort Civitella von deutsche Soldaten als Vergeltung für Partisanenangriffe ermordet worden waren. Wegen Beteiligung an dem Massaker wurde der ehemalige deutsche Unteroffizier Max Josef Milde 2006 von einem Militärgericht in La Spezia zu lebenslanger Haft und Wiedergutmachung verurteilt; Deutschland liefert Deutsche aber nicht ins Ausland aus. (APA)

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15 Postings
alla riscossa
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in rechtsachen

ist man halt in italien nicht sehr firm, aber probieren darf man es doch!

so so ....
30

schliessen Sie da von sich auf andere ?

Das waren Strafprozesse mit Privatbeteiligung, nicht einmal das hat der IGH verstanden. Lesen sie sich mal das Urteil durch und die abweichenden Meinungen: 7:5, ü brigens.

Das Hauptproblem ist ja, dass Deutschland über Jahrzehnte vor deutschen Gerichten alles abgewürgt hat.

Unwürdig, das Ganze.

Igor Gassner
00
20.2.2012, 09:05
Deutschland hats eit dem Kriegsende

Ca 100 Milliarden Euro geplecht das BIP des Deutschen Reiches 1937 waren 170 Milliarden EURO also wann ist ausreichend ausreichend.

cookieberlin
02

Deutschland hat wenigstens bis dato seine Geschichte vorbildhaft aufgearbeitet.
Österreich hingegen hat bis heute noch nicht mal begonnen, die eigenen Gräueltaten aus dem I.WK aufzuarbeiten, insofern kann über die Höhe der finanziellen Ansprüche an die Republik Österreich! allein hieraus bis jetzt nur gerätselt werden.
Informationen über Massenmorde, abgeschnittene Körperteile, ausgestochene Augen, bajonettierte Kinder in Serbien, Montenegro, Albanien und Trentino stehen umfassend zur Verfügung.
Ortsnamen wie Donji Dobric, Sabac, Tolisavac stehen für Massenexekutionen.
Auch im II.WK und auch im eigenen Land wurde gemeuchelt, erinnern wir uns an den Massenmord von 180 Juden im burgenländischen Rechnitz.
Und nun?

so so ....
00

Nix und nun, gehört lückenlos analysiert und beglichen.
Lächerlich, wie Sie hier durch die nationale Brille schauen.

cookieberlin
01

Informieren Sie sich und arbeiten Sie die eigenen Gräueltaten auf, das bildet und Sie brauchen nicht mehr mit dem Zeigefinger auf andere zu zeigen.

Sodern
00

Nur was wär die Alternative? Lässt man solche Verfahren zu und gewährt sogar den Nachfahren in zweiter oder dritter Generation Schadensersatz in Millionhöhe, dann kann man den Laden gleich dicht machen.

Das Ergebnis wär vermutlich, dass D jedes Jahr mehr Schadensersatz zahlt als es BIP hat.

so so ....
20

Ich meine das Hauptproblem ist, das Deutschland seit 45 in Einzelklagen über das deutsche Gerichte nie etwas zugesprochen hat. Sonst wäre das Problem überhaupt nicht virulent.

Übrigens ist der Ausgangsprozess in Italien die Sache Luigi Ferrini gg. Deutschland. Ferrini war zwangsverschleppt und hat Stollen für Messerschmidt bauen dürfen. Tausende sind dort untertags umgekommen. Ferrini ist mitnichten ein Nachkomme. Aber es stimmt schon, das Kalkül, dass die Leute mit der Zeit wegsterben, wird schon aufgehen.

Kontrahent1
11
Wahrscheinlich haben die Opfer

von den 40 Millionen (1963 eine enorme Summe!) nicht viel gesehen. Jedenfalls hat es sich gelohnt, noch rasch vor Toresschluß die Seiten zu wechseln und heute feiern die Faschisten fröhliche Urständ;-)

so so ....
10

"... noch rasch vor torschluss die seiten zu wechseln ..."

da muss schon eine ausgeprägte geschichtsaversion haben, um so blank dazustehen.

Kontrahent1
11
Sie helfen mir sicher:

Wann hat Italien an Deutschland den Krieg erklärt? Die Kriegsgefangenen für die 'Siegesparade' in Rom wurden erst nach dem allgemeinen Waffenstillstand gemacht, aber von Anfang an kenne ich nur brüdeliche Fotos von Mussolini und Hitler. Oder?

so so ....
00

Vielleicht sollten Sie sich mal mit der Idee anfreunden, dass in Italien der republikanische und demokratische Geist nie seine Kraft verloren hat und den Dikator mit der Zeit eben losgeworden ist. Mussolini hat den Tyrannentod gesehen und ist mit Kopf nach unten in Mailand zur Schau gestellt worden.
Italien hat sich in Gestalt der Resistenza mit immensem Blutzoll über die längste Zeit ohne Hilfe der Alliierten gegen die Mordmaschinerie der Wehrmacht in Mittelitalien gestellt.

Dies unterscheidet Italien von Österreich und Deutschland (ohne O5, Weisse Rose und den Kreisauer Kreis im mindesten zu schnmälern). In Italien haben sich wie auch in Frankreich die Massen widersetzt.

Und um genau diese Verbrechen geht es im IGH-Urteil ...

Kontrahent1
00
und genau wie in Frankreich

das Vichy-Regime, oder noch schlimmer, weil gemeinsam Grausamkeiten begangen wurden (Vertreibung aus Südtirol z.B.) hat Italien mit den Nazis paktiert. Nach Stalingrad wurde dann ganz schnell Mussolini mit seiner Freundin gelyncht und man begrüßte die Amerikaner als Befreier. Anders als in Frankreich brauchten die Deutschen in Italien nicht einzumarschieren;-)

so so ....
00

ich glaube Sie verstehen nicht oder unterschätzen den ideellen und personellen Unterschied zwischen Faschisten auf der einen seiten sowie der Resistenza mit ihren unterschiedlichen Gruppierungen auf der anderen Seite.

Aber googeln Sie mal nach, sehen Sie sich die Opferzahlen an. Dann werden Sie auch bemerken, welche Verbrechen (vor allem gegen Frauen, Kinder und Alte) die Wehrmacht hier zu verantworten hat. Unwissentlicvermutlich bedienen Sie sich übrigens genau der Argumente der Altnazis.

cookieberlin
01

Nun, die deutschen (und russischen) Gräuel sind zumindest in Deutschland hervorragend und umfassend aufgearbeitet worden, in zahlreichen Dokumentationsorten und Museen können Sie hier in Berlin davon Kenntnis nehmen.
Wie eine finanzielle Abgeltung bei Kriegsverbrechen geregelt ist, entzieht sich meiner (und offensichtlich auch) Ihrer Kenntnis.
Warum sollte einem zuständigen intern. Gerichtshof mißtraut werden?
Was ein bißchen bieder wirkt, ist die bigotte Heuchelei von anderswoher, wo man aufgrund der eigenen "ausgeprägten Geschichtsversion" nichts von eigenen Massenmorden und Kriegsgräueln wissen will.
Wann fängt denn nun die Republik Österreich endlich damit an, sich mit der eigenen zweifelhaften Vergangenheit zu beschäftigen?

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